Kopftuchverbot für unter 14-Jährige – Ja oder Nein? Stimmen aus Köln
Aktuelle Stunde. 10.09.2025. 02:26 Min.. Verfügbar bis 11.09.2027. WDR.
Es ist Mittag. Autos hupen und die Kalker Hauptstraße in Köln ist voller Menschen. Vor den Arkaden, mitten im Trubel, steht Uca mit ihrer Tochter und ihrem Enkelkind. Ich spreche sie auf das geplante Kopftuchverbot für junge Mädchen in Österreich an. Uca reagiert schnell, fast empört: "Das ist Menschenrechtsdiskriminierung."
"Warum dürfen andere Kopfbedeckungen getragen werden?"
Besonders stört sie, dass durch dieses Gesetz nur das Kopftuch verboten wird. "Warum dürfen andere Kopfbedeckungen getragen werden, Kippa oder Mützen, aber Mädchen kein Kopftuch? Wer es tragen möchte, sollte das dürfen.“
Ekram: "Ein Gesetz braucht es dafür nicht"
Ein paar Meter weiter, vor einem Laden, treffe ich Ekram. Sie hat eine Tochter, die ebenfalls zur Schule geht. Auch sie ist gegen ein Verbot und denkt an das Grundgesetz. Für sie ist klar: "Leben und leben lassen!“. Kinder sollten mitreden dürfen, findet sie. Spätestens ab zwölf Jahren sollten sie selbst entscheiden können, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht.
Ekram spricht von ihrer eigenen Tochter: "Wenn sie eines Tages ein Kopftuch tragen möchte, dann stehe ich hinter ihr. Wenn nicht, genauso. Aber ein Gesetz braucht es dafür nicht.”
Adel: "Ein Gesetz könnte Kinder schützen"
Adel ist für ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren
Adel kam aus Ägypten nach Köln und sieht es anders. Er lehnt das Kopftuch für Kinder ab und findet, dass Mädchen unter 14 Jahren es nicht tragen sollten. Seiner Meinung nach geht es dabei nicht nur um persönliche Vorlieben, sondern um Kinderschutz.
Viele Entscheidungen fänden in den Familien statt, oft unter Druck oder Zwang durch die Eltern. Ein Gesetz könne hier Kinder schützen, sagt er. "Ich bin total für so ein Gesetz. In den Verhältnissen, in denen wir heute leben – im 21. Jahrhundert – gehört das nicht."
Shirin: "Ich bin gegen Zwang - egal in welche Richtung"
Shirin ist bei der Kopftuchfrage gegen Zwang
Kurz darauf treffe ich Shirin. Sie ist aus dem Iran und trägt selbst kein Kopftuch. Ein Verbot lehnt sie jedoch ab: "Wenn es um ein generelles Verbot geht, bin ich dagegen – auch wenn ich persönlich gegen das Kopftuch bin. Aber jeder soll selbst entscheiden dürfen. Ich bin gegen Zwang – egal in welche Richtung."
Shirin sieht die Gefahr, dass muslimische Mädchen durch ein solches Gesetz ausgegrenzt werden. "Es ist ein anderer Zwang, wenn man ihnen verbietet, eins zu tragen. Ob es für das Mädchen gut ist oder nicht – Zwang bleibt Zwang."
Thema betrifft Religionsfreiheit, Gleichberechtigung, Kinderschutz
Die Stimmen in Köln-Kalk zeigen, dass das Kopftuchverbot in Österreich auch Menschen hier bewegt. Schließlich geht es um Fragen, die Religionsfreiheit, Selbstbestimmung und Kinderschutz betreffen und oft kontrovers diskutiert werden.
Viele fürchten, dass die Forderungen nach einem Verbot nach Deutschland überschwappen könnten – und das Zusammenleben hier weiter spalten.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Interviews der WDR-Reporterin