Wohnungsnot: Familie aus Köln lebt im Obdachlosen-Hotel
Lokalzeit aus Köln. 25.07.2025. 02:28 Min.. Verfügbar bis 25.07.2027. WDR. Von Estella Mazur.
Jill Erdmann bereitet in der kleinen Küche gerade die Flasche für Baby Lio vor. Die fünf Jahre alte Leonie liegt nur wenige Zentimeter weiter auf dem Bett und schaut zu. Ihr zweijähriger Bruder Toni kippt neben ihr plötzlich eine Wasserflasche aus. Es ist eng. Die Familie lebt auf insgesamt 45 Quadratmetern. Privatsphäre gibt es nicht. "Man versucht den Kindern gerecht zu werden", sagt die 28-jährige Mutter. "Wir spielen viel mit denen, gehen oft raus, aber man merkt, dass die Wohnsituation für die Kinder belastend ist, weil es so eng ist."
Wohnung gekündigt
Vor rund zwei Jahren musste die Familie aus ihrer damaligen Wohnung wegen Eigenbedarfs des Vermieters ausziehen. Da sie innerhalb von drei Monaten nichts Neues fand, quartierte das Wohnungsamt die Familie in die Not-Unterkunft ein.
Auf Nachfrage des WDR erklärt die Stadt Köln dazu: "Die Kommunen sind verpflichtet, den Wohnungslosen einen Schutz vor Witterungseinflüssen zu verschaffen, nicht jedoch eine neue Wohnung. Das muss eigeninitiativ bewältigt werden."
Laut Unterlagen, die dem WDR vorliegen, zahlt das Wohnungsamt daher 48 Euro pro Person Tagessatz. Das macht derzeit monatlich 5.760 Euro für das Hotelzimmer. Laut Stadt würde dieser Betrag dem Kriterienkatalog entsprechen: "Es handelt sich nicht um eine Miete. Es besteht ein Beherbergungsvertrag zwischen dem Hotelbetreiber und den Wohnungslosen und es sind daher quasi Hotelpreise zu zahlen."
Der Betreiber selbst erklärt den vereinbarten Tagessatz damit, dass regelmäßig Schäden beseitigt werden müssten. Wie aktuell die aufgebrochene Haustüre. Sie lässt sich nicht mehr schließen.
Neue bezahlbare Wohnung nicht in Sicht
Dennis Luck arbeitet als Reinigungskraft in Teilzeit, bald möchte er aufstocken. Seine Freundin ist gerade in Elternzeit. Beide hatten sich auf der Arbeit kennengelernt. Die Familie sucht eine Wohnung für maximal 1.500 Euro. "Das würde das Jobcenter übernehmen", erklärt Dennis Luck. "Wir sind darauf angewiesen, denn mit meinem Lohn kann ich gerade so meine Familie finanzieren."
Laut den Eltern dürften sie das Budget nicht überschreiten: "Wir haben mal eine Wohnung für 1.800 Euro anschreiben wollen, aber das durften wir vom Jobcenter aus nicht. Aber weiter mehr als 5.000 Euro zu zahlen ist nicht zu teuer. Das verstehen wir nicht." Die Familie sei auf sämtlichen Wohnungsportalen angemeldet und würde auf Wartelisten für Sozialwohnungen stehen. Sie wollen nicht aufgeben und sich weiter um ein neues Zuhause bewerben. Alleine schon, damit ihre Kinder bald ein eigenes Zimmer haben können.
Unsere Quellen:
- Familie Luck
- Reporterin vor Ort
- Stadt Köln
- Betreiber des Hotels