Virtuelle Tatorte: Unternehmen aus Beverungen revolutioniert Forensik

Lokalzeit OWL 18.07.2025 03:15 Min. Verfügbar bis 18.07.2027 WDR Von Edith Stecker

Virtuelle Tatorte: Unternehmen aus Beverungen revolutioniert Forensik

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Von außen wirkt das Bürogebäude von Nusec XR in Beverungen unscheinbar. Innen aber betritt man eine ganz andere Welt – buchstäblich. Denn hier wird Kriminalgeschichte geschrieben. Nusec XR ist die einzige Firma in Deutschland, die Virtual Reality in der Kriminaltechnologie professionell entwickelt.

Professor Dr. Dirk Labudde setzt sich die VR-Brille auf – und steht plötzlich in einem Auto, genauer gesagt: einem Fiat Panda. Auf dem Fahrersitz liegt eine erschossene Frau. Kein Spiel, sondern ein echter Kriminalfall aus Köln.

Der Forensiker läuft virtuell um das Auto herum, sieht sich jeden Winkel an. War jemand auf der Rückbank? Kam der Schuss von außen? Was wäre, wenn der Täter von der Beifahrerseite kam? Szenarien, Perspektiven, Hypothesen – die virtuelle Umgebung macht all das sichtbar.

Pionierarbeit aus der Provinz

Die Technik, die das ermöglicht, kommt aus Beverungen. Nusec XR war ursprünglich im Rückbau von Kernkraftwerken tätig. Für Schulungszwecke entwickelten sie VR-Modelle, um gefährliche Anlagen virtuell begehbar zu machen. Die Technik ist aber jetzt weiter.

Eines Tages hatte ein Kollege das Buch von Professor Labudde zur digitalen Forensik gelesen – da wurde uns klar: Unsere Technik passt perfekt. Fernando Norpoth, Geschäftsführer von Nusec XR

Ein Anruf genügte – der Kontakt zum renommierten Forensiker aus Mittweida war schnell hergestellt. Dort, an der Hochschule, hatte Labudde den deutschlandweit ersten Studiengang für digitale Forensik aufgebaut. Sein Ziel: Wissenschaft und moderne Technik so zu verbinden, dass Kriminalfälle besser rekonstruiert werden können.

Auch das LKA Bayern arbeitet gemeinsam mit Hochschulen mit dieser Technik. Sie seien aber nicht so weit wir Nusec XR.

Vom Atomkraftwerk zum Gerichtssaal

Seitdem arbeiten Nusec XR und Labudde gemeinsam an virtuellen Tatorten. Der erste Prototyp wurde bereits auf einem internationalen Kongress von Rechtsmedizinern vorgestellt – mit durchweg positiver Resonanz.

Die Simulation soll Gerichten helfen, Tatorte aus Sicht von Opfer, Täter oder Zeugen besser zu verstehen. Aktuell ist die Technik noch nicht im Einsatz, aber Prof. Dr. Dirk Labudde ist überzeugt: "In spätestens sechs Monaten sehen wir die erste VR-Rekonstruktion im Gerichtssaal."

Für die Justiz könnte das ein Meilenstein sein. Und für Beverungen der Beweis, dass Innovation auch abseits großer Städte entstehen kann.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Nusec XR
  • Hochschule Mittweida
  • Institut für Kriminologie Köln

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