Das Landgericht in Essen
Jugendhaft nach brutalem Überfall auf Obdachlosen in Essen
Stand:
Nach einem brutalen Überfall auf einen Obdachlosen in Essen ist der Haupttäter zu drei Jahren und sechs Monaten Jugendhaft verurteilt worden. Der 17-Jährige hatte im Januar 2024 auf den Mann eingetreten und ihn schwer verletzt. Die zwei Mitangeklagten haben vergleichsweise milde Strafen bekommen.
Nachts um 4 Uhr standen plötzlich drei Jugendliche um den schlafenden 61-Jährigen herum, in einer versteckten Parkplatzecke hinter einem Supermarkt. Der Mann lag dort im Januar 2024 auf einer Matratze - er wurde wach, doch ein Entkommen war für ihn nicht möglich. Der Obdachlose war schon damals auf einen Rollstuhl angewiesen.
Opfer lag mit gebrochenem Halswirbel im Koma
Dann griff der damals 16-jährige Haupttäter an, völlig grundlos, so beschrieb es das Gericht am Freitag. Er trat so heftig gegen den Kopf des Mannes, dass ein Halswirbel brach. Monatelang lag das Opfer danach im Krankenhaus. Der Hals musste fixiert werden. Der Mann kann ihn heute kaum noch bewegen.
Die beiden Mitangeklagten waren dabei, haben aber laut Urteil selber nicht zugeschlagen. Nach dem Gewaltausbruch ließen sie den Schwerverletzten liegen. Ein Bekannter fand den Mann später und alarmierte den Rettungsdienst. Erst im Krankenhaus bemerkten die Ärzte, wie schlimm es um das Opfer stand. Der 61-Jährige kam auf die Intensivstation, zeitweise lag er im Koma, monatelang war er nicht vernehmungsfähig.
Festnahme im Oktober 2024 nach Hinweisen aus der Bevölkerung
Die Essener Polizei bildete eine Mordkommission, doch die Suche nach den Tätern blieb lange erfolglos. Im August, ein halbes Jahr später, wandte sich die Polizei dann mit einem Phantombild des Hauptverdächtigen und einem erneuten Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit.
Und tatsächlich gab es Hinweise, möglicherweise aus dem Umfeld der Verdächtigen. Sie führten im vergangenen Oktober zur Festnahme des Hauptangeklagten, er sitzt seitdem in Haft. Beim Prozessstart im April dieses Jahres legte der Haupttäter ein Geständnis ab.
Vergleichsweise milde Strafen für Mitangeklagte
Die beiden anderen Jugendlichen, 17 und 18 Jahre alt, sind auf freiem Fuß. Ihre Strafen fielen milde aus. Einer muss an das Opfer 800 Euro Schmerzensgeld zahlen und außerdem 60 Sozialstunden ableisten. Bei dem anderen fand das Gericht 30 Sozialstunden ausreichend.
Unsere Quellen:
- Landgericht Essen
- Reporter vor Ort
Über dieses Thema berichten wir am 16.05.2025 auch im Radio auf WDR2.