Daten von Zwangsarbeitern im Kreisarchiv in Meschede geborgen
03:13 Min.. Verfügbar bis 21.10.2027.
Susi Frank hält ein vergilbtes Papier in der Hand. Es ist rissig und über achtzig Jahre alt, aber wertvoll, sagt sie. Zu lesen sind die wenigen Daten von Svetlana, Zwangsarbeiterin in Meschede. Sie hatte blonde Haare, kam aus der Ukraine und lebte mit vielen anderen Menschen in einer winzigen Baracke.
Sie wurde von den Nationalsozialisten nach Meschede verschleppt und musste unter unwürdigen Bedingungen für deutsche Unternehmen arbeiten.
Jedes Detail hilft, ein genaueres Bild zu zeichnen
Es sind über zweitausend Hebelisten mit Daten von Zwangsarbeitern. Diese Karteikarten hatte die AOK Meschede jahrelang im Keller vergessen. Durch einen Tipp eines Historikers bekam Susi Frank die Daten in die Hand.
Es sind kistenweise Daten, die ein genaueres Bild der Lebensbedingungen der Menschen damals erlauben.
Den Opfern ihre Namen wiedergeben
Susi Frank, Leiterin des Kreisarchivs in Meschede, freut sich über den Datenschatz
"Für mich ist es politische Bildung und dadurch, dass wir die Daten digitalisieren und aufarbeiten, geben wir den Opfern ihre Namen zurück", sagt die junge Archivarin. Sie hat mit ihrem Team eineinhalb Jahre gebraucht, um all die Daten zu digitalisieren und aufzuarbeiten.
Es war eine Sisyphusarbeit, die Susi Frank auch in ihrer Freizeit fortgeführt hat. Aber es hat sich gelohnt. Jetzt kann jeder interessierte Bürger die Daten einsehen.
Wichtige Daten für Geschichtsvereine und Heimatpfleger
Die geretteten und digitalisierten Daten nutzen Geschichtsvereine und Heimatpfleger der Region. Sie bringen damit Licht ins Dunkel der Geschichte ihrer Heimat.
Noch heute gibt es auch Anfragen von Familienangehörigen über den Verbleib ehemaliger Zwangsarbeiter. Hier können die Geschichtsvereine und das Archiv mit genauen Informationen helfen.
Zeit des Nationalsozialismus ist in großen Ballungsräumen gut erforscht
Vergessen und verstaubt - die alten Daten konnten gerettet werden
Die Forschung über den Nationalsozialismus bezieht sich meist auf die großen Städte wie München, Berlin und das Ruhrgebiet. Weniger bekannt ist die Geschichte auf dem Land, im Hochsauerland. Das möchte Susi Frank ändern.
"Wir fangen gerade an, uns dafür zu interessieren und solche externen Quellen sind Gold wert", ist die junge Archivarin begeistert.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters
- Leiterin Kreisarchiv Meschede, Susi Frank