Die evangelische Lutherkirche in der Kölner Südstadt.
Klamme Kassen : Warum zwei Kölner Kirchen abgerissen werden könnten
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Die evangelische Kirche in Köln trennt sich aus Kostengründen von zwei Kirchen in Südstadt und Agnesviertel: Der Lutherkirche und der Thomaskirche. Das hat große Konsequenzen: Nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Kulturszene Kölns.
Ihr großer, denkmalgeschützter Turm ragt wachsam zwischen grünen Bäumen hervor. Die Veranstaltungen, die hier stattfinden, sind auch über Kölns Grenzen hinaus bekannt: Die Lutherkirche ist ein zentraler Bestandteil des kulturellen Lebens in der Kölner Südstadt. Wie lange noch, das steht allerdings in den Sternen.
Kirchenaustritte reißen Finanzloch
Denn der evangelischen Kirche in der Kölner City steht das Wasser bis zum Hals. Markus Herzberg ist Pfarrer und Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde in Köln. "Wir haben in den letzten Jahren fast ein Viertel der Gemeindemitglieder hier in Köln verloren, das ist eine ganz große Zahl. Und natürlich hat das auch finanzielle Auswirkungen auf die Gemeinde", sagt er.
Moderne Energiestandards bis 2035
Deswegen habe man sich alle fünf Standorte der evangelischen Kirche in Köln angeschaut und beschlossen, sich von der Thomas- und der Lutherkirche zu trennen. Ein Grund dafür: Die Gebäude sind in die Jahre gekommen. Bis 2035 müssen nach landeskirchlichem Recht alle Kirchengebäude treibhausgasneutral sein.
Pfarrer Herzberg im Interview.
Zwei der Kölner Kirchen sind das schon: Die Christuskirche am Stadtgarten und die Antoniterkirche an der Schildergasse. Man müsse Sicherheit für die Menschen in der Gemeinde schaffen, so Herzberg.
"Wir wollen uns eher von Steinen trennen als von Menschen, die bei uns tätig sind." Markus Herzberg, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde Köln
Thomaskriche wird im Herbst abgerissen
Auch die Thomaskirche wird das im Herbst treffen: Dann soll sie entwidmet und abgerissen werden, um Platz für Wohnungen, Büros und soziale Räume zu schaffen. Welche Zukunft die Lutherkirche ereilt, steht noch nicht fest - und das, obwohl ihr Entwidmungstermin bereits auf den 18. Juli festgesetzt ist. Nur ihr denkmalgeschützter Turm ist sicher vor einem möglichen Abriss.
Der pensionierte Pfarrer der Lutherkirche, Hans Mörtter, in der Südstadt findet, dass auch die Stadtbevölkerung hier gefragt wäre. Die Lutherkirche habe schließlich nicht nur für die Gläubigen eine große Bedeutung. Jedes Jahr finden hier rund 120 Konzerte statt, es gibt Flüchtlingsarbeit, stadtweit bekannte Fürsorge für alleinerziehende Mütter in Armut.
Spenden nötig, um Lutherkirche zu retten
"Die Überlegungen, wie das hier alternativ aussehen könnte, finden mir zu wenig statt", so Mörtter. "Für mich müsste ein Investor her, der sozial tickt, kulturaffin ist, und der die Bedeutung des Ortes versteht. Und dann wird es nicht ohne Spendengrundlage gehen. Eine Stadt muss für Orte, die ihr wichtig sind, auch Verantwortung übernehmen."
Pfarrer Mörtter von der Lutherkirche
Eine kurze WDR-Umfrage in der Südstadt zeigt, dass viele Menschen den Wegfall der Lutherkirche sehr bedauern würden. Von einem "kulturellen Mittelpunkt" ist die Rede, von einem "optisch und programmlich besonderen Objekt". Wer jedoch die Kosten für den Betrieb übernehmen könnte, wenn die evangelische Kirche nicht mehr dazu in der Lage ist - dazu gibt es keine Ideen.
Unsere Quellen:
- Hans Mörtter, pensionierter Pfarrer der Lutherkirche
- Markus Herzberg, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde Köln
- Umfrage auf der Straße
Sendung: WDR.de, Zwei Kirchen in Köln vor dem Aus, 09.06.2026, 14.28 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 09.06.2026