Femizid in Coesfeld kein Einzelfall - Mann tötet aus Eifersucht
Lokalzeit Münsterland. 22.07.2025. 02:41 Min.. Verfügbar bis 22.07.2027. WDR. Von Florian Dolle.
Am Dienstag hat das Landgericht Münster einen 39-Jährigen aus Coesfeld zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen, dass er seine Ex-Partnerin im vergangenen Dezember wegen "Eifersucht und Besitzdenken" erdrosselt hat. Der Täter sei mit der Trennung nicht zurechtgekommen.
Kein Einzelfall
Taten wie diese sind kein Einzelfall in Deutschland und gelten als sogenannter Femizid - also die Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind. 2023 wurde fast jeden Tag eine Frau oder Mädchen von ihrem Partner getötet.
"Die gefährlichste Phase für eine Frau ist die kurz nach der Trennung", sagt Ursula Saatz vom Frauenhaus in Münster. Zu ihr kommen Frauen und Kinder, die oft schon jahrelang in gewaltvollen Partnerschaften leben.
Die Adressen der Frauenhäuser sind geheim. Viele kommen von weit her und fangen bei Null an. Die Nachfrage ist groß: allein im Juli musste Ursula Saatz 33 Frauen ablehnen, die Schutz gesucht haben.
"Wir sind immer voll belegt. In der Regel ist es so: Wenn ein Platz frei ist, dann ist der in einer halben Stunde wieder belegt. Wir haben hier ständig Frauen, die sich aus Angst vor Gewalt vor ihrem Partner verstecken." Ursula Saatz, Frauenhaus & Beratung e.V. in Münster
Keine leichte Entscheidung für die Frauen
Bis Frauen sich dazu entscheiden, sich an ein Frauenhaus zu wenden, haben sie oft einen langen, gewaltvollen Weg hinter sich.
So auch im Fall der ermordeten 31-Jährigen aus Coesfeld. Bereits lange vor der Tat hatte der Mann sie misshandelt. Er hatte das Gefühl, seine Frau betrügt ihn. Der Grund: sie war viel am Handy. Er installierte Kameras in der Wohnung, um seine Frau zu kontrollieren. Nach der Trennung und dem Auszug fühlte sie sich von ihm gestalkt. Sie lebte in ständiger Angst.
Anita Francis hat ihre Freundin durch einen Femizid verloren. Sie appelliert an alle betroffenen Frauen sich sofort Hilfe zu holen.
Anita Francis, eine enge Freundin des Opfers, ruft dazu auf, wachsam zu sein und gewalttätiges Verhalten, egal ob körperlich oder psychisch, nicht hinzunehmen.
"Sofort weitererzählen an die Familien oder die Polizei. Nichts hinnehmen und denken, es wird schon alles wieder gut. Sofort bei der kleinsten Situation Hilfe holen." Anita Francis, Freundin des Opfers
Für Frauen im Münsterland, die Gewalt in der Beziehung erfahren, gibt es verschiedene Hilfsangebote. Zum Beispiel:
- Fachberatungsstelle bei häuslicher Gewalt, SkF Münster
- Frauenhaus und Beratung e.V.
- Beratung und Therapie für Frauen e.V.
- Beratungsstelle Frauen-Notruf Münster e.V.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- Frauenhaus Münster
- Bundeskriminalamt
Über dieses Thema berichten wir am 23.07.2025 auch im Radio auf WDR2 in den Lokalnachrichten Münsterland um 6:30 Uhr.