Trauernde fragen nach dem Warum?

WDR 02:30 Min. Verfügbar bis 01.06.2028

Nach Unfall in Dinslaken Trauernde fragen nach dem Warum?

Stand:

Eine Frau mit offenbar bekanntem Herzproblem hat in Dinslaken einen tödlichen Unfall verursacht. Wieso durfte sie noch fahren?

Hätte der Unfall verhindert werden können? Das fragen sich aktuell viele Dinslakener. Eine Autofahrerin (47) hat am Mittwoch, 27. Mai 2026, drei Zwölfjährige auf Fahrrädern angefahren. Nur einer von ihnen überlebte.

Die Ermittler gehen von einem medizinischen Notfall als Ursache aus. Laut Ermittlern soll die Frau ein implantiertes Gerät getragen haben, das einen vorübergehenden Herzstillstand aufgezeichnet haben soll.

Auf einem Stück Asphalt stehenviele brennende Grabkerzen, dazwischen liegen Blumen

Die Trauer und die Frage nach dem Warum in Dinslaken sind groß

Gegen die Autofahrerin wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die gesundheitlichen Probleme der Frau waren offenbar bekannt. Laut Staatsanwaltschaft hatte sie rund ein Jahr zuvor schon einmal einen Unfall verursacht. Damals war sie im Auto ohnmächtig geworden. Ihren Führerschein durfte sie trotzdem behalten. Wie kann das sein?

Verkehrspsychologe zum üblichen Vorgehen

Ein Mann in weißem Hemd steht vor einem Schaufenster

Verkehrspsychologe Jürgen Walter

Das ist schwer zu beantworten, sagt Verkehrspsychologe Jürgen Walter aus Düsseldorf. Er kann sich konkret zu dem Fall nicht äußern. Was er aber sagen kann: Wer am Steuer das Bewusstsein verliert, muss normalerweise einen Verkehrsmediziner aufsuchen. Der prüft zunächst, was die medizinische Ursache ist.

Laut dem Experten müssen Betroffene ihren Führerschein oft nur vorübergehend abgeben. Die Mediziner suchen in der Regel nach passenden Behandlungsmöglichkeiten. Es könne also durchaus sein, dass Betroffene nach ein paar Wochen wieder ans Steuer dürfen, so Walter. Die Frage sei, ob die Frau in Dinslaken wusste, dass sie beim Fahren ein Risko einging.

Trauernde kommen in Dinslaken zusammen

Es sind also noch immer Fragen offen. Umso wichtiger ist es für Dinslakener, sich weiter über das Geschehene auszutauschen. Einige von ihnen suchen auch Tage später noch den Unfallort auf. An einem Kiosk in der Nähe kommen sie zusammen, um gemeinsam zu trauern. Auch ein Polizist ist da und hört ihnen zu.

Ein Mann mit dunklen Haaren und Bart schaut seitlich an der Kamera vorbei

Sedat Tagay gehört der Kiosk an der Unfallstelle

Kiosk-Inhaber Sedat Tagay war als Ersthelfer dabei, als der Unfall in der 30er-Zone passierte. Er hat selbst drei Kinder und empfindet die Situation als schwer.

"Es ist echt eine Tragödie, was hier passiert ist - wirklich ganz, ganz schlimm. ( ... ) Aber das schweißt uns jetzt natürlich auch noch mal alle zusammen." Sedat Tagay, Kioskbesitzer und Ersthelfer am Unfallort

Große Hilfsbereitschaft

Zusammenhalt zeigt sich auch in der großen Hilfsbereitschaft rund um den tragischen Unfall. Für die Familien der verunfallten Kinder haben Gastwirte eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Eine Spendendose mit verschiedenen Teilnehmerin darauf steht auf einem Tisch.

Elf Gastwirte aus Dinslaken haben die Spendenaktion gemeinsam auf die Beine gestellt.

In ihren Lokalen haben sie Spendendosen für die Hinterbliebenen aufgestellt. Allein in einer Dose sind bereits rund 1.000 Euro zusammengekommen.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Staatsanwaltschaft Duisburg
  • WDR-Gespräch mit Jürgen Walter
  • WDR-Gespräch mit Anwohnern
  • WDR-Gespräch mit Gastwirten vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 01.06.2026, 19:30 Uhr

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