Wildschwein, Reh und Fuchs - wie wilde Tiere in Elmpt die Autobahn überwinden

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 10.06.2028

Grüne Brücke in Elmpt So kommen Hase und Fuchs sicher über die A52

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Bäume, Sträucher und Gras statt nacktem Beton. Wären die Seitenwände aus Metall nicht, könnte man die Brücke nicht von einem Waldstück unterscheiden. Sie überquert die A52 bei Niederkrüchten und soll wilden Tieren die Chance bieten, gefahrlos die Autobahn zu überwinden. Jetzt wollen Biologen überprüfen, welche Tiere das nutzen.

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Markus Waerder

Wieder mal streifen Luisa Grooten und Markus Heines durchs Unterholz, wenige Meter oberhalb der Fahrbahn, auf der tausende Autos täglich vom Niederrhein in Richtung Roermond fahren. Die Aufmerksamkeit der beiden Biologen gilt zunächst den kleinen Tieren. Sie heben eine ausgelegte Wellblechplatte hoch, unter der sich eine Zauneidechse aufwärmt. Das Tier ist ihr erster Fund an diesem Morgen.

Die Spuren verraten: Die Waldmaus war hier

Als Nächstes überprüfen sie einen Spurentunnel. Ein rechteckiger Kasten, in dem kleine Tiere ihre Fußabdrücke hinterlassen. "Mit Aktivkohle und normalem Öl - völlig harmlos für die Tiere", sagt Markus Heines, der dutzende Spuren zuordnen kann. Hier erkennt er sofort den besonderen Abdruck der Hinterpfote einer Waldmaus.

Luisa Grooten und Markus Heines legen einen Spurentunnel an

Luisa Grooten und Markus Heines legen einen Spurentunnel an

Es sind kleine und große Tiere, die diese Brücke nutzen sollen, um ihre Lebensräume zu vergrößern. Denn als dieser Abschnitt der A52 kurz vor der niederländischen Grenze im Jahre 2009 eröffnet wurde, zerschnitt die Autobahn wichtige Biotope, erklärt Luisa Grooten, Biologin der Biologischen Station Krickenbecker Seen: "In diesem Fall halt Gebiete mit Mooren, Heiden und ausgedehnten Grünlandbereichen, die auch eine sehr hohe Artenvielfalt aufweisen."

Ein neuer Weg für Wildschwein, Reh und Fuchs

Die Grünbrücke, 50 Meter breit und 80 Meter lang, soll seitdem den Tieren die Chance geben, zwischen den Biotopen hin- und herzuwandern. Damals ein Novum. Auch heute ist sie noch eine der ganz wenigen Grünbrücken am Niederrhein und leistet einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt. "Manche Arten haben einen relativ großen Raumanspruch", erklärt Markus Heines, "um sich genetisch auch auszutauschen und einen anderen Partner zu finden."

Ein Wildschwein überquert die Brücke in der Nacht. Es ist eine schwarz-weiße Aufnahme einer Wildkamera zu sehen.

Auch in der Nacht wandern die Tiere über die Brücke - wie hier ein Wildschwein.

Besonders gespannt sind die beiden Biologen, als sie die Datenträger der Wildkameras austauschen, die an dem einen Ende der Brücke angebracht sind. Wieder mal sind Fotos von Rehen dabei, am Tag und in der Nacht. Von Wildschweinen mit ihren Jungen. Der Fuchs war da, und auch das Eichhörnchen und der Dachs.

Die Spurensuche dauert etwa ein Jahr

Die Wildkameras sind der Quantensprung im Vergleich zur ersten Überprüfung der Brücke vor 15 Jahren. Auch damals schon sollte Markus Heines herausfinden, wie gut die Brücke wirkt. Allerdings noch ohne automatische Kameras - fast ausschließlich über Spurensuche im Sandbeet. Doch das Ganze hat seine Grenzen: "Es gibt Tiere, deren Spuren ungefähr gleich sind", sagt er - zum Beispiel die vom Stein- und vom Baummarder.

Luisa Grooten und Markus Heines überqueren die Grünbrücke. Um sie herum ist viel grüne Natur.

Luisa Grooten und Markus Heines überqueren die Grünbrücke.

Jetzt haben die Biologen dank der modernen Technik viel mehr Möglichkeiten. Und so werden sie ein Jahr lang immer neue Fotos sammeln und Spuren auslesen. Bis zum nächsten Frühling. Dann wollen sie ihre Ergebnisse auswerten und prüfen, ob auch wirklich schon alle Tiere die Brücke fleißig nutzen. Falls nicht, wollen sie die Brücke so anpassen, dass sich auch die schüchternsten Tiere zukünftig trauen, die A52 bei Niederkrüchten zu überqueren.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des Reporters vor Ort
  • Biologische Station Krickenberger Seen
  • Gespräche mit Luisa Grooten und Markus Heines

Sendung: WDR.de, Wildschwein, Reh und Fuchs - wie wilde Tiere in Elmpt die Autobahn überwinden, 11.06.2026, 5:00 Uhr

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