Verbraucherzentrale warnt vor illegalen Kontoabbuchungen
WDR. 03:18 Min.. Verfügbar bis 28.05.2028.
Plötzlich kommen die E-Mails. "VORGERICHTLICHE ZAHLUNGSAUFFORDERUNG" steht im Betreff. Zig solcher Mails hat Heiko Reuter aus Herne schon bekommen. Absender ist die Firma "Culpa Inkasso". Sechs Unternehmen wollten anfangs Geld von ihm - Culpa vetritt diese. Mittlerweile hat nur noch eine der Firmen Forderungen an ihn. Warum die anderen kein Geld mehr wollen, weiß er nicht.
Reuter soll im Internet Abos abgeschlossen haben. Dabei weiß er davon gar nichts. "Ich habe erst gedacht, das wäre ein Scherz. Die Mails waren im Spam-Ordner." Doch der Druck wird größer. "Der Ton in den Mails wird immer schärfer", sagt Reuter. Immer wieder werden neue Zahlungsfristen gesetzt. Tatsächlich stehen in den Mails Sätze wie "Unsere Geduld ist am Ende." Es wird mit "weiteren kostenauslösenden Maßnahmen" gedroht und mit Gerichtsverfahren.
Tipps bei unbegründeten Inkassobriefen
Das Wichtigste in Kürze
1. Nicht bezahlen wenn ihr unsicher seid, ob ihr einen Vertrag abgeschlossen habt, aus dem sich Forderungen ergeben könnten. Erst alles genau prüfen.
2. Den Zahlungsaufforderungen widersprechen, wenn diese aus eurer Sicht ungerechtfertigt sind. Widersprecht schriftlich, da telefonische Widersprüche im Zweifel nur schwer nachweisbar sind. Ihr solltet auch widersprechen, wenn es aus eurer Sicht gar keinen Vertrag gibt. Das ist wichtig, da es sonst negative Schufa-Einträge geben könnte - auch wenn ihr kein Geld schuldet.
3. Alle Vertragsunterlagen anfordern, also Nachweise über den Abschluss und Informationen über die Vertragsleistungen sowie Nachweise über die Rechnung, für die das Inkasso Unternehmen beauftragt wurde.
4. Beratung suchen bei der Verbraucherzentrale oder einer Anwaltskanzlei.
Betrugsmasche über vermeintliche Abos
Reuter kennt weder die Inkasso-Firma, noch kennt er die Internetseiten, auf denen er kostenpflichtige Verträge abgeschlossen haben soll. Ein Beispiel: Auf der Internetseite von Boniscan24 kann man ein Abo abschließen, um seinen persönlichen Schufascore zu checken und zu verbessern. Angeblich könne man durch eine bessere Bonität hunderte Euro bei Krediten sparen.
Heiko Reuter und seine Anwältin Margarete Pulver-Dubas
Der Herner soll dort Abos abgeschlossen haben. "Ich habe mich online über mögliche Kreditgesellschaften informiert", erklärt Reuter. Einen Vertrag abgeschlossen habe er aber nicht. "Ich weiß gar nicht, wann das passiert sein soll." Es gibt keinen Vertrag, keine Rechnungen und keine Mahnschreiben, die die Firmen bisher vorlegen konnten. Nur die Briefe von Culpa Inkasso. Trotzdem soll er rund 250 Euro zahlen.
Falsche Inkasso-Schreiben: Fälle häufen sich
Reuter hat sich Hilfe bei Rechtsanwältin Margarete Pulver-Dubas aus Essen gesucht. Sie kennt weitere Betroffene: "Es sind sehr viele Anfragen und es werden immer mehr", sagt die Rechtsanwältin. Das Muster ist immer gleich: Es sind ähnlich klingende Firmen mit ähnlichen Dienstleistungen. Die meisten sitzen in Großbritannien.
Offensichtlich handelt es sich um eine aktuelle Masche. Auch mehrere andere Anwaltskanzleien im Ruhrgebiet bestätigen dem WDR, dass sie dieses Vorgehen kennen.
Verbraucherzentrale warnt vor möglichem Betrug
Auch bei den Verbraucherzentralen im Ruhrgebiet häufen sich die Beschwerden über Culpa Inkasso. Monika Wagner von der Verbraucherzentrale Essen warnt vor dem Vorgehen der Firma und betont, dass es sich dabei um Betrug handeln könnte. Auch sie kennt einige dieser Fälle.
Man müsse bei einem Vertragabschluss im Internet immer schauen, ob alle Informationen vorlägen, "dass wenn ich jetzt hier klicke, ich auch wirklich einen Vertragsabschluss eingehe", so die Expertin. Auch die Belehrung über das Widerrufsrecht muss deutlich sein. Das sei bei dieser Masche oft nicht der Fall.
Am Wichtigsten sei es, nicht zu bezahlen, sondern solche Zahlungsaufforderungen erst zu überprüfen. Sonst ist das Geld weg: "Bei der heutigen Schnelligkeit der Überweisungen kommen Sie nicht mehr hinterher, diese aufzuhalten", erklärt Björn Schwarz von der Sparkasse Essen. Sobald das Geld gutgeschrieben ist, kann es nur noch mit Einwilligung des Empfängers zurückgebucht werden. "Bei Betrügern wird diese Zustimmung wahrscheinlich nicht erfolgen."
Culpa Inkasso antwortet nicht auf Anfrage
Weder Culpa Inkasso mit Sitz in Stuttgart, noch die beiden Firmen "Boniscan LLC" und "Scoreprofi LLC" antworten auf die Anfragen des WDR. Es gibt also auch weiterhin weder Rechnungen noch Verträge, die eingesehen werden können.
Monika Wagner von der Verbraucherzentrale ermutigt, immer gegen diese Zahlungsforderungen vorzugehen. Die Erfolgschancen seien "sehr groß."
Markt vom 25.03.2026
Markt. 25.03.2026. 44:32 Min.. UT. DGS. Verfügbar bis 25.03.2028. WDR.
Unsere Quellen:
- Interview mit Betroffenem Heiko Reuter und weiteren Betroffenen
- Interview mit Rechtsanwältin Margarete Pulver-Dubas
- Interview mit Monika Wagner, Verbraucherzentrale Essen
- Interview mit Björn Schwarz, Filialleiter Sparkasse Essen Innenstadt
- Gespräche mit weiteren Anwaltskanzleien in Essen, Mülheim und Oberhausen
- Einsicht der Unterlagen
- Internetseiten von Culpa Incasso, Scoreprofi24 und Boniscan24
- Anfragen bei Culpa Inkasso, Scoreprofi LLC und Boniscan LLC
Sendung: WDR.de, Verbraucherzentrale warnt vor Inkasso-Schreiben, 28.05.2026, 05:03 Uhr
Sendung: WDR.de, Verbraucherzentrale warnt vor illegalen Kontoabbuchungen, 28.05.2026, 19:07 Uhr
Erstveröffentlichung am 22.05.2026
