Mit Kanonen auf Gänse schießen: Kampf gegen invasive Arten
Aktuelle Stunde . 12.09.2025. 28:58 Min.. UT. Verfügbar bis 12.09.2027. WDR. Von Daniela Rüthers-Becker.
Wer es sich diesen Sommer auf einer Wiese in der Nähe von Wasser gemütlich machen wollte, hatte oft keine andere Wahl als seine Decke auf grün-braune Gänsekacke zu legen. Die Population ist in vielen Städten gestiegen und das teils merklich. So lebten im vergangenen Jahr am Kölner Kahnweiher zehn Tiere. 2024 wurden bereits 40 gezählt.
Auch in anderen Kommunen beklagt man sich über den Zuwachs der gefiederten Gäste. Um die weitere Ausbreitung einzudämmen, können die Tiere im Mülheimer MüGa-Park jetzt abgeschossen werden. Wie gehen andere Städte damit um?
In Bonn und Münster sieht man keinen Handlungsbedarf
Sprecher der Städte Bonn und Dortmund sehen die Ursache für die Ausbreitung auch beim Menschen: "Trotz Hinweisschildern und Kontrollen werden die Tiere in der Rheinaue aus falsch verstandener Tierliebe gefüttert." Grund für die Vermehrung ist aber auch, dass die Nilgänse kaum natürliche Feinde haben.
Die Stadt Bonn hat noch keine Maßnahmen eingeleitet, um den Gänsen die Vermehrung schwer zu machen. Auch Münster antwortet auf WDR-Anfrage, dass ein aktives Bestandsmanagement derzeit nicht erforderlich sei. In anderen Städten mit mehr Gänsen geht man das Thema aktiver an.
Eier wegnehmen, abschießen, Gras wachsen lassen
In vielen Städten werden Eier aus Nestern entnommen und vernichtet, um die Population zu reduzieren. Ein Sprecher der Stadt Duisburg berichtet von einem "recht hohen Aufwand im Zuge des Gänsemanagements."
Mitarbeiter der Stadt nehmen dabei gezielt Eier aus den Gänsenestern, so dass nur zwei übrig bleiben. "So wird die Brut fortgesetzt, aber insgesamt ist weniger Nachwuchs zu verzeichnen. Dies ist eine langfristig wirksame Maßnahme." In Duisburg habe man es so geschafft, dass die Bestände "auf einem annähernd gleichen Niveau geblieben sind."
Zudem geht man beispielsweise in Köln dazu über, das Gras auf den Wiesenflächen wachsen zu lassen. Denn Gänse mögen das Gras am liebsten kurz gemäht, um eventuell nahende Feinde schneller entdecken zu können.
Der Kot der Tiere kann gefährlich sein
Aber was ist eigentlich das Problem an der wachsenden Population? "Die Entwicklung ist so, dass sie sich immer weiter ausbreiten," sagt Anna Schanz, Expertin für invasive Arten an der Uni Frankfurt. "Die Gänse machen auch vor Pools keinen Halt, es gibt Berichte von Familien, die im Freibad neben ihnen schwimmen."
Schon wenige Gänse können große Mengen Kot produzieren. Da die Tiere stets auf der Hut und abflugbereit sein müssen, verdauen sie ihre Nahrung im Schnelldurchgang und alle drei bis fünf Minuten kommt ein neuer Haufen hinten raus. Der Kot ist nicht gerade ungefährlich. Vor allem Eltern sollten aufpassen, dass ihre Kinder die Hinterlassenschaften nicht in den Mund stecken.
"Es wird diskutiert, ob ein Infektionsrisiko durch Gänsekot besteht - z.B. Salmonellen können durch Kot verbreitet werden," erklärt Wildtierexpertin Anna Schanz. Ein Problem für Wiesen, besonders die, auf denen Kinder spielen.
Abschuss laut BUND keine Lösung
Aber auch im Wasser ist der Kot nicht unbedenklich: Die Bakterien könnten dazu führen, dass die Gewässer, an denen sich die Gänse aufhielten, verseucht werden, sagt Peter Figgen vom Kölner Grünflächenamt zum WDR. "Dann haben die Tiere, die im Gewässer leben, keine Überlebenschance mehr."
Ob das Abschießen der Tiere allerdings die Lösung ist, wird vom BUND bezweifelt. "Das bringt nichts. Je größer der Bejagungsdruck außerhalb der Städte, desto eher kommen die Tiere in die Städte", so der BUND-Experte Jansen.
Dort dürfen sie bisher nur vereinzelt gejagt werden und finden trotz aller Warnungen immer wieder Menschen, die sie mit Futter versorgen und ihnen so das Stadtleben attraktiv machen.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Anna Schanz, Expertin für invasive Arten an der Uni Frankfurt
- WDR-Anfragen bei den Städten Köln, Düsseldorf, Dortmund, Bonn, Duisburg, Neuss, Münster
- WDR-Anfrage beim BUND
- Landesjagdverband NRW
- Nachrichtenagentur dpa