Nach Schüssen auf offener Straße in Detmold: Mordprozess hat begonnen

Lokalzeit OWL 06.06.2025 02:35 Min. Verfügbar bis 06.06.2027 WDR Von Oliver Köhler

Nach Schüssen auf offener Straße in Detmold: Mordprozess hat begonnen

Stand:

Nach einem gewaltsamen Streit mit Schüssen hat am Freitag der Mordprozess gegen zwei 19-Jährige am Detmolder Landgericht begonnen.

Es war ein schockierender Fall Anfang Januar. Auf offener Straße wird an einem Samstagnachmittag ein Mann in der Nähe der Detmolder Innenstadt erschossen. Danach gibt es eine bundesweite, öffentliche Fahndung nach einem Tatbeteiligten. Dass dieser Fall auf großes Interesse stößt, zeigt sich auch heute im Gerichtssaal beim Prozessauftakt. Der Saal ist voll, alle Plätze sind belegt.

Auseinandersetzung führt zu den Schüssen

Angeklagt sind zwei 19-jährige Männer. Der eine wegen Mordes, der andere wegen Beihilfe zum Mord. Laut Staatsanwaltschaft soll an dem Tattag ein Streit zwischen zwei Gruppen auf offener Straße nahe der Detmolder Innenstadt eskaliert sein. Dabei soll ein 43-jähriger Syrer gemeinsam mit zwei weiteren Männern den einen Angeklagten, einen 19-jährigen Deutsch-Türken, angegriffen und diesem mit einem Messer eine Stichverletzung am Oberkörper zugefügt haben.

Die drei Männer sollen daraufhin von dem Angeklagten abgelassen und ihm den Rücken zugekehrt haben. Daraufhin soll der 19-Jährige Deutsch-Türke eine Waffe gezückt haben und drei Schüsse abgegeben haben. Eine Kugel traf den Syrer im Gesicht, so die Staatsanwaltschaft. Der starb einen Tag später an seinen Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft bewertet das als Heimtücke.

Der andere Angeklagte, ein 19-Jähriger Deutscher, soll von der Waffe gewusst haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den Einsatz der Waffe gebilligt zu haben.

Angeklagte äußern sich am ersten Prozesstag

Sitzungssaal 165 im Landgericht Detmold

Der Mordprozess stößt auf großes öffentliches Interesse.

Die Angeklagten äußern sich zu den Vorwürfen über ihre Anwälte. Der 19-Jährige Deutsch-Türke gestehe laut seinem Anwalt die Tat und fühle sich dafür verantwortlich. Er erklärt sein Verhalten damit, dass er um seine Sicherheit besorgt gewesen sein soll. Es habe im Vorfeld einen Konflikt mit dem Sohn des Getöteten gegeben. Er habe Angst gehabt und daher eine Waffe bei sich geführt.

Nachdem er während der Auseinandersetzung eine Stichverletzung erlitten habe, habe er sich nur verteidigen wollen, und deswegen drei Schüsse abgegeben. Er habe niemanden verletzen wollen. Er bezeichne das Geschehene als "großes Unglück" und es falle ihm schwer, damit zu leben.

Der andere Angeklagte, ein 19-Jähriger Deutscher, bestätigt die Aussagen seines Mitangeklagten. Er lässt über seinen Anwalt verlesen, dass er aber nicht von der Waffe seines Freundes gewusst habe. Die Schüsse seien für ihn überraschend gewesen und danach habe er unter Schock gestanden.

Video dokumentiert Tat

Im weiteren Verlauf des ersten Prozesstages wird ein Video gezeigt, das die Tat dokumentiert. Ein unbeteiligtes Auto in der Nähe hat die Tat mit einer Dashcam aufgezeichnet. Für die Angehörigen des Getöteten, die als Nebenkläger auftreten, schwer zu ertragen. Die Frau des Getöteten verlässt währenddessen unter Tränen den Saal.

Vorausgegangener Streit zwischen den Familien wirft Fragen auf

Am ersten Prozesstag sagt auch der Sohn des Getöteten aus. Er soll am Tattag auf den 19-jährigen Angeklagten eingestochen haben. Er sollte aufklären, wie es zu dem Konflikt zwischen seiner Familie und den Angeklagten kommen konnte und warum der Streit an dem Tag so eskaliert ist. Das klappt nur bedingt. Seine Aussagen bleiben widersprüchlich.

Der Angeklagte soll Geldschulden bei ihm gehabt haben. Zudem soll er bei ihm und seiner Familie eingebrochen und ein Familienmitglied mit einer Waffe bedroht haben. Daraufhin habe er die Angeklagten zur Rede stellen wollen, ihnen eine Abreibung verpassen wollen. Er bestätigt, dass er den Angeklagten mit einem Messer verletzt habe. Laut seiner Aussage habe aber nur zugestochen, weil er bei dem Angeklagten eine Waffe im Hosenbund gefühlt hätte.

Prozess geht in zwei Wochen weiter

Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt. Dann sollen unter anderem Zeugen angehört werden, die die Tat beobachten haben.

Nach Schüssen auf offener Straße in Detmold: Mordprozess hat begonnen

WDR Studios NRW 06.06.2025 00:45 Min. Verfügbar bis 06.06.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Landgericht Detmold
  • Staatsanwaltschaft Detmold

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