Bei den Kindern bestehen die meisten darauf. Aber Erwachsene setzen oft keinen Fahrradhelm auf, wenn sie aufs Rad steigen. Manche würden dazu wohl gerne mit einer Helmpflicht angehalten werden: Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (54 Prozent) haben in einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL angegeben, dass sie für eine Helmpflicht für Fahrradfahrer sind.
In der Praxis sieht es dann aber anders aus: Nur etwas mehr als jeder dritte Befragte trägt demnach immer einen Helm, ein weiteres gutes Drittel verzichtet grundsätzlich. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen ist der Anteil der Helmträger demnach besonders klein.
Stichprobe in Städten wie Duisburg und Münster: Weniger Radfahrer mit Helm
Dass nur eine Minderheit der Radfahrenden mit Helm unterwegs ist, zeigen auch Zahlen, die die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen Ende Mai bekanntgegeben hatte. Über alle Altersgruppen hinweg trugen 37 Prozent aller bei einer Stichprobe beobachteten Radfahrerinnen und Radfahrer einen Schutzhelm.
Das ist der zweite Rückgang in Folge: Im Jahr 2024 betrug die Quote 42,6 Prozent und im Jahr 2023 noch 44,4 Prozent. Die Beobachtungen wurden in ausgewählten Regionen gemacht, zu denen auch Duisburg und Münster gehören.
Langfristig gesehen geht es allerdings bergauf. So ist der Anteil der Fahrradfahrer mit Schutzhelm in den vergangenen 25 Jahren laut Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen deutlich angestiegen. Mit weitem Abstand am häufigsten mit Helm unterwegs sind Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren.
Helm auf dem Fahrrad: Ohne drohen heftige Verletzungen
Fragt man Menschen auf der Straße nach Argumenten für oder gegen einen Helm, geht es nicht nur ums Aussehen oder Bequemlichkeit: Ein Radfahrer mit großem Kopf berichtet, dass er bisher einfach keinen Helm finden konnte, der ihm passt. Andere sagen, sie schwitzen darunter zu viel.
Zum Helmträger wird oft, wer schon mal einen schlimmen Unfall mitbekommen oder selbst erlebt hat. Liss Hoffmann ist so jemand. Die 40-Jährige war mit 18 Jahren auf dem Weg zur Schule mit dem Fahrrad im Schnee gestürzt und hatte sich dabei die Schneidezähne ausgeschlagen.
"Ein normaler Helm hätte mich davor wahrscheinlich auch nicht geschützt," erzählt sie heute im WDR-Interview. Deshalb trägt Liss seit diesem Unfall immer einen Helm mit Kinnschutz. "Auch für die 100 Meter zum Briefkasten." Und auch, obwohl sie dann gefragt werde, ob sie mit dem Motorrad unterwegs sei und komische Blicke erntet.
Fahrradclub ADFC für sichere Radwege
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) empfiehlt unter anderem Kindern und älteren Menschen, einen Helm zu tragen. Um Unfälle zu verhindern, setzt die Organisation sich aber vor allem für eine geschützte Rad-Infrastruktur ein.
Sicheren Radverkehr gibt es nur auf sicheren Radwegen. ADFC
"Wir müssen gucken, dass wir durchgängige Radwege kriegen und dass wir auch Falschparker sanktionieren, die Radwege behindern", sagt Marc Zietan vom ADFC Nordrhein-Westfalen dem WDR. Zietan fordert aber auch sichere Kreuzungen, ihm zufolge sind Unfälle dort auch in NRW die wesentlichen Problemfälle.
Verkehrsunfallbilanz: Allein im Radverkehr starben 106 Menschen in NRW
"Wir haben 106 tote Radfahrende im letzten Jahr gehabt. Das ist zu viel", betont Zietan. Er bezieht sich dabei auf die aktuelle Verkehrsunfallbilanz, die Innenminister Herbert Reul im März vorgestellt hatte.
Ein Ergebnis: Die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern und Pedelecs hat im Vergleich zum Vorjahr um gut sieben Prozent zugenommen und liegt nun bei 21.984. Stark gestiegen sei die Zahl der Getöteten. Sie habe um rund ein Drittel auf 106 zugenommen.
Unsere Quellen:
- Meldungen der Nachrichtenagentur dpa
- Straßenumfrage der WDR-Reporterin
- WDR-Interview mit Liss Hoffmann
- WDR-Interview mit Marc Zietan vom ADFC
- WDR-Beitrag zur Verkehrsunfallbilanz
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 03.06.2026, 12:45 Uhr.
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 03.06.2026, 18:45 Uhr.
Kommentare zum Thema
Wer Vorbild sein will, sollte auch Helm tragen, das ist erstmal vorweg. Doch ehrlich gesagt wir haben soviel "Pflichten" und bin mir nicht sicher ob es richtig ist aus allem eine Pflicht zu machen. Ja ich finde es richtig und gut. Doch glaube ich das wir mehr erreichen wenn wir an den Verstand jedes einzelnen Menschen appellieren. Es macht kein Sinn mit 25 kmh auf einer Mofa mit Helm zu fahren, aber mit dem Rad bei 30 kmh ohne Helm, passt nicht zusammen. Der Kopf ist der gleiche. Der platzt wie nen Ei
Ein Mofa ist ein Kraftfahrzeug welches im fließenden Verkehr völlig anders mit schwimmt, viel schwerer im Händling ist und in der Regel auch permanent mit 25 km/h fährt. Ein Radfahrer ist da, nach meinem Empfinden, schon deutlich gemütlicher unterwegs. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Ich bin generell ein entspannter Radfahrer und im Verkehr grundsätzlich defensiv unterwegs. Fahre seit 50 Jahren Fahrrad und bin 2 mal gestürzt, was allerdings in meiner Sturm-und Drangzeit geschah. Übermut! Somit über 35 Jahre her. Daher bitte ich sie nicht meinen Verstand anzuzweifeln weil ich noch nie einen Fahrradhelm getragen habe und es auch nicht tun werde. Zudem auch nicht „permanent belehrt“ werden möchte es zu tun.
Eine Helmpflicht für Radfahrer ist ebenso absurd, wie das Entfernen eines gemobbten Schülers aus einer Schulklasse. Das Opfer trägt die Folgen, der Täter bleibt ungeschoren. Eine Umkehr nach Vorbild schwedischer und dänischer Verkehrsplanung in Großstädten würde diese Diskussion normalisieren. Radwege müssen endlich gleichwertig zu Kfz-Wegen geplant und vor allem gepflegt werden. Massive Investitionen und Maẞnahmen zum Trennen von Kfz. -und Fahrradverkehr wären die richtigen Maßnahmen. Die Sanktion für auf Rad-und Gehwegen parkende Autos muss endlich das sofortige Abschleppen und ein deutliches dreistelliges Bußgeld werden, ansonsten werden immer wieder Radfahrer und Fußgänger auf viel befahrene Straßen gedrängt. Wenn dann trotzdem noch die Unfallzahlen so hoch sind, kann in 10 Jahren erneut über eine Helmpflicht diskutiert werden, bis dahin gibt es aber erheblichen Handlungsbedarf bei Politik und Verwaltung. (Ich bin übrigens Autofahrer und Radfahrer)
Warum bitte eine Helm- „Pflicht“? Wer möchte soll dich einfach einen tragen! Verstehe nicht weshalb hier in Deutschland ständig alles und jeder in Watte gepackt und permanent abgesichert werden soll. Das ist anstrengend und beschränkt mich persönlich in meiner Freiheit. Wenn es wirklich zu einer Helmpflicht kommt, werde ich mein Fahrrad ab dem Tag wo sie inkraft tritt stehen lassen und mich „ohne Helm“ ins Auto setzen. Ich kann sowas nämlich absolut nicht ab und möchte das für mich selbst entscheiden dürfen. Die Niederländer sind weitaus Radaktiver und machen da nicht ständig so ein Drama. Dieses Land der Neurosen wird in meinen Augen immer schlimmer und dadurch unfreier.