Kippflügel bei Kanadagänsen – wie falsches Füttern Vögel am Boden hält
Lokalzeit OWL. 08.10.2025. 02:30 Min.. Verfügbar bis 08.10.2027. WDR. Von Edith Stecker.
Kippflügel bei Kanadagänsen – wie falsches Füttern Vögel am Boden hält
Stand:
Am Bielefelder Obersee häufen sich Fälle von fehlgebildeten Wasservögeln, auch die Wasserqualität leidet. Dabei soll das „gut gemeinte Füttern“ die Ursache sein.
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Jetzt mitdiskutierenNur noch die Federkiele sind zu sehen, die Flügel sind von der falschen Haltung abgewezt. "Kippflügelsyndrom" heisst diese Fehlentwicklung, bei der die äußeren Handschwingen nach außen kippen. "Das müssten hier die letzten verbliebenen Kanandagänse sein, die nicht mitfliegen konnten", beschreibt NABU-Experte Dr. Jürgen Albrecht die Situation der verbliebenen Kanadagänse am Obersee in Bielefeld. MIt den Kippflügeln bleiben die Tiere legenslang flugunfähig und ortsgebunden.
"Viele Tiere werden mit Brot und Backwaren angelockt – das ist gut gemeint, aber problematisch für die Gesundheit der Wildvögel." Dr. Jürgen Albrecht, NABU Bielefeld
Warum Füttern mit Brot das Risiko erhöht
Fachleute sehen dafür vor allem Ursachen in der Aufzuchtphase: energiereiches, unausgewogenes Futter und genetische Faktoren werden diskutiert. Brot liefert viel Energie und kaum Mikronährstoffe. Bei Jungvögeln können Federn zu schnell wachsen, während Gelenke und Muskulatur nicht mithalten – der Flügel „kippt“. Infektiös ist das nicht, es handelt sich um eine Entwicklungsstörung.
Kippflügel beim Wildvögeln ein Städtisches Problem
Kanadagänse mit Kippflügeln
Beobachtungen und Fachliteratur zeigen, dass Kippflügel gehäuft dort auftreten, wo Wasservögel regelmäßig gefüttert werden – vor allem in städtischen Parks. Die Stadt Bielefeld hat am Obersee ein Fütterungsverbot erlassen. Es gilt als Ordnungswidrigkeit, wildlebende Tiere dort zu füttern. Das Verbot soll Tiere und Natur schützen und die Nährstofflast im Gewässer begrenzen. Entsprechende Hinweisschilder stehen am Ufer.
Blaualgen: Wenn auch der See zu viele Nährstoffe abbekommt
Der zweite Blick fällt aufs Wasser. Blaualgen profitieren von Wärme und Nährstoffüberschuss. Einige Arten bilden Toxine, die bei Hautkontakt oder Verschlucken Beschwerden auslösen können. Das Ausmaß schwankt je nach Wetter und Wind und nimmt im Herbst meist ab.
Füttern verschärft das Problem indirekt: Wo viele Menschen füttern, versammeln sich überdurchschnittlich viele Vögel. Ihr Kot enthält Phosphor und Stickstoff – wichtige „Treibstoffe“ für Algen. Studien beziffern die Beiträge je nach Gewässer und Vogelzahl teils hoch: In Einzelfällen stammen bis zu 70–75 % der jährlichen Phosphorlast von Wasservögeln. Zusätzlich sinken Futterreste zu Boden und werden zu weiterem Nährstoffnachschub.
Was hilft jetzt am See
Nicht füttern, Abstand halten, Hunde anleinen und Warnhinweise am Wasser beachten. So sinkt der Druck auf die Gänse und der See bekommt weniger Nährstoffe ab. Für Kinder und Tierfreunde gilt: Beobachten ja – Brottüte zu. Kommunale und Naturschutzstellen empfehlen das bundesweit ähnlich.
Unsere Quellen:
- Reporterin vor Ort
- NABU Bielefeld
- Umweltamt Bielefeld
5 Kommentare
Kommentar 5: Björn schreibt am 10.10.2025, 10:02 Uhr :
Ich haben vor 35 Jahren auch häufig mit meinen Eltern am Ententeich die Enten mit Brot gefüttert. Das war damals nichts seltenes. Aber von Kippflügeln hat da keiner geredet. Ich bin mir nicht sicher, ob die Antwort so einfach ist. Das wäre doch schon viel früher aufgefallen. Bestimmt ist der Mensch auf irgendeine Art und Weise verantwortlich aber ob das wirklich am Brot liegt fällt mir schwer zu glauben. Vielleicht sollte man auch andere Ursachen wie Umweltgifte die durch die Industrie verursacht werden nicht von vornherein ausschließen.
Antwort von Brigitta S. , geschrieben am 10.10.2025, 11:33 Uhr :
@Björn Sie sagen: „Bestimmt ist der Mensch auf irgendeine Art und Weise verantwortlich aber ob das wirklich am Brot liegt fällt mir schwer zu glauben“. Bei Enten ist es so, werden sie mit Brot überfüttert was die Enten nicht wegfressen, dann entsteht eine Belastung beim Gewässer was die vermehrten Schimmelpilze die Gesundheit der Tiere gefährden. Ist es mehr ein Karpfenteich, die Karpfen fressen gerne Toastbrot was sie auch vertragen, nicht gut altes hartes Krustenbrot. Von Mai bis September füttern, nicht länger sonst frieren sie im Eis ein, wenn sie hoch schwimmen. Um Vögel am Wasser zu füttern, sollte man schon wissen, was kann man füttern was nicht. Früher hatte man alles den Tieren hingeworfen was teils an Reste von der Küche kam. Wichtig wäre für Fütterung von Vögel sich mal Ornis- Bücher anschauen, dann füttert man richtig und schafft keine Probleme für Vögel, Enten und Gewässer. (Hatte Mal einen Karpfenteich, konnte auch darin baden ohne schwimmende matschige Brotreste.
Kommentar 4: Brigitta S. schreibt am 09.10.2025, 17:02 Uhr :
Der Mensch will Klima und Tiere schützen, dabei macht er die Tiere krank. Altbacken ist die Menschheit noch mit ihrer Fütterung -Einstellungs-Gewohnheit. Vögel mit Handicap ist kein schönes Leben für sie, was der Mensch verursacht und meint er tut was Gutes.
Kommentar 3: Paul S. schreibt am 09.10.2025, 16:46 Uhr :
WDR. Die Titel - Aussage"falsches Füttern", sollte besser geändert werden. Bei einem Verbot nicht zu füttern ist "Falsches füttern" nicht passend.
Kommentar 2: Franziska 1 schreibt am 09.10.2025, 14:12 Uhr :
Eltern sagen zum Kind: Heut gehen wir Vögel am Wasser füttern und drücken dem Kind eine Tüte mit alte Backwaren, in die Hand. Da hört der Spaß auf Tier liebend zu sein, wenn sie trotz Verbot füttern. Es wird soviel unsinnig gefüttert, ja, die Vögel leiden darunter. Der Mensch will nicht verstehen und schädigt diese Vögel in der Natur. Wer für Klimaschutz ist muss auch die Tiere, die Vögel mit einschließen da geht kein anderer Weg daran vorbei. Es ist traurig, dass immer mehr Verbote kommen müssen für die Menschen in einer Zeit, wo so viel Aufklärung gemacht wird, im TV, Medien und Digital. Wer sich mehr bildet, der weiß auch mehr Bescheid. Möge der Geistesblitz Mal über gedanklose Menschen kommen. Vögel haben keinen Hausarzt, keine Apotheke und Therapeuten, sie aber leiden, weil sich Menschen falsch egoistisch zum Spaß verhalten.
Kommentar 1: Jupp schreibt am 09.10.2025, 13:17 Uhr :
Wieso "falsches Füttern"? "Gar nicht füttern" sollte es heißen, damit erübrigen sich alle weiteren Ausführungen!!!