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Wechseljahre - unsere Hormone betreffen auch dich, Chef! | MEINUNG

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Die Menopause kommt langsam aus der Tabu-Zone. Wir müssen das Thema aber noch mehr an den Arbeitsplatz holen, meint unsere Kolumnistin.

Von Caro Wißing

Das Thema Menopause ist noch ziemlich weit weg von mir. Dachte ich. Bis vor ein paar Tagen eine Freundin (39) sagte, sie überlege, Hormone zu nehmen - in Vorbereitung auf die Wechseljahre. Da war ich erstmal baff. Sie hat Angst, dass die Symptome der Hormonumstellung sie sonst aus der Bahn werfen werden.

Ehrlicherweise habe ich mich damit noch gar nicht so richtig auseinandergesetzt. Mir ist klar, dass die Menopause mehr ist als bloß Hitzewallungen. Es ist eine krasse Veränderung, die sich da im Frauenkörper vollzieht. Aber bisher hatte ich gedacht, dass ich da halt einfach irgendwann durch muss - so wie man auch mit PMS, Periodenschmerzen und sonstigen Zyklusbeschwerden klarkommen muss.

Ahnungslos ins Hormonchaos

Ja, ich bin dann wohl eine von vielen Frauen, die uninformiert und komplett unvorbereitet sind bei dem Thema. Keine Frau weiß, wann es bei ihr losgeht und wie krass es wird. Manche kommen schon mit Ende 30 in die Wechseljahre. Und laut einer Studie der Hochschule Wirtschaft und Recht Berlin leiden acht von zehn - also die allermeisten - Frauen dann unter den Beschwerden: Schlafstörungen, Gelenkschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, depressive Phasen. Das wird nicht nur körperlich zur Herausforderung - auch wirtschaftlich!

Ein Viertel der befragten Frauen reduzierte aufgrund der Symptome die Arbeitsstunden, einige wechselten die Position und manche hörten sogar ganz auf zu arbeiten und gingen früher in den Ruhestand. Wie krass! Das sind Frauen, die gerade eigentlich im "besten Alter" fürs Arbeiten sind: Sie haben Erfahrung und Wissen gesammelt, die Kinder sind schon größer.

Weniger Leistung, weniger Verdienst, weniger Rente: Wirtschaftsfaktor Wechseljahre

Ich muss mich perspektivisch also nicht nur um meinen Hormonhaushalt sorgen, sondern auch noch um Verdienst und Rente. Wir Frauen sind sowieso schon gekniffen aufgrund der Gender-Pay-Gap und wegen Schwangerschafts- und Erziehungszeiten. Die Wechseljahre kommen also auch noch oben drauf.

Aber nicht nur für Frauen selbst sind die wirtschaftlichen Folgen spürbar - auch in der Wertschöpfung insgesamt: Die Studie schätzt die Folgekosten der Wechseljahre für die deutsche Wirtschaft auf mehr als neun Milliarden Euro pro Jahr. Mit dem Fakt haben wir dann vielleicht auch die Männer an Bord bei dem Thema - die Chefs und Politiker. Es ist Zeit, was zu tun!

In einigen Ländern wie Großbritannien haben Unternehmen und auch die Regierung schon verstanden, wie wichtig Aufklärung und Maßnahmen sind. Es gibt dort seit 2023 eine Menopausenbeauftragte für den Arbeitsbereich und die Behörde für Gleichberechtigung erstellt Menopausenrichtlinien für Unternehmen.

Chef, ich bin in den Wechseljahren!

Viele britische Firmen - weil sie den Verlust weiblicher Arbeitskräfte fürchten - bieten betroffenen Frauen Seminare an, Beratungsgespräche bis hin zu ganz simplen Hilfsmitteln: Ventilatoren am Schreibtisch. Die Bank HSBC und die Supermarktkette Tesco haben für ihre Mitarbeiterinnen atmungsaktive Dienstkleidung eingeführt. Auch deutsche Unternehmen wie SAP springen auf den Zug allmählich auf. Schön!

Roland Niemans ist Personalleiter bei der Bundesagentur für Arbeit für Düsseldorf und Umgebung. Er hat im Interview erzählt, wie das Thema dort im Unternehmen aufgekommen ist und was gemacht wurde:

Wechseljahre und Arbeit: "Thema hat Relevanz"

WDR Studios NRW 11.11.2025 06:36 Min. Verfügbar bis 13.11.2027 WDR Online

Das wird den betroffenen Frauen nicht das Leiden nehmen, aber manchmal reicht es ja auch schon als Mitarbeiterin das Gefühl zu haben: Mein Arbeitgeber hat das Thema auf dem Schirm. Ich muss mich hier zumindest nicht verstecken, wenn ich aufgrund von Wechseljahrsbeschwerden gerade nicht 100 Prozent geben kann im Job.

Reden über Wechseljahre ist kein Rumgeheule

Gut ist, dass das ganze Thema in den letzten Jahren schon etwas aus der Tabu-Zone geholt worden ist. Promis wie Lilly Becker, Moderatorin Katja Burkhard oder Hollywood-Schauspielerin Halle Berry machen ihre Beschwerden und ihren Leidensweg öffentlich. Es gibt mittlerweile zahlreiche Bücher über die Wechseljahre, es ist Thema in Talkshows und in Podcasts.

Aber statt das zu feiern oder zumindest als notwendige Aufklärung anzuerkennen, kommen direkt wieder jene Stimmen - auch von Frauen selbst - die das "zu viel" finden. Zu viel Aufmerksamkeit auf den weiblichen Körper, Frauengedöns, anti-emanzipatorisch. Es ist tatsächlich ein schmaler Grat. Darüber zu sprechen, dass Frauen in dieser Lebensphase körperliche Einschränkungen erfahren, liefert auch denjenigen Argumente, die Frauen sowieso als das schwache, zu sensible, hysterische oder was auch immer Geschlecht ansehen.

Mehr Unterstützung, liebe Männer… und Frauen!

Ich finde ja, dass nach so langem Nichtreden über ein Thema, es gern auch erstmal sehr viel Info und sehr viel Aufklärung sein darf. Zumal es wirklich die Hälfte der Menschheit direkt und über Mütter, Partnerinnen, Freundinnen, Schwestern und Töchter auch fast jeden Mann indirekt betrifft.

Deswegen darf die Unterstützung am Arbeitsplatz nicht aufhören. Schlafstörungen zerschießen den kompletten Alltag. Gereiztheit bringt vielleicht Schwierigkeiten in der Partnerschaft mit sich. Schweißausbrüche kommen auch abends auf der Couch und Konzentrationsstörungen vielleicht beim Autofahren. Da braucht es Sensibilität und Hilfestellung von allen Seiten. Klar, gute Medikamente. Da sind Medizin und Forschung gefragt. Aber wenn bereits gute Ernährung, Bewegung und Stressabbau helfen, können da auch die Liebsten im engen Umfeld mit daran arbeiten.

Das Thema Menopause sollte einfach schon angegangen werden, bevor die ersten Symptome kommen. Gynäkologen sollten uns schon in unseren Dreißigern mit Infomaterial füttern. Meine Freundin ist da wirklich ein Vorbild für mich. Wir sollten als Frauen untereinander mehr darüber sprechen, was hilft und was gut tut. Und wir müssen auch unsere Partner, Freunde, Söhne und Väter mit ins Boot holen - frühzeitig!

Wie geht euer Arbeitgeber mit dem Thema Wechseljahre um? Welche Maßnahmen würden helfen? Lasst uns darüber diskutieren. In den Kommentaren auf WDR.de oder auf Social Media.

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