Wie in Wuppertal Notfallpflege neu gedacht wird
06.05.2026. 03:14 Min.. Verfügbar bis 06.05.2028. WDR.
Pflege zuhause : Wie in Wuppertal Notfallpflege neu gedacht wird
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Was mache ich, wenn mir etwas passiert und ich mich ganz plötzlich nicht mehr um meinen Mann, meine Mutter oder mein behindertes Kind kümmern kann? Ein neues Pilotprojekt im Wuppertaler Norden könnte die Lösung sein. Bei Angelika und Peter Heuer hat sich das Team schon mal vorgestellt.
Angelika Heuer pflegt ihren 79-jährigen Mann: "Ich habe Angst davor, dass ich ausfallen könnte, wer kümmert sich dann um meinen Mann?"
Sorgen, die sie sich jetzt an ihrem Wohnort in Wuppertal-Katernberg nicht mehr machen muss. Denn dort springt jetzt ein Team aus Pflegern und ehrenamtlichen Helfern da ein, wo Pflegende ausfallen.
Kurzzeitpflege überlastet: Warum Notfälle oft im Krankenhaus landen
"Bislang wurden in solchen Fällen die Pflegebedürftigen mit irgendwelchen Diagnosen gleich mit ins Krankenhaus eingewiesen, weil keiner wusste wohin mit ihnen", erzählt Angelika Hörter vom Landesverband der Alzheimer Gesellschaften.
Angelika Heuer pflegt ihren Mann
Denn spontan einen Kurzzeitpflegeplatz zu bekommen sei inzwischen nahezu unmöglich. Um solche Belastungen zu vermeiden wurde das Projekt ins Leben gerufen. Gefördert vom NRW-Gesundheitsministerium und dem Verband der Pflegekassen.
"Ich kann nachts wieder ruhig schlafen, weil ich weiß: Mein Mann ist gut versorgt, wenn mir etwas zustößt." Angelika Heuer
Feuchter-Stiftung richtet Notfallwohnung mit Pflegeplätzen ein
"Die Menschen sind allein, kein Partner, die Familie weit weggezogen. Kein Kontakt zu den Nachbarn, die sind einfach alleine. Das erschreckt mich absolut. Kein Arzt hat mehr Zeit und Mittel für Hausbesuche", erzählt Angelika Hörter. In der Feuchter-Stiftung steht jetzt eine Notfall- Wohnung mit zwei Pflegeplätzen zur Verfügung.
Ein erster Notfall musste auch schon dort untergebracht werden. Eine Frau hatte sich gemeldet, weil ihre Nachbarin zunehmend verwahrloste. Die Quartiersmanagerin fuhr hin. Die Situation war so schlimm, dass sie die Frau sofort mitnahm. Inzwischen sei die Versorgung der Frau zu Hause sichergestellt.
Viele Ehrenamtliche unterstützen das neue Pflege-Netzwerk
Nach einem Aufruf der Feuchter-Stiftung haben sich viele Freiwillige gemeldet, die gerne helfen wollen. Unter ihnen auch Jutta Freytag. Die ehemalige Krankenschwester ist erleichtert, dass ein erster Schritt getan ist. Sie sei inzwischen auch in einem Alter, wo sie plötzlich auf Hilfe angewiesen sein könnte und die Familie weit weg ist.
Jutta Freytag, ehemalige Krankenschwester
Deshalb will sie helfen. Aber auch viele junge Menschen hätten sich gemeldet, so Angelika Hörter. Denn sie machten sich Gedanken: Um ihre eigene Zukunft oder die ihrer weit entfernt lebenden Eltern.
Wie damals die Gemeindeschwester: Wuppertal als Vorbild für NRW
Früher habe es die Gemeindeschwester gegeben: "Das kenne ich von meiner Oma, die hat sich früher um die Menschen in der Gemeinde gekümmert. Die kannte auch jeder und das sowas fehlt eigentlich", erzählt die frühere Krankenschwester Jutta Freytag.
Sie und ihre Kollegen erlebten täglich wie groß die Einsamkeit der Menschen wäre: Keine Angehörigen, den Kontakt zu den Nachbarn. Und es werden mehr, so die Befürchtung. Deshalb soll das Wuppertal Vorbild für Projekte überall im Land werden.
Unsere Quellen:
- Alzheimer Gesellschaften NRW
- Dr. Heinrich-Feuchter-Stiftung
- Eindrücke der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, "Wie in Wuppertal Notfallpflege neu gedacht wird", 06.05.2026, 6:03 Uhr