Nach über zehn Jahren: Aufarbeitung der evangelischen Kirche im "Fall Dülmen"
Lokalzeit Münsterland. 21.05.2025. 22:19 Min.. Verfügbar bis 21.05.2027. WDR. Von Dominik Hamers.
Auf dem Weg zum Pressegespräch sagt die Superintendentin Susanne Falcke, dass es kein leichter Tag für sie sei. Ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen wird ihr gleich verkünden: Bei der Kommunikation zwischen Kirche und den betroffenen Familien sei sehr viel schief gelaufen.
Superintendentin Susanne Falcke (Mitte) bei der Pressekonferenz
Man könnte auch sagen: Es hat so gut wie gar keine Kommunikation gegeben. Die juristischen Verfahren sind alle eingestellt. Offenbar hatte die Kirche das als Freispruch gewertet. Interne Aufarbeitung: Fehlanzeige. Susanne Falcke: "Dafür entschuldige ich mich heute."
Es geht nicht um juristische Fragen
Das betont Matthias Bauer vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte. Juristisch ist der "Fall Dülmen" abgeschlossen. Deshalb hat er - im Auftrag der Kirche - ausschließlich den Fokus auf die Kommunikation der Kirche gelegt. Zwar sei die Genese schwierig gewesen, immerhin waren ja auch Polizei und Staatsanwaltschaft involviert. Deshalb ist sein Resümee: "Die Kommunikation war durchaus plausibel, nur den Betroffenen und deren Familien gegenüber nicht."
Auch heute noch in Therapie
Als die Vorwürfe gegen die Dülmener Kita vor zwölf Jahren laut wurden, haben sich die betroffenen Familien im Stich gelassen gefühlt. Eltern der Kinder sprachen von sexueller und körperlicher Gewalt in der Evangelischen Kita. Auch heute seien die inzwischen Jugendlichen zum Teil noch in Therapie. Angehört wurden sie nie. Einzelne Familien haben inzwischen die Stadt verlassen.
Wir haben uns wie in einer Wagenburg versteckt. Superintendentin Susanne Falcke
Die Superintendentin Susanne Falcke – damals die zuständige Pfarrerin – kommentiert das heute so und schüttelt den Kopf über sich selbst. Auf die Kinder und Familien ist sie damals nie zugegangen. Das Team der Kita hatte sie zu der Zeit dagegen seelsorgerlich betreut.
Jetzt will sie Kontroll- und Ansprechstellen intensivieren. Eine Öffentlichkeitskampagne soll das publik machen. Miteinander gesprochen haben Kirche und Familien unterdessen bis heute nicht.
Unsere Quellen:
- Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte
- Superintendentin Susanne Falcke
- Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken
- Reporter vor Ort