Stadt Düsseldorf kritisiert Fortuna in offenem Brief

WDR 00:29 Min. Verfügbar bis 21.05.2028

Nach dem Abstieg Stadt Düsseldorf kritisiert Fortuna in offenem Brief

Stand:

Was läuft falsch bei der Fortuna? Düsseldorfs Stadtdirektor Burkhard Hintzsche hinterfragt die Strukturen des Klubs.

Mit dem offenen Brief, den die Stadttochter D.Sports am Mittwochabend veröffentlichte, will Hintzsche ausdrücklich "keine Schuldigen benennen" oder "öffentlich an den Pranger stellen", sondern eine aus seiner Sicht "notwendige Diskussion" anstoßen.

Die Enttäuschung und der Unmut nach dem aus Sicht vieler in der Stadt vermeidbaren Abstieg in die dritte Liga am vergangenen Wochenende ist spürbar. Auch weil zum Saisonstart der damalige Sportvorstand Klaus Allofs noch offensiv den Aufstieg als Ziel formuliert hatte.

Hintzsche: "Wie konnte es überhaupt so weit kommen?"

Ein lächelnder Mann mit weißem Hemd und dunkler Jacke vor einer Fensterfront

Düsseldorfs Stadtdirektor Burkhard Hintzsche kritisiert die Vereinsarbeit

Hintzsche geht es in seinem offenen Brief um ganz grundsätzliche Punkte: "Warum gelingt anderen Vereinen offenbar deutlich besser, was in Düsseldorf misslingt?" Er führt kleinere Vereine wie Heidenheim oder Elversberg an, die es mit weniger Unterstützung geschafft hätten, aufzusteigen oder sich in der Bundesliga zu halten.

"Warum kann Fortuna Düsseldorf seine Möglichkeiten seit Jahren nicht in nachhaltigen sportlichen Erfolg ummünzen?", fragt Hintzsche klar. Der Verein sei mit einem der größten Etats in die Zweitliga-Saison gestartet. Die Vereinsführung klage seit langem über schlechte Bedingungen, "trotz erheblicher wirtschaftlicher und infrastruktureller Unterstützung von städtischer Seite, wie sie sich vielleicht manch ein Bundesligist auch wünschen würde."

Struktur als eingetragener Verein noch zeitgemäß?

Die Arena in Düsseldorf-Stockum.

Das Heimstadion der Fortuna in Düsseldorf-Stockum

Hintzsche stellt auch die Strukturfrage, da der Profifußball heute längst nach den "Mechanismen großer Wirtschaftsunternehmen funktioniere". Die Fortuna ist bis heute ein eingetragener Verein, was inzwischen eher die Ausnahme sei.

Viele Konkurrenten hätten ihre Profiabteilungen längst in Kapitalgesellschaften ausgegliedert, argumentiert der sozialdemokratische Stadtdirektor: "Das vereinfacht die Etablierung von professionelleren Rahmenbedingungen sowie klareren Entscheidungsprozessen und erleichtert darüber hinaus Möglichkeiten für Investoren."

"Warum kann Fortuna Düsseldorf seine Möglichkeiten seit Jahren nicht in nachhaltigen sportlichen Erfolg ummünzen?" Burkhard Hintzsche, Düsseldorfs Stadtdirektor

Hintzsche: Ein "Weiter so" keine Option für die Zukunft

Hintzsche sieht auch die Vereinsführung im Fokus: "Braucht es mehr Expertise?" Er fragt auch, warum dem sich nun abzeichnenden großen wirtschaftlichen Schaden für den Klub nicht früher entgegengetreten wurde: "Wieso also ist an entscheidenden Stellen durch niemanden interveniert worden?" Der sportliche Abstieg sei mehr als eine Zäsur, so Hintzsche, er müsse ein Weckruf sein.

Die Fortuna muss in der neuen Saison unter anderem mit rund 90 Prozent weniger Fernseheinnahmen auskommen, ein Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. Außerdem droht mindestens der Hälfte der Mitarbeitenden die Kündigung. Nur etwa eine Handvoll Spieler haben derzeit einen Vertrag für die dritte Liga.

Fortuna-Chef: Hintzsche stellt richtige Fragen

Die Vereinsspitze reagierte wohlwollend auf den offenen Brief. "Burkhard Hintzsche ist ein profunder Kenner des Düsseldorfer Sports und Fan der Fortuna. Viele der Fragen, die er anspricht, sind richtig und wichtig", so Vorstandschef Alexander Jobst, "wir müssen jetzt alles auf den Prüfstand stellen und Antworten definieren. Das machen wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern und Partnern. Dazu zählen insbesondere auch die Stadt und Burkhard Hintzsche."

Sven Mislintat

Fortuna-Sportvorstand Sven Mislintat

Der Vorstand hatte in den vergangenen Tagen bereits Defizite und eigene Verantwortung eingeräumt: "Wie wollen wir eine Fehlerkultur etablieren? Wie wollen wir respektvoll miteinander umgehen? All diese Themen müssen wir schärfen, weil wir sonst nicht da stünden, wo wir stehen", erklärte Sportvorstand Sven Mislintat.

Er will weiter an Bord bleiben: "Ich stehe dafür gerade, dass wir die Leistung, die Kultur und unsere Strategie verbessern." Auch Vorstandschef Alexander Jobst hatte erklärt, den Verein weiter führen und wieder nach oben bringen zu wollen.

Geteiltes Echo auf offenen Brief

In den sozialen Medien stößt der offene Brief des Stadtdirektors bisher auf gemischte Reaktionen. Während die einen die klaren Worte und Punkte loben, bemängeln andere eine fehlende Selbstkritik der Stadt und werfen ihr zu wenig Engagement für den Verein vor.

Nach dem Abstieg hatte die Stadt über die Veranstaltungstochter D.Live erklärt, dass die Miete für die Arena für den Verein in der kommenden Saison halbiert wird. "Fortuna Düsseldorf ist mehr als ein Fußballverein", betont Burkhard Hintzsche zum Abschluss, "er ist ein emotionaler, identitätsstiftender Teil der Stadt." Die Diskussion, wie es mit dem Verein weitergeht, hat gerade erst begonnen.

Fortuna-Abstieg: Stadt kritisiert Klub in offenem Brief

WDR 21.05.2026 00:42 Min. Verfügbar bis 20.05.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

Sendung: WDR2 Rhein/Ruhr, Fortuna-Abstieg: Stadt hinterfragt Vereinsstrukturen, 21.05.2026, 11.31 Uhr

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