ImmoScout: Wird Vertrauen zur Falle?

Echt? 12.12.2025 29:12 Min. UT Verfügbar bis 12.12.2027 WDR

Aufgepasst bei der Wohnungssuche: Betrugsmaschen auf dem Wohnungsmarkt

Stand:

Viele Menschen suchen verzweifelt nach Wohnungen. Leichte Beute für Kriminelle? Eine WDR-Recherche zeigt ihre Methoden.

Von Nándor Hulverscheidt, Manuel Paas und Dorothee Werkman

Wie viele Menschen in Deutschland sucht Martin aus Berlin eine neue Wohnung. Er nutzt das Plus-Abo bei Immoscout und wird tatsächlich zu einer Besichtigung bei einer tollen Wohnung eingeladen, die gerade noch bezahlbar ist. Martin heißt eigentlich anders - denn er schämt sich für die Geschichte, die jetzt folgt.

Am Ende der Besichtigung sagt man ihm: Wenn Martin noch auf der Stelle die erste Miete plus Kaution überweise, könne er die Wohnung sofort haben. Mehr als 4.000 Euro schickt er auf das Konto des Mannes, der ihm ja immerhin gerade persönlich die Wohnung aufgeschlossen und gezeigt hatte.

Doch der vermeintliche Glückstreffer war in Wahrheit gar nicht auf dem Markt. Denn Martin entdeckt in der Wohnung Unterlagen der echten Besitzer und ruft sie an. Diese sind im Urlaub und hatten die Wohnung nur untervermietet. Sein Geld? Ist erst mal futsch.

Immoscout lehnt Mitverantwortung ab

Immoscout Fake Anzeige

In einer Stellungnahme zu Martins Fall erklärt Immoscout, man sei als Plattform nicht für eigenständige Handlungen von Nutzern und Anbietern verantwortlich, zumal wenn diese wie hier außerhalb des Services erfolgen würden.

Der Fall zeige die Grenzen digitaler Schutzmechanismen, weil eine reale Person an der angegebenen Adresse der Wohnung präsent war und sich mit ihrem echten Namen ausgab.

Ähnliche Fälle von tatsächlichen oder versuchtem Wohnungsbetrug registrierte das Landeskriminalamt in Berlin im vergangenen Jahr rund 900 mal. Die meisten davon entfallen auf Kleinanzeigen, ein kleinerer Teil auf Immoscout.

Doch Recherchen des WDR zeigen: Auch auf der marktführenden Plattform finden sich verdächtige Inserate mit teils haarsträubenden Auffälligkeiten.

Gleiche Bilder für Wohnungen an unterschiedlichen Orten

In einer Stichprobe von mehreren Tausend Anzeigen auf Immoscout fanden Datenjournalisten des WDR beispielsweise mehrere Fälle, in denen Wohnungen aus unterschiedlichen Städten mit exakt den gleichen Fotos beworben wurden. Für Wohnungssuchende, die meist nur Treffer in einer bestimmten Stadt anschauen, kaum zu erkennen.

Eine weitere Masche: Fantasievolle Angaben zur Lage und Anbindung der Wohnung. In einer Anzeige, die nach Meldung durch den WDR von Immoscout deaktiviert wurde, hieß es unter anderem: "Die öffentliche Verkehrsanbindung ist ausgezeichnet, mit Buslinien wie der 123 ins Stadtzentrum und der 456 zur S-Bahn-Station."

Nicht überraschend: Weder Linie 123 noch 456 gab es tatsächlich in dieser Stadt. Wenn Immoscout selbst auf solche verdächtige Inserate aufmerksam wird, dann werden Nutzer per E-Mail gewarnt, dass sie wachsam sein und niemals vorab Geld überweisen oder Bankdaten angeben sollen.

Manche Fakes lassen sich schnell entlarven

Solche Falschinformationen in Texten können mit etwas Ortskenntnis oder einer Internetrecherche entlarvt werden. Was kaum Zeit kostet: Die Pflichtangaben zur Wohnungsgröße und Zimmeranzahl mit dem Beschreibungstext vergleichen.

Genau lesen lohnt sich. Denn einige Betrüger nutzen offensichtlich KI und vergessen dabei, im Prompt alle Daten der Wohnung anzugeben. Dann steht im Text etwa "Wohnfläche und Zimmeranzahl sind nicht spezifiziert", obwohl die Angaben an anderer Stelle in der Anzeige genannt werden.

Außerdem zeigen die Bilder verdächtiger Anzeigen oft viel größere Räume, als bei den angegeben Quadratmetern möglich sein sollte. Solche Beispiele für mutmaßlich betrügerische Anzeigen hat das Rechercheteam des WDR Immoscout zur Prüfung vorgelegt.

Die Antwort der Plattform: "Die übermittelten Inhalte wurden bereits deaktiviert, zum Teil auch aufgrund von Nutzermeldungen. Wir haben alle Fälle intern geprüft und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Betroffene Nutzer wurden bei bestätigten Betrugsfällen informiert und gewarnt."

Ermittlungen nach erfolgreichem Betrug sind schwierig

Laut Angaben von Immoscout wird jedes neu eingestellte Inserat vor Veröffentlichung geprüft. Die Plattform setzt dabei sowohl automatische Methoden wie auch menschliche Prüfer ein. Eine Verantwortung für die inserierten Inhalte schließt Immoscout in seinen Geschäftsbedingungen aber explizit aus.

Für die Polizei sind erfolgreiche Betrüger schwer zu verfolgen, weil die Täter teils aus dem Ausland agieren und Geld schnell zum Beispiel in Kryptowährungen weiterleiten. Wohnungssuchende sollten daher vor allem bei vermeintlichen Glückstreffern wachsam sein.

Unsere Quellen:

  • Gespräche mit Betroffenen wie Martin aus Berlin [Name von der Redaktion geändert]
  • WDR-Untersuchung einer Stichprobe mehrerer Tausend Immoscout-Inserate aus dem Herbst 2025
  • Angaben in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Immoscout
  • Stellungnahme von Immoscout auf Anfrage des WDR

Sendung: WDR-Mediathek, "ImmoScout - Wird Vertrauen zur Falle?", 12.12.2025, 11.16 Uhr

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