Kinder kämpfen für ihre Rechte
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 02.06.2028.
"Freut mich, dass ihr alle da seid zu unserer vorletzten Sitzung", sagt Emre Durgunsu. "Das macht schon etwas mir."
Beim vorletzten Treffen des Kinder- und Jugendrats (KiJuRat) im Bielefelder Rathaus schwingt auch ein wenig Wehmut mit. Zwei Jahre sind die jungen Menschen - damals noch zwischen 12 und 19 - als Gruppe zusammengewachsen, haben diskutiert, für ihre Themen gekämpft und gemeinsam Ideen erarbeitet.
Auf dem Instagram-Kanal des KiJuRats gibt es viel zu sehen.
Jetzt geht für die meisten diese besondere Zeit zu Ende. Viele sind mittlerweile zu alt oder treten nicht erneut an. Einige lassen sich aber auch wieder aufstellen.
Was macht der Kinder- und Jugendrat?
"Wir sind einfach Jugendliche, die probieren sich in die Politik einzumischen, um das, was uns nicht gefällt, zu ändern." Nala Burmeister
Nala Burmeister ist eine der jüngsten Mitglieder des KiJuRats. Die mittlerweile 14-Jährige hatte keine Vorerfahrungen. "Die Zeit war spannend, weil ich am Anfang zwölf war und hier mit 18- bis 20-Jährigen zusammengearbeitet habe", sagt sie. "Das war anfangs schon erschreckend." Sie wurde aber gut aufgenommen und konnte sich für ihre Themen einsetzen.
Der KiJuRat ist im Jugendhilfe- sowie im Schul- und Sportausschuss vertreten. Die Jugendlichen haben ihr eigenes Budget und konnten damit Projekte und Veranstaltungen finanzieren.
Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen
Claudia Meise und Jannes Bökmann haben die Kinder auf ihrer Reise begleitet. "Am Anfang musste der KiJuRat erstmal bekannter und sichtbar werden", sagt Meise. "Das haben die Kinder aber geschafft."
Wir haben uns ein Netzwerk aufgebaut und gezeigt, dass wir auch in der Politik Kreativität, unsere Meinungen und Ideen einbringen können, weil ohne unsere jüngere Generation kann man ja nichts aufbauen.“ Emre Durgunsu
Nala Burmeister und Emre Durgunsu im Rathaus.
Emre Durgunsu ist Vorsitzender des Rats. "Das Wichtigste für mich ist Persönlichkeitsentwicklung", sagt er. "Wir sind alle unterschiedlich, und jeder von uns hat sich entwickelt." Der 21-Jährige hat sein Abitur gemacht und studiert jetzt Soziologie. Zur nächsten Wahl tritt er nicht mehr an - denn er ist zu alt.
Wie echte Politiker
Auch Nala Burmeister lässt sich nicht noch einmal aufstellen, da sie es zeitlich nicht schafft. Trotzdem blickt sie auf ihre Zeit im KiJuRat positiv zurück.
"Ich habe mal die Bürgermeisterin im Rathaus getroffen", erzählt die 14-Jährige. "Dass man sich hier einfach wie ein Politiker verhält und selber Sachen mitbestimmen darf, hätte ich nie gedacht. Das finde ich auf jeden Fall krass.“
Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung
"Besonders stark haben sich die Kinder gegen Rassismus und Diskriminierung eingesetzt", sagt Claudia Meise. "Sie waren auf Demos und haben eigene Projekte auf die Beine gestellt."
Emre Durgunsu durfte auf einer der Demos eine Rede halten. "Da habe ich vor 1.000 Bielefeldern gesprochen und die haben mir zugehört", erinnert er sich. "Das war für mich eine Ehre - auch zu sehen, dass wir wahrgenommen werden."
Wahlen zum nächsten Kinder- und Jugendrat
Ab dem 15. Juni können alle Kinder zwischen 12 und 19 in Bielefeld den neuen KiJuRat wählen. "Sie bekommen Post vom Jugendamt", erklärt Claudia Meise. "Da erschrecken sich viele erstmal, aber das sind die Wahlunterlagen mit den persönlichen Codes." Die Wahl selbst findet online statt.
Alle Menschen in Bielefeld zwischen 12 und 19 dürfen wählen.
48 Kandidaten und Kandidatinnen stehen zur Wahl. Davon etwa eine Handvoll zur Wiederwahl. Die erste Sitzung soll dann im September stattfinden.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der Reporterin vor Ort
- Gespräche mit Claudia Meise
- Gespräche mit Mitgliedern des KiJuRats
Sendung: WDR.de, Zwei Jahre Kinder- und Jugendrat Bielefeld, 01.06.2026, 05:00 Uhr
