Geschäfte am Kölner Hauptbahnhof leiden unter den Bauarbeiten
Lokalzeit aus Köln. 21.11.2025. 03:17 Min.. Verfügbar bis 21.11.2027. WDR. Von Friederike Müllender.
Seit sechs Jahren arbeitet Nicole Hornemann bereits in der Bahnhofs-Buchhandlung, so leer wie jetzt hat sie die seit dem Corona-Lockdown nicht mehr erlebt. Manchmal ist sie sogar ganz alleine im Laden. "Das ist ganz schön anstrengend, weil wir normalerweise auf Zack sein müssen, immer hin und her laufen und viele Kunden bedienen - jetzt ist es das komplette Gegenteil.“
Buchhändlerin Nicole Hornemann
Gemeinsam mit ihren Kolleginnen sortiert sie den Laden, kümmert sich um Dinge, die liegengeblieben sind; allerdings sind sie damit mittlerweile auch fertig. Eine zusätzliche Belastung ist die Geräuschkulisse. Dadurch, dass die Bauarbeiten auf den Schienen direkt über ihnen stattfinden, dröhnen die Baustellengeräusche fast permanent runter ins Geschäft.
"Auch morgens zur Arbeit zu kommen, ist gerade nervig. Jeden Tag muss ich die volle S-Bahn nehmen und weil sich gefühlt einfach alles staut, komme ich fast jeden Tag zu spät.“
dean&david im Kölner Hbf: Einbußen von 60 Prozent
So wie Nicole Hornemann geht es auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Martin Blamberg. Noch bevor der Arbeitstag bei der dean&david-Filiale überhaupt beginnt, ist das Stresslevel hoch.
Normalerweise bekommt man hier im Laden kaum einen Sitzplatz, jetzt ist bis auf zwei Plätze alles frei. "Wir haben hier Umsatzeinbußen von 60 Prozent, dafür gibt es auch keine Entschädigungen. Die Miete bleibt unverändert und auch unsere Fixkosten sind dieselben.“ - so Martin Blamberg.
Bauarbeiten am Kölner Hauptbahnhof: Das Timing ist besonders schlecht
Im Reformhaus einen Gang weiter versucht man ebenfalls bestmöglich durch die zehn Tage zu kommen, in denen die meisten Gleise gesperrt sind. "Gerade jetzt Ende November / Anfang Dezember haben wir eigentlich Hochkonjunktur. Dass die Bauarbeiten ausgerechnet jetzt sind, wo auch die Weihnachtsmärkte in der Innenstadt Touristinnen und Touristen in die Stadt locken, ist wirklich mehr als unglücklich“, sagt Geschäftsführer Sascha Schwedler.
Köln Hbf: Lage-Vorteil für Geschäfte am Ausgang
Auswirkungen der Bahnhofssperrung auf den Bäckereibetrieb
Zumindest etwas voller ist es am Bahnhofsausgang Richtung Breslauer Platz. Hier ist das Geschäft von Turgut Bozbayir. Neben Kaffeespezialitäten gibt es hier Backwaren, Snacks, abgepacktes Obst und Getränke. "Wir merken schon, dass viele Kölnerinnen und Kölner, die hier vorbeikommen, bei uns einkaufen - auch diejenigen, die hier am Hauptbahnhof arbeiten. Da haben wir wirklich einen Vorteil mit unserer Lage. Auch weil wir direkt neben den beiden S-Bahn Gleisen liegen auf denen überhaupt noch Menschen ankommen“, sagt Turgut Bozbayir. Trotzdem: Die Einbußen schätzt er auf 50 Prozent.
Damit zumindest die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht darunter leiden, hat die Geschäftsleitung entschieden, dass keine Arbeitsstunden gestrichen werden, um Geld zu sparen. "Einige Mitarbeitende, die eigentlich in Köln arbeiten, unterstützen uns gerade einfach in Berlin, Mainz oder Hamburg.“
Auch wenn sie in der Filiale darauf achten, dass so wenig Lebensmittel wie möglich übrig bleiben, dass welche übrig bleiben lässt sich nicht verhindern. Alles was am Abend noch übrig bleibt geht dann an die Bahnhofsmission und die Kölner Tafel.
Unsere Quellen:
- Interviews mit Geschäftsinhabern
- Interviews mit Mitarbeitenden