"True Crime"-Ausstellung in Köln startet

WDR 03:07 Min. Verfügbar bis 08.05.2028

Umstrittene Ausstellung Diskussion um "Serienkiller" in Köln

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In Köln startet am Freitag eine Ausstellung über Serienkiller. Es ist eine Deutschland-Premiere, die für Gesprächsstoff sorgt. In "Serienkiller - die True Crime Ausstellung" sollen Besucher Einblicke in die Psyche von 20 berühmten Serienmördern bekommen. Die Faszination für True Crime ist seit Jahren ungebrochen. Aber ist das, was in Köln gezeigt wird, auch moralisch vertretbar?

Der Tatort: ein Wohnzimmer mit typischer 70er-Jahre-Einrichtung. Ein Opfer liegt gefesselt auf dem Boden, über den Kopf ist eine Plastiktüte gestülpt und mit einem Seil festgebunden.

In einem anderen Raum grinst den Besuchern ein Mann in gruseligem Clowns-Kostüm entgegen. Nur ein paar Meter weiter der Nachbau eines Kühlschranks. Zwischen Bierdosen und blutbefleckter Tupperware liegt der abgetrennte Kopf eines Mannes.

Ein abgetrennter Fake-Kopf liegt in einem Kühlschrank

Die Veranstalter setzen auf drastische Eindrücke.

Serienkiller-Ausstellung: Mit VR-Brille selbst zum Ermittler werden

Alle Szenen sind nachgestellt, doch es sind Eindrücke, die verstören können. Nicht umsonst ist die Serienkiller-Ausstellung in Köln-Ehrenfeld erst ab 16 Jahren freigegeben. Ted Bundy, Jeffrey Dahmer und Fritz Honka: nur drei der Mörder, deren Gedankenwelt man in dieser Ausstellung näherkommen soll.

Die Veranstalter versprechen ein "Erlebnis zum Eintauchen". Sie haben dafür reale Tatorte nachbauen lassen. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht. Besucher analysieren in der Ausstellung Ermittlungsberichte und Beweisstücke. Gegen Aufpreis werden sie per VR-Brille selbst zum Fahnder und lösen einen Fall. Am Ende kann man sich vor den nachgebauten Tatorten fotografieren lassen.

Auf einem Tisch liegt ein zerlegter Fake-Körper.

Ein Themenraum zu Armin Meiwes, dem "Kannibalen von Rotenburg".

Hamza El Azhar ist der kreative Kopf hinter der Ausstellung. "Wir verfolgen nicht das Ziel, Verbrechen zu dramatisieren oder zu glorifizieren", sagt er. Es gehe vielmehr um die Frage, welche gesellschaftlichen, historischen und menschlichen Hintergründe hinter realen Kriminalfällen stehen.

Die Ausstellung soll reale Fälle kritisch einordnen und historisch beleuchten und den Besuchern Einblicke in kriminalistische und forensische Arbeit vermitteln. "Das große Interesse an True Crime zeigt, dass viele Menschen verstehen möchten, wie Verbrechen entstehen, wie Ermittlungen ablaufen und welche Rolle Medien, Polizei und Justiz dabei spielen", sagt El Azhar.

Aufwändige Recherche

Für die Dauer der Ausstellung haben die Veranstalter sogenannte "Crime-Coaches" verpflichtet: eine pensionierte Kriminalbeamtin, eine Rechtsmedizinerin, einen Fallanalytiker und einen Facharzt für Psychiatrie. Als Zusatzangebot bieten sie regelmäßige Live-Diskussionen an - mit Fragen wie: "Warum töten Menschen?", "Wie entsteht ein Täterprofil?" und: "Wann werden ungeklärte Fälle zu 'Cold Cases?'". An der Gestaltung der Ausstellung waren sie nicht beteiligt.

Um an die nötigen Informationen zu den Kriminalfällen zu kommen, haben die Macher der Ausstellung über einen längeren Zeitraum unterschiedliche Quellen recherchiert und ausgewertet - etwa öffentlich zugängliche Gerichtsunterlagen, Presseberichte und historische Archive, aber auch Interviews mit Ermittlern, Kriminalisten und Experten. "Uns war dabei besonders wichtig, Informationen sorgfältig zu prüfen und Fälle möglichst faktenbasiert und nachvollziehbar darzustellen", sagt El Azhar.

Opferschützer kritisieren Kölner Serienkiller-Ausstellung

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Serienkiller-Ausstellungen in Europa, unter anderem in London, Paris und Mailand. Opferschützer wie Friedrich Ohst vom Weißen Ring kritisieren diese Art der Unterhaltung stark. "Sie stellt immer die Täter in den Vordergrund, ihre Motive und ihre Vita", sagt Ohst dem WDR. "Bei solchen Ausstellungen bleiben die Opfer in der Regel auf der Strecke."

Friedrich Ohst steht in seinem Wohnzimmer.

Friedrich Ohst findet, dass die Ausstellung den falschen Fokus setzt.

Für die Betroffenen habe es aber noch weitere Auswirkungen, betont Ohst. "Opfer, die ähnliche Schicksale erfahren haben, werden retraumatisiert", sagt der Experte.

"Da genügt ein kleiner Impuls und schon ist man wieder in seinem eigenen Leidensweg drin." Friedrich Ohst, Landesvorsitzender Weißer Ring NRW-Rheinland

Hamza El Azhar betont, dass der respektvolle Umgang mit den Schicksalen der Betroffenen im Mittelpunkt stehe. "Hinter jedem Fall stehen reale menschliche Schicksale und genau dieses Bewusstsein möchten wir auch bei den Besucherinnen und Besuchern schaffen", sagt er.

Deshalb versuche man, Fälle nicht voyeuristisch zu erzählen, sondern sie einzuordnen. Etwa durch bewusste Auswahl, welche Inhalte und Bilder gezeigt werden und welche nicht. "Nicht alles, was dokumentiert ist, muss auch öffentlich ausgestellt werden", sagt El Azhar.

"Wir glauben, dass eine sachliche und reflektierte Auseinandersetzung mit realen Kriminalfällen möglich sein muss - gerade auch, um über Themen wie Gewalt, Ermittlungsarbeit, Prävention, Medienwirkung und gesellschaftliche Verantwortung ins Gespräch zu kommen." Hamza El Azhar, CEO Exhibition Hub

Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. Oktober. Tickets sind ab 20 Euro erhältlich.

Umstrittene Serienkiller-Ausstellung in Köln startet

WDR 00:33 Min. Verfügbar bis 07.05.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Gespräche mit Hamza El Azhar und Friedrich Ohst
  • Cofo Entertainment und Semmel Concerts

Sendung: WDR.de, Umstrittene Serienkiller-Ausstellung in Köln startet, 08.05.2026, 11.30 Uhr

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