Absicherung vor dem Blackout: Altenheim in Borgholzhausen wird autark
Lokalzeit OWL. 17.09.2025. 02:34 Min.. Verfügbar bis 17.09.2027. WDR. Von Christina Joswig.
Einzelne kleine Stromausfälle hat das Haus Ravensberg in Borgholzhausen im Kreis Gütersloh bereits erlebt. Als im Zuge des Angriffskriegs auf die Ukraine immer mehr über Versorgungssicherheit gesprochen wurde, kamen erste Pläne auf, die eigene Unabhängigkeit abzusichern. 240.000 Euro hat sich das DRK das kosten lassen.
Zusammenspiel von Energiequellen
Für diese Versorgungssicherheit soll nun ein System sorgen, das von zwei ortsansässigen Firmen entwickelt wurde. "Der Kern ist, dass die Photovoltaik-Anlage und der Batteriespeicher mit den hauseigenen Systemen zusammenspielen", sagt Jan Fischer von der Firma Geoplex.
Im Ernstfall greifen die neugebauten Solar-Panels und der Batteriespeicher dem Notstromaggregat und einem Blockheizkraftwerk unter die Arme, die im Heim bereits installiert waren. So könne unter idealen Bedingungen tagelang weitergearbeitet werden, wenn es zu einem Stromausfall kommen sollte.
Eineinhalb Jahre von der Planung bis zur Umsetzung.
"In der Pflege sind wir über die vergangenen Jahre immer abhängiger davon geworden, am Strom zu bleiben", erklärt Einrichtungsleiter Christoph Langewitz. Aufzüge, Rufsysteme, verstellbare Betten und die Dokumentation - all das funktioniere nur, wenn auch Strom fließt. Und auch die Zentralküche, die täglich 500 Personen im Umland versorgt, braucht Energie.
Grundsätzlich gilt die Stromversorgung in Deutschland nach wie vor als sehr sicher. Nur 13 Minuten lang war der durchschnittliche Verbraucher im Jahr 2023 ohne Strom. Trotzdem begrüßt das Bundesamt für Katastrophenschutz Maßnahmen wie beim Haus Ravensberg.
Jede Vorbereitung hilft
"Auch wenn längere Stromausfälle sehr selten sind, ist jede Vorbereitung hilfreich. Selbst wenn es nur ein Kabel ist, das bei Bauarbeiten beschädigt wurde, kann ein Stromausfall gerade im Pflegebereich schnell schwere Folgen haben", so Sprecherin Marianne Suntrup.
Etwa 72 Stunden kann sich das Altenheim nun selbst versorgen.
Auch der Bundesgeschäftsführer des Verbands für Alten- und Behindertenhilfe, Thomas Knieling, hält eine solche Absicherung für sinnvoll. Bisher sei dies jedoch nur punktuell erfolgt - dafür brauche es Fördermöglichkeiten, besonders für kleine Träger: "Wenn Katastrophenschutz-Vorkehrungen erwartet werden, müssen sie auch finanzierbar sein."
Unsere Quellen:
- Deutsches Rotes Kreuz im Kreis Gütersloh
- Haus Ravensberg
- Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
- Geoplex GIS GmbH
- Elektroinstallation Dierk Bollin
