Prozessauftakt "Rich Kids": Erster Prozesstag
WDR. 02:30 Min.. Verfügbar bis 29.05.2028.
Drogenbande "Rich Kids" : So lief der erste Prozesstag in Düsseldorf
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Vor mehr als einem Jahr schlugen deutsche und spanische Fahnder zeitgleich unter anderem in Andalusien, den Niederlanden und dem Rheinland zu: Sie nahmen zahlreiche Verdächtige fest, beschlagnahmten 200.000 Euro Bargeld, Waffen, Drogen, Luxusautos, Immobilien und Handys.
Es ist kein Fall wie jeder andere, denn das Täterprofil ist völlig unüblich. Die meisten sind zwischen 25 und Anfang 30, stammen aus dem Rheinland und aus gutbürgerlichen bis wohlhabenden Elternhäusern. Von 21 ist die Zahl der Beschuldigten mittlerweile auf 39 angestiegen.
Im ersten Prozess am Landgericht Düsseldorf wird sechs Männern die Bildung einer kriminellen Vereinigung und bandenmäßigen Handelstreiben mit Betäubungsmitteln vorgeworfen. Sie sollen unter anderem eine Tonne Kokain und vier Tonnen Marihuana eingeschmuggelt haben.
So lief der erste Prozesstag in Düsseldorf
Offenes Hemd und Sakko. Strahlendes Lächeln. So präsentieren sich zwei der sechs Angeklagten im Gerichtssaal. Als habe ihnen die 14-monatige Untersuchungshaft nicht das Geringste ausgemacht.
Wie haftgewohnte Schwerkriminelle sehen sie nicht aus. 13 Anwälte und ihre sechs Mandanten füllen die linke Seite des Gerichtssaals. Hinter den Kulissen des ersten Prozesstages in Düsseldorf stehen die Zeichen auf Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten.
Um ein möglicherweise jahrelanges teures Verfahren abzukürzen, könnte es Geständnisse gegen mildere Strafen geben. Die aber auch im Bereich von mindestens zehn Jahren liegen würden.
Drogenring mit offenbar mindestens 40 Beteiligten
Die sechs jetzt Beschuldigten sollen den Drogenring mit mindestens 40 Beteiligten geführt haben. Drei junge Beschuldigte gelten als die Köpfe. Einer der Angeklagten soll die Kontakte geknüpft haben. Zwei weitere waren laut Ermittlungen für das Grobe zuständig. Sie sind auch die einzigen beiden in dem ungewöhnlichen Drogenring, die bereits Vorstrafen haben.
Ungewöhnliches Täterprofil: Selbst der Strafverteidiger ist überrascht
Vor einem Jahr informierten die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und die Bonner Polizei zum ersten Mal über die Ermittlungen. Kripo-Chef Klaus Zimmermann sagte damals über die mutmaßlichen Täter, so gut wie keiner sei zuvor strafrechtlich bekannt gewesen.
Der erfahrene Strafverteidiger Marc Piel aus Bonn, der einen der Angeklagten vertritt, war ebenso erstaunt.
"Die Beschuldigten stammen aus der gesellschaftlichen Mitte, manche sogar aus schwerreichen Familien." Marc Piel, Strafverteidiger
Polizei knackt Kryptohandys der mutmaßlichen Drogenbande
Was die Beschuldigten offenbar nicht wussten: Ihre Kryptohandys waren von den Ermittlern längst geknackt. Die Polizei hörte bei den Deals mit. Über eine eigene App führten die mutmaßlichen Täter zudem penibel Buch über Ein- und Verkäufe, Einnahmen und Ausgaben sowie über die beauftragten Kuriere.
Als die Handschellen klickten, fielen sie aus allen Wolken. Drogenhandel, obwohl man es von Haus aus vielleicht gar nicht nötig hat? Der Prozess könnte Antworten geben.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Düsseldorf
- Ermittlungsakten
- Landgericht Düsseldorf
- Strafverteidiger Marc Piel
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 29.05.2026, 19:30 Uhr