Ein Foto von Eva Michelmann vor ihrer Festnahme.
Nach rund drei Monaten hat die syrische Übergangsregierung nun offiziell bestätigt, dass Eva Maria Michelmann im Gefängnis sitzt. Nach Angaben des syrischen Informationsministeriums wurde die Kölnerin am 18. Januar im nordsyrischen Rakka während einer Militäroperation festgenommen. Bei einer Durchsuchung sei sie in einem Gebäude gefunden worden, das von der kurdisch geführten Miliz SDF als Sicherheitsquartier genutzt worden sei.
Deswegen bestehe der Verdacht, dass es sich bei Michelmann um eine ausländische Kämpferin handeln könnte, die sich illegal in Syrien aufhielt. Ihre Familie bestreitet das und spricht von einer Desinformationspolitik. Michelmann habe seit 2022 als freie Journalistin für kurdische Medien berichtet. Sie kritisieren die Isolationshaft, weil die 36-Jährige weiterhin keinen Kontakt zur Außenwelt hat, und fordern ihre Freilassung.
Michelmann im schlechten Zustand
Ende April hatte ihre Familie, gemeinsam mit ihrem Anwalt, erstmals öffentlich darüber gesprochen, wie es der verschleppten Eva Maria Michelmann vermutlich geht.
"Wir sind sehr erleichtert, dass sie lebt. Denn vorher hatten wir die Sorge, dass sie in einem der vielen Massengräber liegt", sagt Rotraut Hake-Michelmann. "Aber ich bin emotional nur noch in einem Tunnel, um das durchzustehen."
Blick auf den Umayyaden-Platz in Damaskus in Syrien
Der physische und psychische Zustand von Michelmann soll schlecht sein. Das sagen Augenzeugen, die sie vorher in einem anderen Gefängnis in Aleppo gesehen haben wollen. Mittlerweile hat eine Vertreterin des Auswärtigen Amtes sie besucht.
Familie verfasst offenen Brief an führende Politiker
Die Familie steht mit dem Auswärtigen Amt in Kontakt, in welchem Gefängnis sie genau sitzt, wird ihnen aber nicht mitgeteilt: "Die sagen uns, dass sie alles tun, was in ihrer Macht steht", sagt Rotraut Hake-Michelmann.
"Schöne Worte, aber was heißt das konkret? Das sind Floskeln, da müssen Taten folgen." Rotraut Hake-Michelmann, Mutter der inhaftierten Journalistin
Ihr Sohn sagt weiter: "Der syrische Übergangspräsident wird in Berlin mit rotem Teppich empfangen, aber, dass meine Schwester als deutsche Staatsbürgerin inhaftiert ist, wird verschwiegen. Wir wollen, dass dieser Fall zur Chef-Sache gemacht wird." Deshalb haben sie auch einen offenen Brief mit 160 Unterzeichnern verfasst, an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Die Angehörigen wenden sich an die Öffentlichkeit
Michelmann arbeitete für kurdische Medien
Seit mehr als drei Jahren war die Kölnerin in Syrien im Einsatz, um für kurdische Medien zu berichten. Zuvor setzte sie sich auch in Köln auf Kundgebungen für die Rechte der Kurden ein.
Laut Augenzeugen soll sie am 18. Januar 2026 in einem Jugendzentrum im nordsyrischen Raqqa Schutz gesucht haben. Dort sei sie mit anderen prokurdischen Aktivisten und Journalisten vom syrischen Militär verschleppt worden. Was ihnen offiziell vorgeworfen wird, ist bisher noch nicht bekannt.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Rotraut Hake-Michelmann, Mutter der Journalistin
- Gespräch mit Antonius Michelmann, Bruder der Journalistin
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Familie wirft Damaskus Desinformation vor, 04.05.2026, 13:45 Uhr
