Wäre Jane Goodall stolz? Affenpark in Krefeld wiedereröffnet
Aktuelle Stunde . 02.10.2025. 29:53 Min.. UT. Verfügbar bis 02.10.2027. WDR. Von Alexander Klein.
"Ape Lady" ("Affenlady") wurde Jane Goodall auch genannt. Und sie machte diesem Namen alle Ehre: Die Britin war die wohl berühmteste Primatenforscherin der Welt, hat das Verhalten von Schimpansen in Ostafrika erforscht und sich für deren Überleben eingesetzt. Wie das Jane-Goodall-Institut am Mittwochabend mitteilte, starb sie im Alter von 91 Jahren.
Schon früh war Jane von Menschenaffen fasziniert. Als junges Mädchen sei sie "in Tarzan verliebt" gewesen, erzählte die Verhaltensforscherin später. Also in den Jungen, der im Dschungel von Affen aufgezogen wird und sich in eine Frau namens Jane verliebt. Schon als Zehnjährige habe sie nach Lektüre der Tarzan-Bücher gewusst, dass sie nach Afrika reisen und mit Tieren leben wolle, sagte sie.
Bahnbrechende Beobachtungen in Tansania
Jane Goodall in den 1960er-Jahren in Tansania
Goodalls Chance kam 1957, als sie mit Anfang 20 der Einladung eines Freundes nach Kenia folgte. Dort arbeitete sie für den berühmten Paläontologen Louis Leakey. Ihr Durchbruch kam, als Leakey sie nach Tansania schickte, um Schimpansen in freier Wildbahn zu studieren - als erste von wenigen Frauen.
In Tansania machte Goodall bahnbrechende Beobachtungen: Sie sah ein Schimpansen-Männchen, das sie "David Greybeard" taufte und das einen Grashalm nutzte, um Termiten aus einem Insektenhügel zu fischen. Später sah sie, wie "Greybeard" und ein zweiter Affe namens "Goliath" die Blätter von Zweigen abstreiften, um daraus Werkzeuge zum Ausgraben von Termiten zu machen.
Einsatz für Tierschutz und Umwelt
In den 1980er-Jahren wurde Goodall zur Tierschutz- und Umweltaktivistin. Bereits zuvor hatte sie ein nach ihr benanntes Institut gegründet, um das Studium von Schimpansen voranzutreiben. Im Jahr 2003 adelte die britische Queen Elizabeth II. die Forscherin als "Dame" zur Ritterin. Zwei Jahre zuvor wurde sie UNO- Friedensbotschafterin.
Über Goodalls Leben wurden mehr als 40 Dokumentarfilme gedreht. In der ARD-Mediathek sind ein Film über ihre Kindheit und ein Interview mit ihr abrufbar. Kurz vor ihrem Tod appellierte die Forscherin noch einmal an die Menschheit, der Umweltzerstörung und der Klimakatastrophe endlich Einhalt zu gebieten. "Wir haben noch ein Zeitfenster, aber es ist nicht groß", mahnte sie im Podcast des "Wall Street Journal".
Jane Goodall und der Krefelder Zoo
Auch um die Situation von Tieren in NRW hatte sich Jane Goodall gekümmert. "Nach der Brandkatastrophe nahm sie großen Anteil an dem Schicksal unserer Affen", teilte der Zoo Krefeld am Donnerstag dem WDR mit. "Die Nachricht über den Tod von Jane Goodall hat uns gestern Abend überrascht und sehr berührt."
Der Hintergrund: In der Silvesternacht 2019 waren bei einem Brand im damaligen Affenhaus rund 50 Tiere gestorben. Die überlebenden Schimpansen Bally und Limbo wurden danach vom Zoo von der Öffentlichkeit abgeschirmt und konnten von Besuchern nur über eine Live-Übertragung per Kamera gesehen werden.
Unstimmigkeiten über Haltung von Affen
Allerdings kam es im Zusammenhang mit dem Neubau des Affenhauses in Krefeld und dem Umgang mit den überlebenden Schimpansen zu Differenzen zwischen dem Zoo und dem Jane-Goodall-Institut.
Nach Angaben der Westdeutschen Zeitung vom Juli 2020 legte das Institut damals Wert darauf, dass Jane Goodall "den Neubau des Affenhauses in Krefeld" nicht unterstütze. Das Geld könne "wesentlich wirksamer für den Artenschutz eingesetzt" werden, "als für den prestigeträchtigen Neubau des Affenhauses im Krefelder Zoo".
Und in einer Stellungnahme des Jane-Goodall-Instituts vom Juli 2021 wurde die Haltung der Schimpansen Bally und Limbo in Krefeld kritisiert: Die Tiere befänden sich "seit nunmehr 19 Monaten ausschließlich" in einem viel zu kleinen und fensterlosen Raum.
Eröffnung des neuen Affenhauses in Krefeld
Auf eine WDR-Nachfrage vom Donnerstag, ob es aus Sicht des Jane-Goodall-Instituts auf die Kritik am Zoo Krefeld einen neuen Stand gebe, ging das Institut nicht direkt ein. Es verwies stattdessen auf den institutseigenen Artikel "Zoos und Artenschutz", "der die Haltung des Jane Goodall Instituts Deutschland und auch Dr. Jane Goodall zu diesem Thema aufzeigt".
Die Schimpansen Bally und Limbo im neuen Affenhaus
Der Zoo Krefeld wiederum schrieb dem WDR am Donnerstag zum Verhalten von Jane Goodall nach dem Brand von 2019: "Im Rahmen einer Videokonferenz überzeugte sie sich vom Wohlergehen der Schimpansen Bally und Limbo und von der Arbeit unserer Tierpfleger und Tiermediziner mit den beiden Tieren." Bei der Eröffnung des neuen Affenhauses, die ebenfalls am Donnerstag stattfand, sagte die Krefelder Zoodirektorin Stefanie Markowski in ihrer Begrüßung: "Auch ihr lag das Wohl von Bally und Limbo sehr am Herzen."
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen AFP, EPD und DPA
- Anfrage beim Krefelder Zoo
- Anfrage beim Jane-Goodall-Institut
- Reporter vor Ort in Krefeld
- Artikel der Westdeutschen Zeitung vom 29.07.2020
- Stellungnahme des Jane-Goodall-Instituts vom 30.07.2021
Der WDR berichtet über diese Thema auch in der Fernsehsendung "Aktuelle Stunde" am 02.10.2025 um 18:45 Uhr.