50 Jahre "Die Brücke von Arnheim": Statist im Hollywood-Film erinnert sich

WDR 03:16 Min. Verfügbar bis 08.05.2028 Von Ralf Lachmann

50 Jahre "Die Brücke von Arnheim" Statist im Hollywood-Film erinnert sich

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Der Hollywood-Film "Die Brücke von Arnheim" wird 50 Jahre alt. Fredde Förch war Statist, als der Kriegsfilm in Deventer gedreht wurde. Im WDR-Interview erinnert er sich an die Dreharbeiten in den Niederlanden.

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Ralf Lachmann

Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 8.Mai 1945 tobte noch eine Schlacht um die Brücke von Arnheim. Nacherzählt im gleichnamigen Hollywood-Blockbuster mit Sean Connery.

Gedreht wurde "A Bridge Too Far", wie der Film im Original heißt, 1976 zu großen Teilen 50 km von Arnheim entfernt: Im niederländischen Deventer an der IJssel.

"A Bridge too far" - Hollywood dreht in Deventer

Fredde Förch heute. Er trägt einen blauen Schal und eine graue Jacke.

Fredde Förch spielte als Statist im Hollywood-Film mit

Eine Ausstellung zeigt Fotos und Requisiten, Erinnerungen auch gesammelt von vielen Einwohnern aus Deventer, die als Statisten dabei waren. Fredde Förch, heute 75 Jahre alt, wurde in doppelter Funktion vor der Kamera eingesetzt.

WDR Warum wurde überhaupt in Ihrer Heimatstadt Deventer gedreht, nicht in Arnheim?

Eine Brücke über einen Fluss und im Hintergrund ein bewölkter Himmel

Die Brücke in Deventer wurde im Kriegsfilm zur "Die Brücke von Arnheim"

Fredde Förch: Arnheim war wegen der schweren Gefechte vom Krieg zerstört, aber wieder modern aufgebaut worden. Als passendere Kulisse hatte die US-Filmcrew unsere alte Hansestadt mit ihrem ursprünglichen Stadtbild entdeckt. Außerdem haben wir in Deventer dieselbe Bogenbrücke wie in Arnheim, die Wilhelmina-Brücke, nur eben über die IJssel.

WDR Wie war die Stimmung Anfang 1976, als die Leute mitbekamen, bald sind jede Menge Stars monatelang zu Dreharbeiten in der Stadt?

Förch: Alle waren aufgeregt. Hollywood kommt nach Deventer!

WDR Mussten Sie sich bewerben, um bei der Hollywood-Produktion dabei zu sein?

Förch: Nein, ich war Berufsfeuerwehrmann. Und wir waren mit Löschfahrzeugen und Krankenwagen während der gesamten Dreharbeiten sowieso vor Ort. Wir wurden gefragt, ob wir auch als Statisten in unserer Freizeit mitmachen wollten. Ich war 25 Jahre alt und hab natürlich Ja gesagt.

WDR Gedreht wurde gut ein halbes Jahr lang. Sie mal als Berufsfeuerwehrmann und mal als Statist angeheuert worden. Waren Sie dauernd dabei?

Förch: Genau. Wenn ich dienstlich vor Ort war, mussten wir oft löschen. Es gab ja riesige Häuserkulissen, die explodierten, in Flammen aufgingen. Einmal haben wir einen von der Brücke gestürzten Nebendarsteller ins Krankenhaus gefahren. Der kam dann mit gebrochenem Arm im Gips wieder ans Set.

WDR Wie viele Statisten haben insgesamt mitgemacht?

Förch: Sicher Hunderte. Die meisten kamen aus Deventer, einige aus anderen Teilen der Niederlande. Bei einer Szene auf dem Marktplatz waren um die 1.300 Statisten mit von der Partie.

WDR Wie lange dauerte ein Drehtag für Sie als Statist?

Förch: Man musste früh morgens da sein. Ich bekam dann meine SS-Uniform. Vieles wurde ja mehrfach gedreht. Fünf Mal wurde zum Beispiel eine Szene entlang eines zwei Kilometer langen Flussabschnitts wiederholt. Da war erst abends Schluss.

WDR Stichwort SS-Uniform: 1976 wurde ja der Film gedreht, als der Zweite Weltkrieg gerade erst 31 Jahre zurück lag. In den Niederlanden gab es damals noch viele Ressentiments gegenüber Deutschland, dem Land der ehemaligen Nazi-Besatzer. Wie haben Sie sich in Ihrer SS-Uniform gefühlt?

Förch: Ich habe das neutral gesehen, emotionslos. Den Krieg haben wir selbst ja nicht mehr erlebt. Er war vorbei, für mich und viele meiner Generation kein Thema mehr. Einige Eltern damals mögen da natürlich noch anders gefühlt haben.

WDR Wie nahe sind Sie den Hauptdarstellern gekommen? Sean Connery, Anthony Hopkins, Gene Hackman, Liv Ullmann, Ryan O´Neal, Robert Redford, Hardy Krüger und Starregisseur Richard Attenborough?

Förch: So einfach war das nicht. Während der Pausen, beim Catering, hat man sie von Nahem erlebt. Ein Kollege von mir saß mal neben ihnen. Als ich jetzt in der Ausstellung über den Film hier gefragt habe, wie es läuft, haben die Damen an der Kasse gegrinst. 'Ganz fabelhaft. So viele Deventer kommen vorbei und alle wollen schon mal neben Sean Connery gesessen haben'.

WDR 1977 kam "Die Brücke von Arnheim" mit drei Stunden Länge in die Kinos. Haben Sie der Aufführung entgegengefiebert?

Förch: Ich war sehr gespannt. Ich war in einer Schlüsselszene in SS-Uniform am Steuer eines Löschfahrzeugs. Und dachte, ich bin groß im Bild. Aber im Film wurde ich durch einen Wehrmachtssoldaten abgedeckt. Etwas enttäuschend, aber auch amüsant.

WDR Ihre schönste Erinnerung an die Dreharbeiten?

Förch: Der 31.August 1976, nachts gegen 2 Uhr. Ich war bei Nachtaufnahmen mit Explosionen und Feuer. Da kam über unseren Feuerwehrkanal ein Funkspruch für mich rein. Ich musste schnell zum Krankenhaus – unsere Tochter Hedi wurde geboren. Sie wird also 50 Jahre alt, genau wie der Film. Ein Autor, der jetzt für die Ausstellung geschrieben hat, gab ihr den Spitznamen A-bridge-too- far-Kind.

WDR Wie finden Sie die Ausstellung im Deventer Museum De Waag?

Förch: Echt gelungen. Viele Filmrequisiten, Originalaufnahmen, Fotos vom Set sind unter anderem zu sehen. Und ich habe gerne meine Fotos und schriftlichen Erinnerungen beigetragen. Kinofans, Geschichtsinteressierte sollten sich das unbedingt mal anschauen.

Das Interview wurde geführt von WDR-Reporter Ralf Lachmann

Worum geht es in dem Kinofilm "Die Brücke von Arnheim"?

Alliierte Truppen wollen im September 1944 auf ihrem Vormarsch von West nach Ost die von Nazi-Deutschland besetzten Niederlande befreien. Sie versuchen bei Arnheim, hinter die deutschen Linien kommen. Eine gigantische Luftlandeaktion Operation Market Garden scheitert allerdings. Rund um die Arnheimer Bogenbrücke über den Nederrijn, einen Rheinnebenarm, spielen sich viele Gefechte ab.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Museum De Waag, Deventer

Sendung: WDR.de, 50 Jahre "Die Brücke von Arnheim": Statist im Hollywood-Film erinnert sich, 08.05.2026, 5:58 Uhr


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