Hantavirus Kontaktperson in Uniklinik Düsseldorf

Aktuelle Stunde 07.05.2026 40:38 Min. UT Verfügbar bis 07.05.2028 WDR Von Björn Henke

Gefährliche Andes-Variante Ist das Hantavirus so ansteckend wie Corona?

Stand:

Die europäische Variante des Hantavirus gibt es schon lange bei uns in NRW. Die Andes-Variante aus Südamerika ist gefährlicher. Anhand aktueller Einschätzungen von Virologen klären wir, welche Varianten es gibt und wie ansteckend sie sind.

Von Stefan Haase

Es sollte ein Traumurlaub werden. Doch für drei Menschen endete eine Reise mit dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" tödlich: Ein niederländisches Ehepaar und eine Deutsche hatten sich mit dem Hantavirus infiziert. Inzwischen ist am Sonntag die Evakuierung der Menschen an Bord des Schiffs auf der Insel Teneriffa angelaufen. Vor Beginn der Ausschiffung waren Ärzte an Bord gegangen, um eine epidemiologische Untersuchung durchzuführen.

Die gute Nachricht des Tages: Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder sind nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García ohne Krankheitssymtome. Aus Sicherheitsgründen müssen sie aber unter Quarantäne gestellt werden. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern. Sie werden mit Flugzeugen in ihre Heimatländer gebracht.

Hantavirus hat zwei Gesichter

Vier deutsche Passagiere sollen von Teneriffa ins niederländische Eindhoven geflogen werden. Nach ihrer Ankunft werden sie nach Frankfurt gebracht. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert. Eine Person soll später in die Berliner Charité gebracht werden. Seit Mittwoch liegt zudem eine Deutsche, die ebenfalls auf dem Kreuzfahrtschiff war, in der Uniklinik Düsseldorf.

Das Virus hat zwei Gesichter: Das europäische, was so gut wie gar nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und nur in sehr seltenen Fällen tödlich ist. Und das südamerikanische, auch Andes-Variante genannt, was deutlich gefährlicher ist. Wir sagen, was beide Varianten voneinander unterscheidet und warum die Andes-Variante zwar gefährlicher ist, aber nicht mit dem Coronavirus verglichen werden kann.

Mehr als 40 Prozent der Infizierten, die sich mit der Andes-Variante anstecken, sterben. Die Variante ist deutlich aggressiver als die europäische und es gibt noch keinerlei Medikamente oder Therapien dagegen. Die europäische Variante führt hingegen nur in ganz seltenen Fällen zum Tod und man kuriert sie in der Regel vollständig aus.

Die Andes-Variante kommt bislang vor allem in Südamerika vor, aber nicht in Europa. Sie löst zunächst vor allem grippeähnliche Symptome - wie starkes Fieber und Schüttelfrost - aus, greift aber schnell die Lunge an und kann bis hin zum Lungenversagen führen.

Die europäische Variante löst zunächst auch grippeähnliche Symptome aus und kann dann die Nieren angreifen, was zu Blut im Urin führen kann. Auch eine plötzlich eintretende, starke Kurzsichtigkeit ist ein deutliches Zeichen für eine Hantavirusinfektion.

Die Inkubationszeit - also die Zeit zwischen der Infektion und den ersten Symptomen - beträgt laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in der Regel etwa zwei Wochen, reicht aber von sieben Tagen bis zu sechs Wochen. 

Sowohl Infektiologen, Virologen als auch das ECDC sagen, dass ein großer Ausbruch wie in der Corona-Pandemie extrem unwahrscheinlich ist. Das liegt vor allem daran, dass die Andes-Variante nur bei sehr engem Kontakt weitergegeben werden kann. Diese Situation habe es auf dem Kreuzfahrtschiff gegeben, weil dort viele Menschen auf engem Raum über längere Zeit zusammen waren.

Übertragen wird das Virus vor allem durch Ausscheidungen von Nagetieren, wie hierzulande der Rötelmaus. Räumt man zum Beispiel seinen Dachboden oder Keller auf, kann dabei Staub aufgewirbelt werden, in dem sich Kot oder Urin der Mäuse befindet. Wenn man den dann einatmet, ist die Infektionsgefahr hoch.

Aber auch auf Baustellen und bei Forstarbeiten im Wald kann man sich auf diese Art mit dem Hantavirus infizieren. Während die europäische Variante nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann, ist es bei der südamerikanischen Andes-Variante bei engem Kontakt durchaus möglich.

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WDR 07.05.2026 02:24 Min. Verfügbar bis 06.05.2028 WDR Online

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Personen, die sich mit der Andes-Variante infiziert haben, sollten laut ECDC so schnell wie möglich isoliert und medizinisch behandelt werden. Ärzte können - wie bei Corona oder der Grippe - mit einem PCR-Test relativ zuverlässig nachweisen, ob und mit welcher Variante man sich infiziert hat.

Da die Andes-Variante deutlich aggressiver und tödlicher ist und es weder Medikamente noch Therapien gibt, sollte eine Infektion umgehend auf einer Isolierstation in einem Krankenhaus behandelt werden.

Bei der weniger gefährlichen europäischen Variante reicht es in der Regel aus, sich zu isolieren und vollständig auszukurieren. Eine bestimmte Behandlung gegen diese Variante gibt es nicht, allerdings könnten schwere Verläufe zu kritischen Nieren- und Lungenerkrankungen führen. Die sollten dann im Krankenhaus behandelt werden.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • European Centre for Disease Prevention and Control
  • Stellungnahmen mehrerer Virologen im Science Media Center Germany
  • Interview mit Infektiologe und Tropenmediziner Prof. Torsten Feldt
  • Interview mit Nephrologe Dr. Martin Loyen

Sendung: WDR 5, Der Tag um zwölf, 07.05.2026, 12:15 Uhr

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