Führerschein zu teuer, Wiederholungsquote hoch | Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde 11.02.2026 43:15 Min. UT Verfügbar bis 11.02.2028 WDR Von Daniela Rüthers-Becker

Teurer Führerschein: Wann Fahrenüben strafbar ist - und wann nicht

Stand:

Mehr als 3.000 Euro kostet mittlerweile ein Führerschein. Viel Geld - für viele zu viel. Deshalb will Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Kosten mit einem Reformpaket senken. Bis das greifen kann, dauert es noch lange.

Die Preise für den Führerschein klettern seit Jahren – und wer heute den „Lappen“ machen will, zahlt schnell so viel wie früher für einen gebrauchten Kleinwagen. Während die Politik Reformen will, die vor allem Fahrschulen die Stirn runzeln lassen, bleibt eine Frage drängender denn je: Was können angehende Fahrerinnen und Fahrer selbst tun, um die Kosten im Griff zu behalten? Wir zeigen, an welchen Stellschrauben ihr drehen könnt, damit der Weg zum Führerschein nicht zum finanziellen Härtetest wird.

Verkehrsübungsplätze können Sicherheit vermitteln

Für einen normalen Führerschein der Klasse B sind aktuelle 14 Doppelstunden Theorie und 12 Sonderfahrten Pflicht. Letztere werden erst erteilt, wenn alle Grundfahrübungen erfolgreich absolviert sind. Dieses Programm ist nicht verhandelbar, sodass sich die Kosten nur durch einen möglich günstigen Fahrschultarif drücken lassen. Zusätzlich kann man Zusatzkosten vermeiden, indem man beide Prüfungen auf Anhieb besteht und zusätzliche Übungsstunden vermeidet.

Erleichterungen beim Führerschein

WDR Studios NRW 11.02.2026 02:53 Min. Verfügbar bis 11.02.2028 WDR Online

Nun hat nicht jeder nach den zwölf absolvierten Sonderfahrten à 45 Minuten die nötige Sicherheit, um eine praktische Prüfung zu bestehen, bei der laut TÜV mehr als ein Drittel im ersten Anlauf durchfallen. Will man diese Sicherheit etwas günstiger beziehen, stehen einem dafür Verkehrsübungsplätze offen. Der ADAC betreibt einen in Kaarst, wo man als Nicht-Mitglied eine Stunde lang für 20 Euro (45 Minuten in der Fahrschule können zwischen 55 und 77 Euro kosten) üben kann.

Fahren ohne Führerschein im öffentlichen Raum ist eine Straftat

Ab 16 Jahren kann man sich in Kaarst hinter dem Pkw-Steuer den nötigen Feinschliff holen, wenn die Eltern das absegnen und jemand mit gültigem Führerschein neben einem sitzt. "Der Verkehrsübungsplatz wird von der jungen Generation gut angenommen", sagt der ADAC.

Auch das NRW-Innenministerium empfiehlt die günstigeren Übungsplätze im Land, von denen es etliche gibt - neben Kaarst beispielsweise in Recklinghausen, Mettmann, Köln und Olpe. "Das ist der gesicherte Raum, wo man üben sollte", so ein Sprecher des Ministeriums.

Wo Üben schnell zur Straftat wird

Wo man definitiv nicht üben sollte, seien Feldwege oder leere Parkplätze an Wochenenden. Da gelte die Straßenverkehrsordnung, und wer dort ohne gültige Fahrerlaubnis mit dem Auto fährt, mache sich strafbar. Dasselbe gelte für Fahrer, die das gestatten, so der Sprecher. Zudem warnt der TÜV davor, dass man bei einem Unfall auf den Kosten sitzen bleiben könne, weil die Versicherung nicht zahlt.

Ohne Führerschein auf Parkplätzen und Feldwegen üben geht nicht. Das ist eine Straftat. NRW-Innenministerium

Zudem ziehe das Fahren ohne Fahrerlaubnis laut ADAC in der Regel eine Sperrfrist für den Führerscheinerwerb nach sich, "deren Dauer von sechs Monaten bis fünf Jahren reichen kann". Neben den davor vorgesehenen Plätzen seien zum Üben laut Innenministerium lediglich noch private Grundstücke eine legitime Wahl, die aber besser klar abgegrenzt sein sollten - laut TÜV ein "öffentlich zugängliches Privatgrundstück mit Erlaubnis des Eigentümers".

Warten auf einen Preissturz lohnt sich laut TÜV und ADAC nicht

Ein gutes Mittel, um Kosten zu senken, ist laut ADAC der Vergleich mehrerer Fahrschulen: "Hier gibt es Unterschiede von teilweise 10 bis 20 Euro pro Fahrstunde. Das kann in Summe schon mehrere hundert Euro Ersparnis ausmachen", sagt ADAC-Sprecher Thomas Müther am Mittwoch auf WDR-Anfrage.

Wem der Führerschein auch ohne zusätzliche Übungsstunden zu teuer ist, dem kann Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband, trotz des von Schnieder angestoßenen Reformprozesses wenig Hoffnung auf einen baldigen Preissturz machen: "Ein Warten lohnt ich nicht. Vermutlich dauert das Gesetzgebungsverfahren circa 9 bis 12 Monate. Bis zum Inkrafttreten werden wir das Jahr 2027 schreiben."

Wenn die Reform beschlossen wird, dann werden viele Maßnahmen voraussichtlich eher mittelfristig greifen. Die Führerscheinausbildung aufzuschieben lohnt sich laut ADAC-Sprecher Thomas Müther nicht.

Abgesehen von mutmaßlichen positiven Effekten auf die Führerscheinkosten, reagieren ADAC, TÜV und der Fahrlehrerverband unterschiedlich auf Schnieders Reformpaket. "Wir sind entsetzt über die Pläne", sagt etwa Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein.

Reformpläne spalten Verbände: Von Entsetzen bis vorsichtigem Zuspruch

Zu Schnieders Plänen gehört die Möglichkeit eines reinen theoretischen Online-Unterrichts, weniger Fragen in der Theorieprüfung, weniger verpflichtende Sonderfahrten (z. B. Autobahn) und eine "Laienausbildung" durch Eltern oder Freunde, wie sie es in Österreich gibt. Bartels spricht da von einem "Angriff auf die Verkehrssicherheit".

Ganz so drastisch sieht man es bei ADAC und TÜV nicht. Sollten Fahrschulen die Wahlfreiheit zum kompletten digitalen Unterricht nutzen, könne laut TÜV die Prüfungsvorbereitung darunter leiden. Der ADAC begrüßt sogar die höhere Flexibilität des Ansatzes, der "die Erreichbarkeit von Fahrschulen für Fahrschüler gerade in ländlichen Regionen deutlich erleichtern" könne. Präsenz sei damit nicht vom Tisch, aber eben eine freie Entscheidung der Fahrschule. Müther sagt, es könne "sinnvoll sein, Inhalte mit besonders hoher Relevanz für die Verkehrssicherheit weiter in Präsenz zu vermitteln". Die Klärung der Sicherheitsfrage müsse auch geklärt sein, ehe man Sonderfahrten streicht.

ADAC begrüßt mehr Fahrpraxis durch "Laienausbildung"

Eine gekürzte Theorieprüfung sei eher ein "Risiko, sicherheitsrelevante Standards zu senken, ohne spürbare Kostenvorteile zu erzielen", sagt Goebelt. Fraglich sei auch der Ansatz der "Laienausbildung", weil Schnieder offen gelassen habe, wie die genau aussehen solle. Müther verweist allerdings auf die positiven Erfahrungen, die man in Deutschland bereits mit dem "Begleiteten Fahren" gemacht habe. Das leiste "wesentlichen Beitrag zu einem geringeren Unfallrisiko bei Fahranfängern".

Aber die Reform liegt noch in weiter Ferne, da sich Schnieder bei der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern Ende März erstmal auf ein Paket einigen muss. Noch sind es nur seine Pläne. Die Führerscheinkosten bleiben also erst mal hoch.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Thomas Müther, Leiter Kommunikation des ADAC Nordrhein
  • WDR-Gespräch mit Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband
  • NRW-Innenministerium
  • ADAC-Fahrsicherheitszentrum Grevenbroich

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 11.02.2026, 18.45

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