Windrad für Zuhause: Innovation aus Kleve

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 05.06.2028

Windkraft für Zuhause Forscher aus Kleve nimmt sich Ahornsamen zum Vorbild

Stand:

Ahornsamen segeln mit einem Propeller vom Baum. Ein Student aus Bangladesch hat sich das Prinzip für ein besonders effizientes Windrad abgeguckt.

Von Michael Jung

Was als Forschungsprojekt an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve begann, hat Sawkat Hossain eine richtige Karriere eingebracht: Ein Windrad, das auch bei einer leichten Brise schon rotiert und Strom erzeugt.

Windkraft für den eigenen Garten

Inzwischen hat Hossain seinen Doktor gemacht. Eine Klever Firma hat die Rechte von der Hochschule gekauft, den Ingenieur eingestellt und will das Windrad jetzt vermarkten.

Ein Mann in einem weißen Hemd steht in einer Fabrikhalle

Colt-Geschäftsführer Lukas Verlage

"Es könnte ein Alltagsprodukt werden. Vom Preis her ist es nicht so teuer - und man kann mit zwei Windrädern ungefähr das erzeugen, was man jetzt mit einem Balkonkraftwerk erzeugt", sagt Colt-Geschäftsführer Lukas Verlage. Die Firma arbeitet weltweit im Bereich Klimatechnik und Brandschutz.

Strom auch bei wenig Wind und Sonne

30 Prozent effektiver als herkömmliche Windräder sei die Entwicklung, sagt Hossein. Sein Rotor laufe schon bei Windgeschwindigkeiten von 1,5 Metern pro Sekunde an - andere dagegen bräuchten mindestens 2,5 Meter pro Sekunde.

Ingenieur Sawkat Hossain steht in einem blauen Hemd  in einer Fabrikhalle, in der Hand hält er ein dunkles Bauteil

Ingenieur Sawkat Hossein

Die Testanlage auf dem Firmendach läuft seit Dezember 2025. Sie produziert im Mittel eine Kilowattstunde Strom pro Tag. Laut Ingenieur Sawkat Hossain eine Ergänzung zur Solarenergie: "Photovoltaik ist prima, aber produziert den Strom vor allem im Sommer. Im Winter, wenn wir mehr Energie brauchen, können wir diesen Windgenerator nutzen."

Das Geheimnis: die Vorderkante

Acht Jahre Forschung stecken in dem Projekt: Erst an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve, dann an der Universität im niederländischen Groningen, wo Hossain seine Doktorarbeit geschrieben hat. In Experimenten hat er die Ahornsamen genau studiert. Die Erkenntnis: Eine besonders geformte Vorderkante sorgt während des Fluges für Auftrieb.

"Eigentlich sind Ahornsamen gut erforscht", sagt der Ingenieur, der 2010 aus Bangladesch nach Deutschland kam. Nur auf die Idee mit dem Schwachwind-Generator sei noch niemand gekommen. Vielleicht ist seine Entwicklung demnächst auch auf Privathäusern und in Gärten zu finden.

Unsere Quellen:

  • Ingenieur Sawkat Hossain
  • Colt International GmbH
  • Technologie-Transferagentur Provendis

Sendung: WDR.de, Windrad für Zuhause: Innovation aus Kleve, 08.06.2026, 5:06 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 08.06.2026

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