"Das müssen die beiden Überlebenden sein!" Familienvater Andreas drückt auf den Auslöser seiner Kamera. Hinter der dicken Glasscheibe taucht ein Schimpanse auf, dann ein zweiter. Die Tiere wirken ruhig, beobachten, klettern. Die Söhne Jonas und Alfred stehen eng an der Scheibe, schauen gebannt. Es ist ihr erster Moment mit Bally und Limbo – den einzigen beiden Schimpansen, die das Feuer von 2019 überlebt haben.
Ein neuer Ort, beladen mit Erinnerung
Das neue Menschenaffenhaus im Krefelder Zoo öffnet an diesem Freitag offiziell für Besucher. Rund 30 Menschen haben sich bereits vor Eröffnung eingefunden, viele von ihnen besitzen eine Jahreskarte. So auch die Familie von Andreas. Der achtjährige Jonas war noch kurz vor dem verheerenden Brand dort, als in der Silvesternacht rund 50 Tiere starben. Sein sechsjähriger Bruder Alfred kennt das Haus nur aus Erzählungen.
Ein Gebäude für die Zukunft – mit einer schmerzhaften Vorgeschichte
Das neue Affenhaus ist modern, hell, offen. 1.000 Quadratmeter stehen den Tieren zur Verfügung - mit Rückzugsräumen, Kletterbereichen, Tageslicht, Schallschutz. Über Gänge und automatische Schiebetüren können die Tiere zwischen Innen- und Außenzonen wechseln. Etwa die Hälfte der Fläche ist für Besucher bewusst nicht einsehbar.
Die überlebenden Schimpansen Bally und Limbo sind erst zwei Tage zuvor eingezogen. Auch die Gorillas können ihren Teil bereits über einen Zugang vom bereits bestehenden Gorillahaus betreten. "Da ist das Baby!", ruft Alfred und meint den kleinen Gorillajungen Santon. Tatsächlich sei er schon fünf Jahre alt, sagt seine Mutter, werde aber noch von der Mutter getragen.
Andreas fasziniert die Arbeit vom Zoo. Dass gleichzeitig Tierrechtsdemonstranten vor dem Zoo ihren Protest organisieren, sieht er kritisch: "Die tun hier viel – züchten, forschen, klären auf." Die Kritik, man solle besser Schutzgebiete in Afrika unterstützen anstatt Menschenaffen zu halten, sieht er skeptisch. "Wer weiß, ob das Geld dort überhaupt ankommt – oder bei Rebellen landet", sagt er.
Vor dem Zoo protestiert die Tierrechtsorganisation Great Ape Project. Adriane Schulz hält ein Banner. Für sie ist die neue Anlage kein Fortschritt, sondern ein ethisches Problem: "Der Bauer sagt auch, er liebt sein Schwein, bevor er es schlachtet." Kinder würden hier lernen, dass Gefangenschaft normal sei. Geld solle lieber an Organisationen gehen, die echte Auswilderung betreiben.
Auch die Tierrechtsorganisation Peta kritisierte den Neubau bereits im Vorfeld als Rückschritt. Zoos seien ethisch nicht haltbar, Artenschutz werde nur vorgetäuscht, Tiere zu Objekten gemacht – auch dann, wenn das Gehege modern sei.
Kinder können an Tischen Affenbilder ausmalen
Zurück im Zoo. Hier laufen noch Vorbereitungen vom Förderverein. Auf den Tischen liegen Ausmalbilder mit Schimpansen, daneben Schimpansen-Memory-Karten und an einem anderen Tisch gibt es Glitzertattoos.
Eine Reihe kleiner Affenfiguren baumeln an einem Gestell – als Schlüsselanhänger. Daneben: Infobilder mit Fußabdrücken. Jonas bleibt an einem der Tafeln stehen. Er betrachtet die Fotos, deutet dann auf einen der Abdrücke. "Ich habe gelernt, dass Affen ihre Füße wie Hände benutzen", sagt er.
Silberrücken imponiert Besucher
Bei der späteren Führung erzählt Pressesprecherin Petra Schwinn, dass Bally und Limbo nach dem Brand zwar körperlich fast unversehrt, aber traumatisiert waren. Der Einzug ins neue Haus sei auch für alle Zoomitarbeiter emotional gewesen: "Wir haben alle geweint." Beide Affen hätten schnell ihre Lieblingsplätze gefunden - wie den Platz oberhalb des Besucherglases, von wo die zwei Schimpansen über ein Panoramafenster nach draußen schauen können.
Neues Affenhaus in Krefeld öffnet
WDR Studios NRW. 03.10.2025. 00:34 Min.. Verfügbar bis 03.10.2027. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Reporterin vor Ort
- Tierrechtsorganisation Peta
- Tierrechtsorganisation Great Ape Project
- Zoo Krefeld