Apéro Markt in Köln gestartet – Kann er den Brüsseler Platz entzerren?

04:09 Min. Verfügbar bis 12.09.2027

Alternative zum Brüsseler Platz? Apéro Markt in Köln zu Ende gegangen

Stand:

Der erste Apéro Markt am Grüngürtel ist am Sonntag ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen.

Auch am letzten Tag war der Pop-Up-Markt auf der Vogelsanger Straße gut besucht. Familien und viele Freundesgruppen genossen Speisen und Getränke aus aller Welt.

Vor allem an den Abenden war viel los. Wegen des Starkregens hatte der Markt Samstagabend zwei Stunden früher schließen müssen. Ansonsten gab es keine Zwischenfälle. Auch das Müllkonzept habe funktioniert, sagt Vincent Schmidt, einer der Veranstalter, zufrieden.

Noch an drei aufeinander folgenden Wochenenden findet das Angebot als Test im Grüngürtel statt, mit teilweise neuen Ständen. Dafür wird der Autoverkehr auf der Vogelsanger Straße gesperrt. Der Eintritt ist frei, der Markt hat bis jeweils 24 Uhr geöffnet. Anschließend wertet die Stadt Köln aus, ob es die Feiernden wirklich vom Brüsseler Platz weggelockt hat oder als zusätzliches Angebot angenommen wird.

Publikum von jung bis alt

Der Startschuss war am Freitagabend gefallen: Nach und nach füllte es sich mit Besuchern aller Altersklassen. Viele von ihnen gehen sonst auch regelmäßig zum Brüsseler Platz.

Drei Frauen auf einem Abendmarkt in Köln

Katja Schmitz, Sabrina Vogt und Katharina Nowak (v.l.) testen den Apéro Markt in Köln

So wie Sabrina Vogt, die sich den Pop-Up-Markt mit ihren Freundinnen mal ansehen wollte. Eine Alternative zum Brüsseler Platz? "Es ist eher ein weiteres Angebot. Ich finde es schön, dass es hier auch im Grünen ist. Aber am Brüsseler haben wir noch die Lokale, in die man weiter ziehen kann." Die Frauen hätten sich das Ganze aber im Sommer gewünscht. 

Ein Ratsbündnis aus Grünen, Volt und CDU hatte im Mai die Idee dazu, um den Brüsseler Platz zu entlasten. Damals sagte Fraktionsvorsitzende Christiane Martin dem WDR: "Die Menschen auf dem Brüsseler Platz wollen nicht im Biergarten sitzen, sondern verweilen. Wir glauben, dass man mit den ganzen Verboten nicht weiterkommt, sondern Alternativen anbieten muss." Ein Pilotprojekt in NRW, das um 18 Uhr am Freitag gestartet ist.

Dauerzoff am Brüsseler Platz

Seit mehr als 15 Jahren streiten sich Anwohner, Gastronome und Partyvolk über die Lautstärke auf dem Brüsseler Platz. Besonders in den Sommernächten ist es rund um die St.-Michael-Kirche im belgischen Viertel sehr beliebt. Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster führte die Stadt Köln im Februar diesen Jahres ein nächtliches Verweilverbot auf dem Brüsseler Platz ein, das das Kölner Verwaltungsgericht nach zwei Monaten "als unverhältnismäßig" wieder kippte.

Die Gastronomie am Platz muss nach wie vor um 22 Uhr schließen. Eine zufriedenstellende Lösung gibt es zwischen allen Parteien also bis heute nicht.

Wirklich ein passender Testversuch?

Am 19. Mai ist die Idee zu einem Pop-Up-Angebot im Grüngürtel im Rat angenommen worden. Angedacht waren dafür vier Test-Wochenenden im Sommer, um hinterher auszuwerten, ob dieses Konzept Ruhe an den Brüsseler Platz bringt. Dass das Pilotprojekt erst jetzt startet, erklärt die Stadt Köln schriftlich so: "Für die Umsetzung war ein Auswahlverfahren notwendig, das vorbereitet und durchgeführt werden musste".

Im Vorfeld viel Kritik

Schon im Vorfeld äußerte der BUND Kritik an dem Projekt. "Das Problem ist: Wenn in der Nähe des Grüngürtels ein Gastronomiebetrieb angeboten wird, entsteht Müll", sagt Helmut Röscheisen, Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Köln. "Plastik und auch Glasscherben können auf die Wiese gelangen, wo sich später Leute hinlegen wollen. Das geht natürlich nicht."

Laut Stadt müssen die Veranstalter des Pop-Up-Marktes auf eigene Kosten dafür sorgen, dass die Straße und angrenzende Bereiche sauber bleiben. Helmut Röscheisen findet das zu wenig und sieht auch die Stadt in der Pflicht, die Sauberkeit im Landschaftsschutzgebiet zu sichern.

Diskussion um Verweilverbot auf Brüsseler Platz in Köln geht weiter

03:18 Min. Verfügbar bis 01.04.2027

Unsere Quellen:

  • Stadt Köln
  • Helmut Röscheisen vom BUND
  • Gespräch mit Veranstalter Vincent Schmidt
  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

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