Kaninchenstreit in Kempen: Familie soll Stall im Garten abbauen
WDR. 01:36 Min.. Verfügbar bis 18.05.2028.
Cookie und Cornflake heißen die beiden Kaninchen von Familie Settah, um die sich in Kempen gerade ein ganzer Behördervorgang dreht. Noch leben die Kaninchen im Garten der Familie in Kempen-St.Hubert. Doch bald muss die Familie sich wahrscheinlich von ihren Tieren verabschieden.
Angefangen hat alles mit zwei Hennen. Eine der beiden war wohl relativ laut. Nachbarn hatten sich beschwert. Um darauf Rücksicht zu nehmen, gab die Familie Anfang des Jahres die Tiere dann ab. Mitarbeiter der Stadt kamen trotzdem.
"In dem Moment war das für uns klar: Sie sind gekommen wegen der krähenden Henne und die ist nicht mehr da, also ist das Thema erledigt. Die Akte wird geschlossen. Stattdessen haben sie sich dann auf den Kaninchenkäfig gestürzt."
Kann die Ansage der Stadt nicht verstehen: Astrid Schöne-Settah
Die Kaninchen nutzen einen kleinen Stall. Genau darin sahen die Mitarbiter der Stadt Kempen ein Problem. Auf Anfrage teilt die Stadtverwaltung in einer Stellungnahme mit:
"In solchen Fällen hat die Stadt Kempen [...] schon alleine aufgrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes kein Ermessen, einen nicht zulässigen Stall zur Kleintierhaltung [...] zu genehmigen" Stadt Kempen
Was ist erlaubt, was nicht?
Nach Ansicht der Stadt ist der Stall für die Tiere im Wohngebiet nicht erlaubt und muss entfernt werden. Grundlage ist der Bebauungsplan für das Gebiet am Rapsweg, der genau regelt, welche Nebenanlagen in den Gärten stehen dürfen - etwa kleine Abstellräume oder Sichtschutzwände. Kleintierställe sind darin nicht aufgeführt.
Für Familie Settah ist die Entscheidung der Stadt schwer nachzuvollziehen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwen stört. Kaninchen sind weder laut, noch gefährlich, noch machen sie viel Dreck", sagt Astrid Schöne-Settah.
Yunes Settah mit seinem Kaninchen auf dem Arm
Kinder bangen um ihre Kaninchen
Die Kinder sind mit den beiden Kaninchen aufgewachsen, nun fürchten sie, ihre Tiere zu verlieren, wenn der Stall weichen muss. "Das wäre schon sehr schade, wenn die wegen so einer blöden Regelung jetzt gehen müssen", sagt Yunes Settah.
Ins Haus kann Familie Settah die Kaninchen nicht holen. Da die Kaninchen das ganze Jahr über draußen gehalten werden, bekommen sie ein Winterfell. Ein Umsiedeln ins Warme könne für die Kaninchen tödlich sein, meint Astrid Schöne-Settah. Außerdem sind Kaninchen Fluchttiere. "Ich könnte sie nicht abends fangen und morgens wieder rauslassen. Das würde ich den Tieren niemals antun", sagt sie.
Gnade für Cookie und Cornflake?
Grundsätzlich kann es Ärger geben, wenn Kleintiere im Garten gehalten werden und dafür ein Stall notwendig ist. Zulässig sei lediglich eine Haltung bei der keine Ställe, Gehege oder Ähnliches im Garten aufgestellt werden müssten. Allerdings dürfe es auch hier zu keiner Geruchs- oder Lärmbelästigung kommen, betont die Stadt Kempen.
Wer die Zulässigkeit seiner Gehege prüfen möchte, der kann das beim Planungs-, Bauordnungs- und Denkmalamt der Stadt Kempen tun. Bebauungspläne stehen auch online zur Einsicht zu Verfügung.
Bleibt es bei dieser Linie, müssen Cookie und Cornflake bald aus dem Garten der Familie Settah verschwinden. "Unvorstellbar" sei das für ihn, meint Yunes und hofft, dass sich doch noch irgendeine Lösung findet.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Stellungnahme Stadt Kempen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 18.05.2026, 19:30 Uhr