Söldner wegen vers. Entführung vor Gericht | WDR Aktuell

00:26 Min. Verfügbar bis 15.07.2027

Polizei in Herne vereitelt zufällig Entführung: Prozess startet

Stand:

Am Abend des 26. Oktober hatte die Polizei auf dem Parkplatz eines Krankenhauses in Herne eher zufällig eine geplante Entführung im Drogenmilieu vereitelt. Am Dienstag beginnt in Düsseldorf der Prozess gegen zwei Männer.

Von Martin Höke

Den 29 und 37 Jahre alten Angeklagten aus Lettland werden vor dem Landgericht Düsseldorf Verabredung zum erpresserischen Menschenraub, Verstöße gegen das Waffengesetz und Geldwäsche vorgeworfen.

Die Männer gehören laut Anklage der Profi-Söldnergruppe eines Ex-Fremdenlegionärs an. Dieser soll Mitte August 2024 von einem Dritten den Auftrag erhalten haben, "mit seiner Gruppe nach Deutschland zu reisen, um eine Person namens "M" ausfindig zu machen, zu entführen und an den Auftraggeber zu übergeben."

Wie in der heutigen Verhandlung bekannt wurde, hat der ältere der Beiden bereits im Ermittlungsverfahren ausgepackt und  umfassende Angaben gemacht, betonte sein Verteidiger: "Mein Mandant hat über 140 Stunden ausgesagt."

Tonnenweise gestohlene Drogen als Anlass

Hintergrund des Entführungsauftrags war den Ermittlungen zufolge eine gestohlene Drogenladung. In der Anklage ist von fünf bis sieben Tonnen Tonnen Marihuana die Rede, die der gesuchte Mann gestohlen habe sollte. Die Söldner sollten die Drogen wiederbeschaffen und den Dieb aufspüren.

Im Raum Oberhausen wurde die hochgerüstete und mit modernster Technik ausgestattete Truppe fündig. Dort stießen die Söldner auf eine Lagerhalle, in der die Drogen sein sollten. Sie fanden auch den mutmaßlichen Drogendieb. Der soll laut Staatsanwalt einer albanischen Drogenbande angehören und "sitzt derzeit wegen einer anderen Drogensache in Spanien in Auslieferungshaft."

Polizei in Herne vereitelt zufällig Entführung: Prozess startet

WDR Studios NRW 15.07.2025 00:44 Min. Verfügbar bis 15.07.2027 WDR Online

Wagen fiel zufällig Polizeistreife auf

Dessen Auto stand am Abend des 26. Oktober auf dem Parkplatz Wanner Markt am Sankt Anna Hospital in Herne. Bei der Rückkehr des Mannes wollten die Söldner zuschlagen und ihn entführen. Das Pech der Truppe und reiner Zufall: Die auf dem Parkplatz im Auto wartenden Angeklagten fielen einer Funkstreife auf.

Die Polizisten kontrollierten den Wagen und entdeckten im Ablagefach der Beifahrertür das Muntions-Magazin für eine Waffe.

17.000 Euro für eine Entführung

Die beiden 29- und 37-Jährigen sollen für den Job vorab zusammen 17.000 Euro kassiert haben. Zwischen 200 und 1.000 Euro sollen ihnen pro Tag bezahlt worden sein. Bisher haben sich die Angeklagten nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die Anklage stützt sich neben den umfassenden Angaben des 37-jährigen Angeklagten auch auf die Auswertung der bei den beiden sichergestellten Mobiltelefone. Anhand der Chatverläufe stießen die Ermittler auf den Nachrichtenverkehr der Söldnertruppe. Die abfragten Flugdaten zeigten, wann und wo die Angeklagten nach Deutschland eingereist waren.

Den Ermittlungen zufolge soll der Jüngere der beiden erst am 20. August angeworben worden und nur drei Tage später mit dem 37-Jährigen nach Deutschland geflogen sein.

Unsere Quellen:

  • Landgericht Düsseldorf
  • Staatsanwaltschaft Düsseldorf

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