Der Feuerwerksunfall auf der Düsseldorfer Rheinkirmes ist vermutlich durch einen Rohrkrepierer ausgelöst worden. Zu dieser Einschätzung kommt jetzt die Düsseldorfer Bezirksregierung und ihr Leiter des technischen Arbeitsschutzes, Torsten Wolf:
"Es sieht wohl so aus, dass offensichtlich eine Kugelbombe schon in dem Abschussrohr zerknallt ist. Und dann die Fehlstellung der anderen Rohre ausgelöst hat, die dann in die nicht vorgesehenen Richtungen geschossen haben. Warum das Ganze so passiert ist, ist noch Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen, weil da noch Untersuchungen anstehen. Und die müssen wir natürlich auch abwarten."
Wird es in Zukunft noch einer Feuerwerk geben?
Die Entscheidung darüber, ob es in Zukunft noch ein Feuerwerk auf der Düsseldorfer Rheinkirmes geben soll, soll in einigen Wochen fallen. Das hat Andreas-Paul Stieber gesagt, Chef des Kirmes-Veranstalters. Wenn das Feuerwerk abgeschafft würde, gäbe es auf der Rheinkirmes bald nur noch Drohnenshows. Kurz vor dem Unglück und auch in der Vorwoche wurde auf der Düsseldorfer Rheinkirmes eine solche Show aufgeführt.
Die Entscheidung über die Zukunft des Feuerwerks dürfe nicht im Affekt getroffen werden und hänge davon ab, was sich als Ursache für den Unfall beim Feuerwerk herausstelle, so Stieber. Seine persönliche Tendenz: Unter dem Eindruck des schlimmen Ereignisses am Freitag könne er sich nicht vorstellen, dass es auf der Rheinkirmes noch einmal ein Feuerwerk geben werde.
Ich persönlich haben einen Dauerfilm im Kopf, der mich auch sehr schlecht schlafen lässt. Andreas-Paul Stieber, Chef des Kirmes-Veranstalters
Abschussrohre werden im Labor untersucht
Wie die Feuerwehr am Samstagnachmittag mitteilte, sind unter den 19 Verletzten vier Schwerverletzte. Es sei aber keiner mehr in Lebensgefahr. Ein vierjähriges Kind ist schwer verletzt. Insgesamt wurden demnach drei Kinder verletzt.
Fehlgeleitete Feuerwerksraketen: Verletzte bei Rheinkirmes - Update | Kurzvideo
00:53 Min.. Verfügbar bis 20.07.2027.
Seit Freitagabend haben die Ermittler auf dem Kirmesgelände umfangreich Spuren gesichert, Drohnenbilder der Unglücksstelle wurden aufgenommen, Abschussrohre für die Feuerwerksraketen sichergestellt und in das Landeskriminalamt gebracht. Dort werden sie jetzt labortechnisch untersucht.
Polizei geht von Unglück aus
Die Polizei geht nach aktuellem Ermittlungsstand auch davon aus, dass es sich um ein Unglück gehandelt hat und nicht um eine vorsätzliche Tat.
Polizeioberrat Jannik Möller, erklärte, sicher sagen könne er, dass sich zum Zeitpunkt des Unglücks keine Menschen unbefugt im Abbrennbereich des Feuerwerks befunden hätten. Ob das Feuerwerk von der Firma eigenständig gestoppt worden sei, sei noch offen. Gesichert ist laut Möller, dass nicht das komplette Material wie geplant gezündet worden sei.
Bezirksregierung hat Feuerwerk genehmigt
Genehmigt habe das Feuerwerk nicht er als Veranstalter, sondern letztendlich die Bezirksregierung Düsseldorf, sagt Andreas-Paul Stieber: "Die finale Instanz, bevor wir den Knopf drücken lassen, zum Start jedes Feuerwerks oder jeder Drohnenshow, ist die Bezirksregierung." Diese würde vorher vom Veranstalter des Feuerwerks über den Aufbau der Abschussanlage informiert und müsse diesem dann zustimmen. Das sei im Fall des Feuerwerks am Freitagabend passiert.
Von der Bezirksregierung heißt es gegenüber dem WDR, dass der Abbrennplatz des Feuerwerks am Freitag im Vorfeld begangen worden sei und der Aufbau auch am Veranstaltungstag ohne Beanstandungen kontrolliert worden sei. Auch während des Feuerwerks selbst sei ein Mitarbeiter des entsprechenden Sachgebiets vor Ort gewesen, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. Die Prüfung am Freitagabend habe ergeben, dass das Feuerwerk wie angezeigt aufgebaut wurde und ein ausreichender Schutzabstand vorhanden war. Die Bezirksregierung gehe nach derzeitiger Einschätzung von einem "bedauerlichen Unfall infolge einer ungeplanten Fehlzündung während des laufenden Feuerwerks" aus.
Andacht auf dem Festplatz in Düsseldorf
Auf dem Festplatz gab es am Samstagnachmittag eine Andacht. Stadtdechant Frank Heidkamp sprach dabei auch die Hilflosigkeit an, die viele Menschen nach dem Unglück verspüren.
Menschen an Seele und Leib verletzt - was können wir tun? Ich denke, erst einmal Anteil nehmen, so wie wir das jetzt machen. Stadtdechant Frank Heidkamp
Das Leben gehe zwar weiter, sagte Heidkamp. Aber es gehe anders weiter. Und da sei es wichtig, dass man den Verletzten nahe stehe - etwa durch einen Besuch, wenn man sie kenne.
Feuerwerk auf Rheinkirmes: Besucher erleiden Brandverletzungen
Während des Feuerwerks am Freitagabend war eine der Raketen auf Höhe einer Rheinbrücke dicht über den Köpfen der Zuschauer explodiert. Nach Angaben der Feuerwehr erlitten die Betroffenen vor allem Brandverletzungen, viele müssen weiterhin im Krankenhaus versorgt werden.
Kirmes am Freitag vorzeitig beendet - Samstag normal geöffnet
Die Kirmes wurde zunächst fortgesetzt, um eine Panik zu vermeiden. Der Veranstalter beendete das Fest dann aber am Freitag vorzeitig. Eigentlich hätte die Kirmes bis in die frühen Morgenstunden geöffnet bleiben sollen. Die Räumung sei "reibungslos" abgelaufen, sagte Stieber auf der Pressekonferenz am Sonntag. Die Kirmes endet nach wie vor Sonntagnacht, am Samstagmittag wurde sie wieder regulär geöffnet.
Feuerwehr und Rettungsdienst waren am Freitagabend mit rund 80 Einsatzkräften vor Ort. Der Einsatz dauerte rund zwei Stunden. Laut einem Sprecher der Feuerwehr konnten die Menschen innerhalb einer Stunde medizinisch versorgt und abtransportiert werden. Nicht alle Verletzten seien in Kliniken gebracht worden.
Augenzeuge: "Raketen flogen erstaunlich tief"
Mehrere Augenzeugen berichteten, dass Feuerwerkskörper zu tief am Boden explodiert seien. Ein Augenzeuge sagte dem WDR: "Ich war auf der Kirmes und habe das Feuerwerk beobachtet. Einige Raketen flogen erstaunlich tief und sind auch tief explodiert. Ich habe mich gewundert, ob das nicht zu nah an den Menschen ist."
Wir saßen hinten auf der Wiese und haben gesehen: So fünf Meter Höhe, zwei, drei Explosionen, einfach quer, ist wahrscheinlich nicht hoch genug geflogen. Ein weiterer Augenzeuge
Sind öffentliche Feuerwerke sicher genug?
Viele fragen sich nach dem Unglück auf der Düsseldorfer Rheinkirmes, wie sicher öffentliche Feuerwerke sind. Martin Weber vom Verband der Feuerwehren NRW betont im WDR, die Auflagen seien hoch. Die Veranstalter oder die Durchführenden seien Fachleute mit entsprechender Zertifizierung. An der Rheinschiene von Nordrhein-Westfalen bis nach Rheinland-Pfalz sehe man quasi jedes Wochenende Höhenfeuerwerke und in den letzten Jahren sei es zu keinen Unfällen gekommen.
Auch der Interessenverband der Pyroindustrie verweist auf die vielfältigen Sicherheitsvorkehrungen bei Großfeuerwerken. Dazu zählten bestimmte Schutzabstände, Gefährdungsbeurteilungen und Begehungen des Abbrennplatzes. "Bei einem Großfeuerwerk - vor allem wie zur Rheinkirmes - sind natürlich auch die unterschiedlichsten Behörden im Vorfeld involviert, um die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten", betonte Geschäftsführer Klaus Gotzen.
Reaktionen aus der Politik
Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller sagte in einem Online-Video, man sei immer noch sehr bestürzt. Es sei ein "schwarzer Tag in der Geschichte der größten Kirmes am Rhein". Keller dankte außerdem allen Einsatzkräften. Mit Blick auf die Andacht am Samstagnachmittag sagte der CDU-Politiker, das Gebet könne Halt, Kraft und Zuversicht vermitteln.
Auch die SPD Düsseldorf und ihr Oberbürgermeisterkandidat Fabian Zachel zeigten sich betroffen über das Unglück auf der Rheinkirmes. "Was ein festlicher Höhepunkt des Abends werden sollte, wurde zu einem Moment des Schreckens. Das bedrückt uns sehr", erklärt Fabian Zachel in einer aktuellen Pressemitteilung.
Mehr Besucher, weniger Körperverletzungen
Abseits des Unglücks beim Feuerwerk verlief die Rheinkirmes in diesem Jahr friedlicher als sonst. Es habe sowohl weniger Körperverletzungen als auch Diebstähle gegeben, so die Polizei. Der Rettungsdienst hatte laut Feuerwehr hingegen mehr zu tun als sonst, was am sommerlichen Wetter gelegen haben könnte. Insgesamt wurden in diesem Jahr mehr als vier Millionen Besucher gezählt. Im vergangenen Jahr seien es noch etwa 3,9 Millionen gewesen, so der Veranstalter.
Unsere Quellen:
- Presse-Statements von Polizei und Feuerwehr Düsseldorf
- Stadtdechant Frank Heidkamp
- Mehrere Augenzeugen
- Beobachtungen von WDR-Reporter vor Ort
- Nachrichtenagentur dpa
- Bericht der Rheinischen Post
- Äußerungen von OB Keller (CDU) und OB-Kandidat Zachel (SPD)
- WDR-Interview mit Verband der Feuerwehren
- Kirmes-Veranstalter
- Pressekonferenz zum Abschluss der Rheinkirmes am Sonntagmittag
Kommentare zum Thema
In meinen Augen sind Feuerwerke heutzutage nicht mehr zeitgemäß. Auch bei uns in Kaiserslautern findet zweimal im Jahr eine Kirmes statt, jeweils mit Feuerwerk am ersten sowie letzten Veranstaltungstag. Neben dem Umwelt- und Tierschutzaspekt (bei uns wird das Feuerwerk von einem Hügel mitten im Wald gezündet) kann man das Geld auch aus ökonomischer Sicht anderweitig und vor allen Dingen sinnvoller verwenden.
"Keiner unterstellt den Eltern direkte Schuld an den verletzten Kindern." Also ich finde dass man einige Kommentare inkl. Ihrem durchaus so interpretieren kann. Welchen Zweck sollten diese Kommentare denn sonst haben? Es ist doch völlig unerheblich wer oder wie alt die Verletzten sind. Entscheidend ist dass die Ursache für den Unfall gefunden wird und für die nächsten Feuerwerke evtl. weitere Sicherungsmassnahmen ergriffen werden können.
Upps, das sollte eigentlich unter den Beitrag von Arliwe, 21.07.2025 16:45 Uhr
Wie wäre es denn, einfach auf diese unsinnigen und unnötigen Feuerwerke zu verzichten?
Tragischer Unfall! Mehr nicht! Man überlege wieviel Kirmes-,Oktoberfestopfer es gab. Wieviele Todesopfer wegen Karneval! Und last but not least " unsere Weihnachtsmärkte!☝️ Dann gehören die alle verboten! Achso ich vergaß noch die ganzen Toten bei Flugzeugabstürze!☝️ Flüge gehören dann auch verboten! Was ist mit Autofahren?🤷♂️ Denkt mal drüber nach🤦♂️