Löwenbabys im Kölner Zoo eingeschläfert: "Leid erspart"
Lokalzeit aus Köln. 15.07.2025. 03:17 Min.. Verfügbar bis 15.07.2027. WDR. Von Christian David.
Löwenbabys im Kölner Zoo eingeschläfert: "Leid erspart"
Stand:
Im Kölner Zoo wurden zwei Jungtiere eingeschläfert. Der Zoo entschied sich für diesen Schritt, weil die Löwenmama die Babys nicht angenommen hatte. Der Deutsche Tierschutzbund und die Tierschutzorganisation PETA kritisieren das Vorgehen des Zoos.
Erst vor einer Woche sind die beiden asiatischen Löwenbabys zur Welt gekommen. Ein männliches und ein weibliches. Die Löwenmama, die den Namen "Gina" bekommen hat, hatte erst im Januar 2024 drei Jungtiere zur Welt gebracht. Das ist offenbar der Grund, warum sie ihren neuen Nachwuchs nicht akzeptiert hatte.
Zoo: "Wir haben nichts unversucht gelassen"
Die Löwenmama sitzt im Schatten.
Wie der Kölner Zoo mitteilt, hatten die Tierpfleger Gina nach der Geburt ihrer neuen Babys vom vorherigen Nachwuchs getrennt. Mit dem Ziel, dass die Mutter Ruhe für den neuen Wurf hat. Eines der frischen Löwenbabys konnte so Milch bei der Mutter trinken. Die Hoffnung war zu diesem Zeitpunkt groß.
Doch anstatt den Nachwuchs weiter zu versorgen, kümmerte sich Löwenmutter Gina nicht weiter um die Neugeborenen. Sie wollte stattdessen zu ihren älteren Jungtieren, die mit eineinhalb Jahren auch noch nicht selbstständig sind, so der Kölner Zoo.
Deshalb entschied der Zoo nach Gesprächen mit Biologen und Züchtern, die Tiere einzuschläfern. Die Jungtiere seien zu diesem Zeitpunkt bereits stark entkräftet gewesen.
Der Zoo sagt zudem, dass es evolutionär bedingt sei, dass eine Löwenmutter sich um die Jungtiere kümmert, die die größten Chancen haben durchzukommen.
Der Kölner Zoo betont auch, dass in der Wildnis im Durchschnitt nur ein Wurf im Leben einer erwachsenen Löwin durchkommt. Die Überlebenschancen von Würfen in Zoos seien insgesamt deutlich höher.
Kritik von Tierschutzorganisationen: Handaufzucht als Streitpunkt
Die Tierschutzorganisation PETA spricht hingegen von einer Zucht "wie am Fließband" - und das zulasten der beiden Löwenkinder. Löwin Gina "musste erneut gebären - nur damit die Neugeborenen wenig später getötet werden." Die "Zuchtpolitik" sei "verantwortungslos und muss beendet werden".
Vorwürfe erhebt auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder. Er sieht die Entscheidung gegen eine Handaufzucht als "Marketing- und Zuchtprogrammgrund". Die Handaufzucht der Löwenbabys sei "für Zoos praktisch nur teuer und überflüssig. Und deshalb will man sie wegschaffen." Er hofft auf ein Umdenken bei den Zuchtprogrammen und fordert angemessen Platz für gezüchteten Nachwuchs.
"Gina handelte rational"
Der Zoo hingegen entschied sich nach eigenen Angaben gegen die Aufzucht mit der Hand, um den Empfehlungen des Erhaltungszuchtprogramms zu folgen. Zudem wisse man aus Erfahrung, dass handaufgezogene Löwen häufig kein natürliches Sozialverhalten entwickeln.
Neuer Wurf im Herbst geplant - Kritik hält an
Der Zoo Köln stellt bereits für diesen Herbst eine neue Aufzucht von Löwen in Aussicht. Der Deutsche Tierschutzbund übte daran deutliche Kritik. Der Zoo argumentierte hingegen, dass die drei Jungtiere aus dem Jahr 2024 bis dahin eigenständiger seien und ohne ihre Mutter zurechtkämen. Der Zoo hofft so auf höhere Überlebenschancen des neuen Wurfs.
Unsere Quellen:
- Kölner Zoo
- Nachrichtenagentur dpa
- Pressemitteilung PETA
- Gespräch mit Thomas Schröder, Präsident Deutscher Tierschutzbund