"Wir sind überglücklich und sehr dankbar, dass wir heute den Menschenaffenwald eröffnen konnten", strahlte Zoodirektorin Stefanie Markowski. Die Anspannung der Zoo-Mitarbeitenden war aber schon am Dienstag (30.09.) ein wenig abgefallen, als der Umzug der überlebenden Schimpansen Bally und Limbo reibungslos funktioniert hatte.
Umzugstraining für Bally und Limbo
Darüber zeigte sich auch Daniel Paternostro-Schmidt erleichtert, der die beiden Tiere als Pfleger seit vielen Jahren eng betreut: "Es ist alles so gelaufen wie geplant. Wir haben seit anderthalb Jahren mit den Tieren trainiert, damit wir auf Narkose verzichten konnten und es für die Tiere so stressfrei wie möglich ist."
Bally und Limbo fühlen sich wohl
Besonders freut den Zoo, dass die beiden Schimpansen ihr neues Zuhause in den ersten Tagen umfassend erkundet haben. Die beiden kletterten auch schon auf den bis zu 14 Meter hohen Kletterbäumen herum. Bei den ersten geladenen Besuchern am Donnerstag zogen sie sich aber auch immer wieder zurück.
"Es ist ein bisschen unwirklich, aber natürlich auch unheimlich schön zu sehen, dass die Anlage, die wir in den letzten Jahren geplant haben, jetzt fertig zu sehen und dass sich Bally und Limbo im neuen Zuhause offensichtlich wohl fühlen", freute sich der Pfleger.
Damit haben die Schimpansen Bally und Limbo nach Jahren in einem Übergangsgehege endlich ein neues Zuhause bekommen. Die Bauarbeiten für das neue Affenhaus dauerten rund zwei Jahre. Kosten: rund elf Millionen Euro.
Bei dem Brand an Silvester vor sechs Jahren waren im damaligen Affenhaus rund 50 Tiere gestorben. Die überlebenden Schimpansen Bally und Limbo wurden danach vom Zoo von der Öffentlichkeit abgeschirmt, konnten von Besuchern nicht direkt, sondern nur über eine Liveübertragung per Kamera gesehen werden.
Künstlicher Termitenhügel
Im neuen Affen-Warmhaus haben Bally und Limbo mehr Rückzugsorte. Die neue Außenanlage bietet eine vielfältige Bepflanzung mit Hainbuchen, Linden, Trauer- und Kopfweiden. Als besonderes Highlight steht ein künstlicher Termitenhügel bereit, an dem die Schimpansen künftig ihre Geschicklichkeit beim Futterangeln unter Beweis stellen können.
Viel Platz für Gorillas
Neben Bally und Limbo werden künftig auch die jungen Gorillas aus der Familie von Silberrücken Kidogo im Affen-Warmhaus leben. Wie in der Natur üblich, verlassen die heranwachsenden Söhne, die sogenannten Schwarzrücken, nach und nach die Familie.
Für sie wurde ein eigener Bereich mit mehreren Innenanlagen und einer Außenanlage geschaffen. Der Prozess von Abnabelung und Abwanderung wird wissenschaftlich begleitet und erstmals in einem Zoo dokumentiert.
In Planung: Haus für Orang-Utans
Bis 2030 sollen die weiteren Neubauten fertig sein, die Gesamtkosten liegen bei rund 33 Millionen Euro, finanziert unter anderem durch Spenden, Stiftungsgelder und die Stadt.
Im zweiten Schritt wird ein Haus für Orang-Utans entstehen. Die Planungen dafür sind laut Zoo abgeschlossen und der Bauantrag eingereicht. Mit einem weiteren Bau für Schimpansen soll das Großprojekt fertiggestellt werden.
Kritik von Tierschützern: "Chance zur Kehrtwende vertan"
Seit den Wiederaufbau-Plänen für die Haltung von Menschenaffen im Krefelder Zoo gibt es Kritik von Tierschützern. "Auch wohlklingende Namen wie "Affenwald" oder "Artenschutzzentrum" können nicht darüber hinwegtäuschen: Hier werden weiterhin leidende Tiere, deren Bedürfnisse nicht ansatzweise erfüllt werden können, für die Unterhaltung von Menschen missbraucht", sagte PETA-Referentin Yvonne Würz.
Es sei bitter, welche Unmengen an Geldern für den Neubau ausgegeben wurden anstatt für wirklichen Artenschutz, so Würz weiter. Der Zoo habe eine Chance zur Kehrtwende vertan. Im Rahmen der Kampagne "Menschenaffen raus aus Zoos" forderte PETA, die Haltung der Tiere in Zoos und Tierparks auslaufen zu lassen und appelliert daran, den Zoo Krefeld zu boykottieren. Pünktlich zur Eröffnung des neuen Affenhauses für Besucher protestierten Tierschützer vor dem Zoo.
Zoo: "Wir sind hier Experten"
Mit Blick auf die Kritik der Tierschützer hält Zoodirektorin Stefanie Markowski dagegen: "Es ist so, dass wir hier Experten sind. Ich bin überzeugt davon, dass es unseren Tieren hier sehr gut geht. Und wir gewinnen immer weitere Erkenntnisse, die dann den Tieren in der Natur, aber auch hier in unserer Obhut zu Gute kommen." Der Zoo in Krefeld habe rund 50 Jahre Erfahrung mit Menschenaffen.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Zoo Krefeld
- Tierschutzorganisation PETA
- Stadt Krefeld
Nach Silvesterbrand: Zoo Krefeld eröffnet neues Affenhaus
WDR Studios NRW. 02.10.2025. 00:42 Min.. Verfügbar bis 02.10.2027. WDR Online. Von Hild, Peter.