Garagen als neue Fledermaus-Unterkunft in Schermbeck
WDR. 03:17 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Einen Lichtschalter gibt es in den hintereinander angeordneten und miteinander verbundenen Fertiggaragen nicht. Wenn Paul Schnitzler von der Biologischen Station im Kreis Wesel sie betritt, schaltet er seine batteriebetriebene Kopflampe ein. Beim Betreten der künstlichen Höhle sagt er: "Hier ist Platz für Hunderte Fledermäuse zum Überwintern."
Im Inneren haben die Naturschützer für die Tiere künstliche Spalten aus Holzbalken und Steinen an Decken und Wänden angebracht.
Schwerstarbeit beim Bau der Garagenhöhle
"Das mit den Garagen war meine Idee", sagt Fledermaus-Experte Schnitzler: "So eine Höhle gibt es meines Wissens nach bislang noch nirgendwo!" Zwischen den ersten Überlegungen und der Einweihung liegen zwei Jahre. Robin Fenner arbeitet als Bundesfreiwilliger bei der Biologischen Station im Kreis Wesel.
Zusammen mit seinem Kollegen wuchtet er die letzten Zementringe rund um den Eingang an ihren Platz und befüllt sie mit Sand.
Dem kräftigen jungen Mann läuft der Schweiß über das Gesicht: "Da weißt du abends, was du gemacht hast." Fledermausschutz kann Schwerstarbeit sein.
Kaum Höhlen für Fledermäuse vorhanden
Die Üfter Mark ist ein Waldgebiet an der Grenze zwischen Niederrhein und Münsterland. Hier soll die "Garagenhöhle" die Bestände der bis zu 17 verschiedenen Fledermausarten der Region unterstützen.
"Das Gute an der Idee ist: Wenn es funktioniert, können wir die Höhle durch weitere Garagen erweitern." Paul Schnitzler, Biologischen Station im Kreis Wesel
Das Problem ist nämlich: Es gibt nur wenige Orte, wie etwa die Kasematten in Wesel, an denen Fledermäuse in großer Zahl geschützt überwintern können.
Anlocken mit Ultraschall
Jetzt müssen die Fledermäuse die künstliche Höhle in der Üfter Mark nur noch finden. Der Fledermausforscher will sich jedoch nicht darauf verlassen, dass sie von allein kommen. Paul Schnitzler hängt ein Abspielgerät mit Lautsprecher an einen Baum vor der Garage und drückt den Startknopf.
Mit einem Ultraschallgerät sollen Fledermäuse angelockt werden.
Zu hören ist: nichts. "Das sind Ultraschallrufe verschiedener Arten", erklärt er. Menschen können sie nicht wahrnehmen, Fledermäuse dagegen schon. "Wenn die Tiere irgendwo in der Nähe sind, werden sie vorbeikommen." Vielleicht werden sie dann in der Garagenhöhle überwintern. Das Projekt hat laut der Biologischen Station bislang rund 70.000 Euro gekostet. Es ist Pionierarbeit und zugleich Forschung zum Schutz bedrohter Arten.
Unsere Quellen:
- Mitteilung der Biologischen Station im Kreis Wesel
- Gespräch mit Paul Schnitzler, Biologische Station im Kreis Wesel
- Eindrücke des WDR Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de,Garagen als neue Fledermaus-Unterkunft in Schermbeck, 03.06.2026, 06:30 Uhr
