Kabelklau an Ladesäulen
WDR. 01:53 Min.. Verfügbar bis 30.04.2028.
Kabel-Diebstähle : So werden Ladesäulen für E-Autos gesichert
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"Leider außer Betrieb". Immer häufiger stehen Fahrer von Elektroautos vor Ladesäulen, die abgeschaltet oder sogar in Absperrband gewickelt sind. Der Grund: Die Kabel wurden abgetrennt. Wie die Lage in NRW ist und was Betreiber und Polizei tun.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Polizei berichtet wöchentlich von abgetrennten Kupferkabeln an E-Ladesäulen.
- Für die Unternehmen bedeutet Kabelklau Einnahmeausfälle im sechsstelligen Bereich.
- Die Betreiber testen, wie Ladesäulen gesichert werden können, zum Beispiel mit ummantelten Kabeln.
Wenn der Akku des Elektroautos schlapp macht, muss eine Ladesäule her. Mittlerweile gibt es sie in fast jedem Dorf oder in der Stadt an jeder Ecke. Aber immer häufiger machen sich Kriminelle an ihnen zu schaffen, die das Kupfer in den Kabeln zu Geld machen wollen.
Meistens nachts trennen sie die Kabel ab und lassen eine defekte Ladesäule zurück. Mehrmals in der Woche berichten die Polizeibehörden in NRW von solchen Taten. In den meisten Fällen entkommen die Diebe. Und es gibt selten Zeugen.
Die Polizei berichtet, dass das vor allem an Orten passiert, in denen es bei Dunkelheit wenig Verkehr gibt, beispielsweise in Gewerbegebieten oder auf Supermarktparkplätzen.
So ist die Lage im Land
Erst Mitte April berichtete die Polizei im Kreis Heinsberg von Kabeldiebstählen an insgesamt vier Ladesäulen für Elektroautos in Geilenkirchen und Gangelt. Mitten in der Nacht hatten die Täter die dicken, schweren Kupfer-Kabel abgeschnitten und gestohlen.
Eine WDR-Anfrage bei verschiedenen Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass jede Woche neue Fälle hinzukommen. In Beelen im Kreis Warendorf haben Ende Februar beispielsweise Unbekannte Ladesäulen beschädigt, ähnliche Fälle gab es auch in Münster, Hagen, Bonn und Wachtberg.
"Die Ermittlungen sind für die Polizei schwierig - konkrete Erfolge können wir im Kreis Düren (noch) nicht vermelden." Gregor Verbic, Kreispolizei Düren
LKA: Auswertung nicht einfach
Das Landeskriminalamt in Düsseldorf
Das Landeskriminalamt (LKA) kann keine genauen Zahlen nennen - der Grund: In der Polizeilichen Kriminalstatistik wird nicht erfasst, welche Gegenstände Diebe konkret erbeutet haben. Nur so viel: Im Jahr 2025 sei eine mittlere dreistellige Anzahl an Diebstahlsdelikten an Ladestationen und Wallboxen verzeichnet worden. 2024 war es noch eine niedrige dreistellige Zahl.
Schaden für Unternehmen enorm
Für die Betreiber von Ladesäulen für Elektroautos entsteht durch Diebstähle oder Vandalismus ein großer Schaden. Der Wert des Kupfers in den Kabeln liege für die Diebe bei unter hundert Euro - die Reparatur sei für die Unternehmen um ein Vielfaches teurer. Inklusive Einnahmeausfällen kann der Verlust im sechsstelligen Bereich liegen, sagt der Aachener Anbieter Stawag.
Für die Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos bedeutet dies außerdem, dass sie die Ladesäulen wochenlang nicht nutzen können.
"Aufgrund der Vielzahl an Fällen bundesweit kommt es inzwischen zu Engpässen bei den Lieferanten und Technikern, die die Instandsetzung durchführen." Unternehmenssprecher von TankE GmbH aus Köln
Außerdem sei die Instandsetzung der Anlagen aufwendig: Nach dem Einbau neuer Kabel müsse jede Ladesäule neu geeicht werden.
"Panzerkabel" gegen Diebstahl in Aachen
Einen neuen Schritt geht der Aachener Versorger Stawag: Er hat vor Kurzem eine Ladesäule in Betrieb genommen, die vor Diebstahl speziell geschützt ist. Die Schnell-Ladekabel sind mit einer schnittfesten Ummantelung versehen. Die Kabel mit Werkzeug abzutrennen, soll dadurch erheblich erschwert oder ganz verhindert werden, so das Unternehmen.
Sieht unspektakulär aus, kann aber großen Alarm machen: Die Sicherung einer E-Ladesäule in Aachen
Gleichzeitig setzt man auf ein Alarmsystem: Wenn Kriminelle an der Schutzschicht der Kabeln manipulieren, startet eine Sirene und ein rotes Warnlicht schaltet sich ein. Parallel wird die Leitstelle der Stawag informiert, die dann die Polizei alarmiert. Häufig genutzte Ladesäulen in Aachen werden jetzt nach und nach umgerüstet, so die Stawag.
Weitere Anbieter prüfen Maßnahmen
Auch weitere Unternehmen, die Ladesäulen für Elektroautos in Nordrhein-Westfalen aufstellen, prüfen die Nachrüstung von Sicherheitssystemen. Ein Stawag-Sprecher sagte, man sei dazu im Austausch, damit andere von den Erfahrungen des Unternehmens profitieren können.
Der Betreiber TankE GmbH aus Köln teilte mit, dass man mit den Herstellern im Austausch sei, um zum Beispiel eine robustere Bauweise der Ladestationen zu entwickeln.
Bei anderen Unternehmen wird außerdem an verriegelten Kabelsystemen, Markierungssystemen oder der Reduktion von Kupferanteilen geforscht.
Hier dürfen E-Autos beim Parken laden
In NRW soll es bis 2030 rund 11.000 Schnell-Ladepunkte geben. Die Betreiber hoffen, dass sie bis dahin ein Patentrezept gegen Kabeldiebstahl gefunden haben.
Unsere Quellen:
- Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen
- WDR-Anfrage bei verschiedenen Polizeibehörden in NRW
- EnBW
- Stawag
- TankE
- Now GmbH
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Kabelklau in NRW: So werden E-Ladesäulen gesichert, 30.04.2026, 6:02 Uhr
Hinweis der Redaktion vom 30.04.2026, 11:07 Uhr: In der ursprünglichen Version dieses Artikels stand, dass die Alarmanlage der Ladestationen direkt die Polizei und die Leitstelle der Stawag informiert. Tatsächlich wird nur die Stawag informiert und die alarmiert dann die Polizei. Wir haben das entsprechend korrigiert.
