Rechtsextreme greifen Dortmunder Kneipe "Hirsch-Q" an

Lokalzeit aus Dortmund 02.06.2025 03:17 Min. Verfügbar bis 02.06.2027 WDR

Rechtsextreme greifen Dortmunder Kneipe "Hirsch-Q" an

Stand:

Nach einem Angriff auf die Dortmunder Kneipe "Hirsch-Q", hat die Polizei vier Menschen aus dem rechtsextremen Milieu festgenommen. Außerdem wertet sie jetzt Videomaterial des Vorfalls aus. Einer der Rechten hatte ein Video aus der Nähe des Tatorts in sozialen Netzwerken gepostet.

Ein Augenzeuge schilderte dem WDR, was in der Nacht von Freitag auf Samstag an der alternativen Kneipe "Hirsch-Q" passiert ist: Eine Gruppe von 15 bis 20 Personen aus dem rechten Spektrum hatte sich der Kneipe in der Dortmunder Innenstadt genähert. Die Gäste suchten daraufhin in der Kneipe Schutz.

Gleichzeitig hätten die Rechtsextremen mit Bierbänken und einem Teleskopschlagstock auf die Scheiben der Tür eingeschlagen, so der Augenzeuge. Dann seien sie weitergezogen. Laut Polizei wurde der Eingangsbereich der Kneipe "erheblich beschädigt". Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand, auch weil die Scheiben aus Sicherheitsglas bestanden.

Polizei stellt Schlagstock sicher

Die Polizei nahm in der Nähe vier tatverdächtige Rechtsextremisten fest. Bei den Tatverdächtigen konnten die Beamten einen Teleskopschlagstock, Mobiltelefone, sowie "szenetypisches Propagandamaterial" sicherstellen. Bei den Festgenommenen handelte es sich um einen 26-jährigen Dortmunder, einen 23-jährigen Essener, sowie zwei 17-Jährige aus Essen und Wuppertal. Weitere Tatverdächtige seien geflüchtet. Die Tatverdächtigen sind der Polizei als Zugehörige der rechten Szene bekannt, so ein Polizeisprecher.

Die Neonazigruppe auf einem Gruppenfoto, gepostet auf Social Media.

Dieses Foto postete Nico W. auf Instagram.

Bei einem von ihnen soll es sich nach WDR-Informationen um Nico W. handeln. W. hatte auf Instagram ein Video gepostet, dass ihn und eine Gruppe in der Nähe der "Hirsch-Q" zeigt. Versehen mit der Aufschrift: "Dortmund bleibt DEUTSCH." Zuvor hatte er ein Foto von sich und weiteren Personen geteilt und dieses als "Kampfsportgruppe W." bezeichnet.

Anti-Nazi-Bündnis warnt vor aktuellen Entwicklungen

Nico W. war zuletzt auf zahlreichen rechten Demonstrationen, etwa in Dortmund im April oder im Mai in Herford, wo er einen Pressevertreter schubste. Und: Er scheint offenbar junge Neonazis um sich zu sammeln. Iris Bernert-Leushacke (Die Linke) vom Anti-Nazi-Bündnis BlockaDO warnt: "Wer bewaffnet mit Teleskopschlagstöcken durch die Gegend läuft, ist gewaltbereit und will auch Gewalt ausüben."

Ein Aufkleber auf einer Wand: "No Nazis"

Ein Aufkleber gegen "Nazis"

Bernert-Leushacke erinnert der Vorfall auch an die Zeiten der Neonazi-Kameradschaft "Nationaler Widerstand Dortmund", die um 2010 herum für etliche Gewalttaten verantwortlich war. Nachdem es um die Szene ruhiger war, häuften sich zuletzt rechtsextreme Vorfälle. Man müsse auch den Verantwortlichen für den Angriff auf die "Hirsch-Q" "ganz genau auf die Finger schauen", so Bernert-Leushacke.

Videomaterial aus Überwachungskameras wird ausgewertet

Auch die Polizei hat diese Entwicklungen im Blick. Sie wertet jetzt Videomaterial aus, um weitere Tatverdächtige zu ermitteln. Die Brückstraße in der Nähe der Hirsch-Q wird von der Polizei mit Kameras überwacht. Die "SoKo Rechts" der Dortmunder Polizei hat die Ermittlungen übernommen.

Kneipe immer wieder Ziel von Angriffen

Die Dortmunder Kneipe "Hirsch-Q" war immer wieder Ziel von rechtsextremen Angriffen. Einer der schwersten ereignete sich 2010, als Rechte versuchten, in die Kneipe einzudringen und dabei unter anderem einen Gast durch Messerstiche verletzten.

Rechtsextreme greifen Dortmunder Kneipe "Hirsch-Q" an

WDR Studios NRW 31.05.2025 00:38 Min. Verfügbar bis 30.05.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Informationen der Polizei Dortmund
  • Gespräch mit einem Augenzeugen
  • Gespräch mit Iris Bernert-Leushacke
  • Gespräche mit der "Hirsch-Q"
  • Instagram-Profil von Nico W.

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