Essener Rechercheteam deckt auf: Vatikan vertuscht Sexualdelikte

03:57 Min. Verfügbar bis 02.04.2028

Essener Rechercheteam deckt auf: Vatikan vertuscht Sexualdelikte

Stand:

Das Essener Rechercheteam "Correctiv" hat weltweit Akten und Beweise gesammelt. Die neue Doku „Akten des Missbrauchs“ liefert Belege für systematisches Vertuschen durch Rom. Das macht Betroffenen Hoffnung.

Von Carmen Krafft

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Wilfried Fesselmann (57 Jahre) steht in blauem Anzug und Sneakern zwischen den vielen Leuten, die am Dienstag zum "Astra"-Kino am Essener Hauptbahnhof zur Filmpremiere kommen.

Das Interesse an der Doku "Akten des Missbrauchs" passt zum Gefühl des Betroffenen: Es passiert etwas in Sachen Aufklärung von Sexualdelikten durch Priester.

Reporter sammelten weltweit Belege

Zwei Männer lesen ein Buch

Marcus Bensmann (re.) und Davide Jabes recherchierten Vertuschungen des Vatikans

Nicht die Kirche selbst klärt auf, sondern das Essener Rechercheteam "Correctiv". Rund um die Welt sammelten Reporter Hinweise für die umfassende Verantwortung des Vatikans.

"Rom schwebte nicht über allen Dingen, sondern war die Spitze und Teil des Missbrauchs-Systems", fasst Film-Autor Marcus Bensmann zusammen.

"Ich habe den Papst verklagt."

"Ich habe den Papst schon 2011 vor dem Gerichtshof in Den Haag verklagt" so Wilfried Fesselmann. Papst Benedikt XVI. hatte zu seiner Zeit als Kardinal Josef Ratzinger im Vatikan (1977 - 2005) nämlich den strafrechtlich verurteilten Serientäter Priester H. gedeckt. Fesselmann war als Kind selbst Opfer von H.

Eine Seite eines Schreibens aus einem aufgeschlagenen Buch

Ein Schreiben Kardinal Ratzingers erlaubt den weiteren Einsatz eines pädophilen Priesters.

Der Film erzählt wie Reporter weltweit Akten sammeln , die solche systematischen Vertuschungen belegen. Tausendfach soll das passiert sein. Der Vatikan hatte sich nämlich mit den betroffenen Bistümern per Brief ausgetauscht.

Doku: Es gab die Anweisung, Akten zu vernichten

"Rom gab klare Anweisungen, solchen Schriftverkehr anschließend zu verbrennen", berichtet der italienische Historiker Davide Jabes. Er hat als Wissenschaftler Zugang zu älteren Akten im Vatikan. Viele seien aber verschwunden, wie Archivnummern belegen.

Schmerzengeld-Klagen mit mehr Aussicht auf Erfolg

"Bei solchem systemtischen Verbrechen kann von Verjährung des Missbrauchs kaum mehr die Rede sein", so der Essener Rechtsanwalt Christian Roßmüller. Er vertritt viele Betroffene im Zivilverfahren.

Auch Gerichte müssten Belege der Doku "Akten des Missbrauchs" für die Verantwortung des Vatikans zur Kenntnis nehmen. "Damit steigen die Chancen, dass unsere Klagen auf Schmerzensgeld Erfolg haben."

Unsere Quellen:


  • Reporteam "Correctiv"
  • Gespräch mit Wilfried Fesselmann
  • Historiker Davide Jabes

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 01.04.2026, 19:30 Uhr

Kommentare zum Thema

11 Kommentare

  • 11 M.Korn 22.04.2026, 09:35 Uhr

    Es gab 10 Kommentare, seit der Überarbeitung des Internetauftritts des WDR sind sie (aktuell jedenfalls) verschwunden.

    Antworten (2)
    • WDR.de 22.04.2026, 14:11 Uhr

      Danke für den Hinweis! Das Problem ist uns bekannt und wir arbeiten dran schnellstmöglich eine Lösung zu finden.

    • WDR.de 22.04.2026, 14:12 Uhr

      Danke für den Hinweis! Das Problem ist uns bekannt und wir arbeiten bereits an einer Lösung.

  • 10 Carla 04.04.2026, 08:55 Uhr

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  • 9 Franziska 1 03.04.2026, 22:33 Uhr

    Ich habe die Doku gelesen "Akten des Missbrauchs" im Internet. Dafür habe ich meine E- Mailadresse geopfert, was ich sonst bei unbekannte Webseiten nicht mache. Mich erstaunte sehr, wie der Chcristliche Vatikan mit gemeldeten Missbrauch umging, vielleicht noch umgeht. "Finger an den Mund gelegt und "Psst"! Was sollen Christen noch glauben, was erzählt wird von Rom? Mir fällt es schwer, hochgeachteten Würdenträgern ein Vertrauen zu schenken, nachdem ich mich tiefer in das Missbrauch -Geschehen rein kniete.

  • 8 Franziska 1 03.04.2026, 19:50 Uhr

    Das große Medienhaus"Correctiv" mit ihren Recherchen über die Missbräuche finde ich akzeptabel. Auch wie lange schon die Vorwürfe zurück liegen. Da geht es nicht nur um Klagen für Schmerzengeld, es geht auch darum das Recht der Demokratie für die Betroffen zu erhalten. Sexualdelikte gab es früher, in Zeiten von früheren Kardinal R. der einen Serientäter gedeckt hatte. Das Vatikan -Personal, würde evtl. auch weiter Fälle decken ohne tiefgreifende Reporter. Rom konnte bei Missbrauch- Fälle eine unverantwortliche Nebelbank aufbauen, die wird jetzt Stück für Stück für Zivilverfahren hoffentlich lichter werden.

  • 7 Paul S. 03.04.2026, 17:55 Uhr

    Das Thema ist ein Missbrauch-Fass ohne Boden, der Deckel wird weiter schwer darauf liegen bleiben im Vatikan.

  • 6 Nachweise bitte ! 02.04.2026, 19:12 Uhr

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  • 5 Horst Wede 02.04.2026, 17:39 Uhr

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  • 4 Frank 02.04.2026, 16:12 Uhr

    Wenn das das Rechercheteam ist, das 2024 das „Potsdamer Treffen“ veröffentlicht hat, wäre ich sehr vorsichtig. Dort getroffene Feststellungen sind bereits von mehreren Gerichten untersagt worden.

    Antworten (1)
    • Anonym 02.04.2026, 19:23 Uhr

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  • 3 Angelika Tröster 02.04.2026, 15:19 Uhr

    Ich finde es wichtig das solche Dokumentationen im öffentlich rechtlichen Fernsehen gezeigt werden. Und würde darum bitten, die nicht nur inder lokalzeit Ruhr zeigen sondern auch in den anderen.... Hoffentlich finde ich das in der Mediathek. Es gibt eine so dringend benötigte Hoffnung auf Gerechtigkeit für alle Opfer...

  • 2 Benny Host 02.04.2026, 15:13 Uhr

    Das Rechercheteam " Correctiv " - finanziert u.a. durch den deutschen Steuerzahler und geleitet von einem ehemaligen Taz Journalisten ist für mich so glaubwürdig wie die Nachrichtensendung aus Nordkorea. Hier geht es mal wieder darum,,das Andenken hochgeachteter Katholischer Würdenträger, in diesem Fall sogar den längst verstorbenen Papst Benedikt, mit Schmutz zu besudeln und das Ganze mit ach so seriös daherkommenden Zeugen und einem empörten Rechtsanwalt ( der wahrscheinlich schon das dicke Honorar vor Augen hat ) zu untermauern. In Wirklichkeit geht es den Beteiligten nur ums liebe Geld und es ist anscheinend sehr einfach irgentwelche Behauptungen in die Welt zu setzen da der Beschuldigte ja schon lange tot ist. Und man als Nebeneffekt auch noch die ach so böse katholische Kirche in Verruf bringen kann. Es wird höchste Zeit , daß dieser vom Steuerzahler finanzierte Sumpf der NGOS endlich ausgetrocknet wird!

    Antworten (2)
    • Anonym 02.04.2026, 20:02 Uhr

      Wenn etwas riecht wie Sch..., aussieht wie Sch...und sich anfühlt wie Sch...., dann ist es in aller Regel auch Sch...!

    • walt joaquin 03.04.2026, 13:49 Uhr

      Sie leben mit Ihrer Seele in Nordkorea. Übergriffige Feudalherrchen dürfen nicht kritisiert werden, fummeln sie an Knaben/Mädchen oder penetrieren diese gar? So funktionierte das jahrzehntelang auch im Bistum Paderborn, wie kürzlich öffentlich besprochen: die Kinderschänder stillschweigend in Gemeinden des Sauerlandes versetzen, wo die Wagenburgmentalität noch so ausgeprägt war/ist, damit sie dort weitermachen konnten und können. Schämen Sie sich für Ihre Menschenverachtung - Sie reden wie die Moskauer Staatsanwaltschaft zu Jaques Tilly.

  • 1 M. Korn 02.04.2026, 14:37 Uhr

    Bisher kaum Kommentare, was mich erstaunt. Aber zugleich verständlich, denn was soll sich in Gegenwart und zukünftig ändern in einer römisch-katholischen Kirche, die geradezu monarchisch verfasst ist? Ja, Verfehlungen gab es auch anderswo, aber gerade der von unseren Landsleuten oft hoch geschätzte Papst Benedikt XVI hatte es 'in sich'. Neben der gewiss exzellenten Theologiefähigkeit ist vor allem sein Drang, das Priestertum (und zwar jenes der Kleriker Roms und dessen Bischöfe) zu schützen, zu stärken, in Stein zu meißeln. Dabei verwittert auf lange Sicht irgendwann die schönste Inschrift. Eine Reform wäre vermutlich sinnvoller gewesen. Römische Kirche und Staat - da begegnen sich zwei Welten. Und der Synodale Weg in Deutschland bzw. Prozess weltweit ist kein überzeugender Erfolg. Wer sich distanzieren möchte, mag eine Kirchenstruktur vorziehen, in denen Geistliche und Laien gemeinsam und gleichberechtigt über die Geschicke der Ortskirche beraten und entscheiden, bischöflich-synodal.

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