VR-Revolution am Bielefelder Landgericht
WDR. 01:30 Min.. Verfügbar bis 29.04.2028.
Virtual Reality in der Justiz : VR-Revolution am Bielefelder Landgericht
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Es wird sicher ein komischer Moment, wenn bald zum ersten Mal am Bielefelder Landgericht eine VR-Brille in einem Prozess zum Einsatz kommt. Die Bilder, die sie liefert, könnte die Arbeit der Richter aber revolutionieren.
Es ist eine frei verkäufliche Virtual-Reality-Brille, die Richter Markus Seip aufsetzt. Ihr Einsatz ist aber alles andere als gewöhnlich. Bald soll genau diese Brille ein weiterer Baustein sein, um ein Urteil zu bilden. Bis jetzt wurden nur normale Foto- und Videoaufnahmen als Beweismaterial eingesetzt.
Pionierprojekt mit Strahlkraft
Diese Virtual-Reality-Brille soll die Beweislage in Prozessen erweitern.
Das Landgericht Bielefeld übernimmt damit eine Vorreiterrolle als eines der ersten Gerichte, dass diese Technik nutzt. Die Brillen sollen ab sofort bei Verkehrsunfällen und Bausachen zum Einsatz kommen. Wenn das gut funktioniert, könnte es auch weitere Einsatzmöglichkeiten geben.
"Natürlich macht das mit der Brille Spaß." Dr. Markus Seip, Richter am Landgericht Bielefeld
Von einer Spielerei möchte Richter Markus Seip aber nicht sprechen. Und wenn man sich einen Beispielfall anschaut, wird auch klar, warum nicht. Die Bilder, die die VR-Brille liefert, können wirklich über Schuld und Unschuld entscheiden.
Warum übersieht die Kehrmaschine das rote Auto?
In einem Beispiel, dass den Interessierten gezeigt wird, geht es um einen Verkehrsunfall. Der Fahrer einer Kehrmaschine übersieht ein Auto und es kommt zum Unfall.
Die VR-Brille zeigt in diesem Fall die Sicht des Kehrmaschinenfahrers. Und es wird deutlich: Der Außenspiegel verdeckt die Sicht auf das Auto. In der Theorie ein Detail. Vor Gericht kann das aber enorme Auswirkungen haben.
Mit Übelkeit zum Urteil
Nur eine handvoll Richter wird die VR-Brille in Bielefeld erstmal testen. Bei besonders schnellen Aufnahmen, oder wenn man seinen Kopf dreht, kann einem auch ein wenig übel werden, erklärt Richter Seip. Für ihn überwiegt der Nutzen im Prozess aber ganz klar die Bauchschmerzen. Er freut sich darauf, wenn einer seiner Fälle bald schon durch den Einsatz der Brille bereichert wird.
Unsere Quellen:
- Interview mit Richter Markus Seip
- Landgericht Bielefeld
- Selbsttest der VR-Brille durch den Reporter vor Ort
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 29.04.2026, 15:30 Uhr
