Deutscher Tierschutzbund verklagt Bunderegierung | WDR aktuell
WDR. 00:27 Min.. Verfügbar bis 21.05.2028.
Tierheime reagieren : Tierschutzbund verklagt Bundesrepublik
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Viele Tierheime stehen vor dem finanziellen Kollaps. Laut des Deutschen Tierschutzbundes liegt das auch daran, dass sie nicht ausreichend von der Bundesregierung unterstützt werden. Deswegen hat der Tierschutzbund jetzt Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland am Verwaltungsgericht Köln eingereicht.
"Nachdem Tierheime trotz entsprechender Zusagen im Koalitionsvertrag auch im Bundeshaushalt 2026 erneut nicht berücksichtigt wurden, sehen wir uns als Dachverband nun zu diesem rechtlichen Schritt gezwungen", sagt der Tierschutzbund mit Sitz in Bonn in einem Statement.
Mit der Klage wolle man klären, ob das Tierschutz-Gebot im Grundgesetz (Artikel 20a GG) für die Bundesrepublik auch eine finanzielle Verpflichtung bedeutet. Tierheime aus der Region erklären gegenüber dem WDR, wie ihre aktuelle Lage derzeit aussieht.
Tierheime stehen "mit dem Rücken zur Wand"
Neben dem Tierschutzbund klagen noch vier weitere Tierschutzverbände, die allerdings alle Mitglieder im Dachverband sind.
"Der praktische Tierschutz steht mit dem Rücken zur Wand, während der Bund die Verantwortung auf die Kommunen abschiebt." Deutscher Tierschutzbund in einer Stellungnahme
Spenden reichen nicht aus
Wie angespannt die finanzielle Lage vieler Tierheime tatsächlich ist, erlebt David Weth jeden Tag. Er ist Geschäftsführer des Tierheims Helenenhof in Hürth. Zwar erhält das Tierheim regelmäßig Spenden, doch diese dürfen offiziell nicht für Fund- oder beschlagnahmte Tiere verwendet werden. Für deren Versorgung sind eigentlich die Kommunen zuständig.
"Wenn ich ein krankes Tier habe und es muss versorgt werden, dann ist es mir am Ende des Tages egal, ob es jetzt ein Fundtier ist oder einTier, das Menschen zu uns gebracht haben, weil sie sich nicht mehr darum kümmern konnten. Das Tier wird immer versorgt werden. Was mir aber fehlt, ist das Geld." David Weth, Geschäftsführer Tierheim Hürth
Oft müsse er am Ende des Monats darüber nachdenken, Rechnungen von Spendengeldern zu bezahlen. Obwohl er das offiziell gar nicht darf. "Aber das Geld muss ja irgendwo herkommen", sagt er. Von der eigereichten Klage erhofft er sich vor allem eins: Öffentlichkeit für den Tierschutz. Und das ist letzten Endes eben immer eine Frage des Geldes, erklärt er.
Tierarztkosten belasten die Tierheime
Es sind vor allem die Tierarztkosten, die für David Weth den größten Kostenfaktor darstellen. Viele Tiere kommen krank im Tierheim an. Erst kürzlich musste ein Katzenjunges vier Tage in einer Klinik behandelt werden. Das hat das Tierheim rund 7.000 Euro gekostet.
Finanznot macht erfinderisch: Charity-Aktion im Tierheim Dellbrück
Kreativ reagierte man heute im Tierheim Dellbrück auf die finanziell angespannte Lage. Dort ließen sich Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger gemeinsam mit den Bewohnern des Tierheims für einen Charity-Kalender ablichten. Der fertige Kalender soll für 10 Euro verkauft werden und Tierheime deutschlandweit unterstützen.
Außerdem wollten die Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger in ihrer traditionellen schwarzen Berufskleidung darauf aufmerksam machen, dass Schwarz als „Glücksfarbe“ gilt. Oft sei es nämlich so, dass schwarze Tiere schwerer zu vermitteln sind als hellere Tiere.
Kein Gerichtstermin in Sicht
Ein Termin für einen möglichen Prozessstart steht noch nicht fest. Das Verwaltungsgericht will zuerst die Stellungnahmen aller Beteiligten einholen und dann "gegebenenfalls vorhandene Verwaltungsvorgänge" anfordern.
Unsere Quellen:
- Deutsche Presse-Agentur
- WDR-Reporter vor Ort
- WDR-Interview mit Tierheim Hürth
Sendung: WDR 2 Rheinland, WDR Aktuell, 21.05.2026, 7 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 21.05.2026, 12.45 Uhr