Seit mehr als 30 Jahrern arbeitet die Drogenhilfe INDRO e.V. in der Nähe des Bahnhofs in Münster. Viel spielt sich allerdings hinter verschlossenen Türen ab. Am Donnerstagabend öffnete der INDRO e. V. erstmals seine Türen für die Öffentlichkeit.
Rund 70 Interessierte kamen, um das Drogenhilfezentrum einmal aus der Nähe kennenzulernen. Damit war das Interesse größer, als die Veranstalter erwartet hatten.
"Viele sagten: Wir wollten doch mal wissen, wie’s genau beim INDRO aussieht und was wir da so machen. Und da haben wir gedacht: Jetzt müssen wir es mal machen“ Stefan Engemann, Leiter des INDRO e.V.
Ein Blick hinter die Kulissen
Der INDRO e.V. liegt mit seinen Räumlichkeiten nur wenige Schritte vom Bremer Platz entfernt - also dem Ort, an dem sich Münsters Drogenszene aufhält. Drinnen, hinter den Türen des Hilfszentrums, finden drogenabhängige Menschen einen geschützten Raum: Hier bekommen sie Beratung, medizinische Betreuung und steriles Equipment zum konsumieren.
Am Donnerstagabend kamen allerdings keine Hilfesuchenden, sondern Nachbarn, Studierende oder einfach Neugierige. Viele aus der unmittelbaren Umgebung wollten wissen, was da passiert in dem von außen unscheinbar aussehenden Gebäude, vor dem sich täglich Menschen aus der Drogenszene versammeln.
Der Konsumraum des INDRO e.V. war Neuland für die meisten Besucher.
Die Mitarbeitenden des INDRO e.V. führten die Besucherinnen und Besucher durch alle Räume. Vor allem der Konsumraum war für die meisten spannend. Dort können Drogenabhängige unter Aufsicht und mit sterilem Equipment eigene Drogen konsumieren.
Offene Gespräche und neue Einblicke
Die Atmosphäre war locker und von echtem Interesse geprägt. Zwischen Snacks, kurzen Gesprächen und Fachfragen gab es einen regen Austausch zwischen allen Anwesenden. Niemand wirkte befremdet. Die meisten waren eher neugierig und nachdenklich, auf Anhieb per Du.
Die Besucher konnten Sauerstoffsättigung und Puls messen lassen, wie es sonst auch bei Abhängigen gemacht wird.
Ein besonderer Programmpunkt für viele war ein kurzes Training zur Ersten Hilfe bei einer möglichen Drogen-Überdosis. Die Mitarbeitenden erklärten, wie man auf Menschen reagiert, die zu viel konsumiert haben, und stellten das Medikament Naloxon vor. Ein Gegenmittel bei Opioid-Überdosierungen wie etwa Methadon.
Erste Hilfe bei Überdosis
Viele der Besucher kannten das Mittel nicht, hörten aufmerksam zu, wie es angewendet wird, und nutzten die Gelegenheit, sich danach einen Berechtigungsschein mitzunehmen. Mit diesem kann Naloxon später beim Arzt verschrieben und in der Apotheke gekauft werden, um im Ernstfall helfen zu können.
"War jetzt ein schöner Erfolg!" freut sich Stefan Engemann über die vielen Interessierten am Ende des Abends. Die Besucher konnten viele neue Eindrücke und Erkentnisse mitnehmen.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- INDRO e.V.