Wie Farben unser Verhalten und unsere Gesundheit prägen

03:18 Min. Verfügbar bis 26.05.2028

Farben lenken unser Handeln Wuppertaler Professor über Macht der Farben

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Ob Kleidung, Klinik oder Klassenzimmer: Farben wirken tief. Axel Buether erforscht sie an der Bergischen Uni und wie sie Persönlichkeit spiegeln und Räume verändern.

Von Inke Köster

Farben steuern unser Leben - leise, aber stetig. Axel Buether von der Bergischen Universität zählt zu den weitweit führenden Farbforschern. Seine zentrale These: Farben sind das größte Kommunikationssystem der Natur. Sie wirken stärker, als wir ahnen.

Farben als unsichtbare Signale

Farbforscher Axel Buether

Farbforscher Axel Buether

Farben sind mehr als optische Reize. "Unser Gehirn verarbeitet zu 60 Prozent Farbinformationen", sagt Buether. In der Natur helfen sie, das Richtige zu tun: Farben warnen vor Gefahr, zeigen Reife oder kündigen Wetter an. Diese Signale wirken im Hintergrund – und steuern unser Handeln nahezu automatisch. Leuchtet eine Ampel rot auf, übersetzt unser Gehirn: Stopp!

Was Kleidung über uns verrät

Farben spiegeln auch Persönlichkeit wieder, hat Buethers Forschung ergeben. Das heißt, die Farbvorlieben eines Menschen sind nicht zufällig, sondern "die haben etwas mit unserem Charakter zu tun, also unserem angeborenen Temperament, aber auch mit der Frage unserer Herkunft."

Wer offen und gesellig ist, wählt häufig warme, bunte Töne. Zurückhaltende Menschen greifen eher zu gedeckten Farben wie Grau oder Blau. Der Kleiderschrank wird so zum Spiegel von Charakter und Herkunft. Getreu dem Motto: Zeig mir deinen Schrank und ich sag dir, wer du bist.

"Es gibt eine Korrelation zwischen Farbe und Persönlichkeit." Prof. Dr. Axel Buether, Farbforscher

Heilung durch Farbgestaltung

Im Helios Klinikum in Wuppertal hat Buether ein neues Farbkonzept für die Intensivstation erarbeitet. Das sterile Weiß in den Zimmern wurde durch warme Erdtöne ersetzt. In den Mitarbeiterräumen gab es eher "kühlere, so ein bisschen nach Urlaub aussehende Farben."

Krankenzimmer nach dem neuen Farbkonzept

Krankenzimmer in warmen Naturtönen nach dem neuen Farbkonzept

Das Ergebnis: deutlich weniger Medikamente. Zugleich gab es ein Drittel mehr gesundes Personal. "Räume beeinflussen hier direkt das Wohlbefinden," so Buether.

"Wir haben den Verbrauch an Psychopharmaka um über 30 Prozent reduziert." Prof. Dr. Axel Buether, Institut für evidenzbasierte Farbpsychologie

Ruhigere Räume, weniger Stress

Nach diesem Erfolg wurde auch die Notaufnahme des Wuppertaler Helios Klinikums umgestaltet. Auch dort dominieren nun Naturtöne. Sie senken Stress, reduzieren Aggressionen und schaffen Vertrauen, erklärt der Farbforscher. Patienten fühlen sich sicherer, die Atmosphäre entspannt sich – ein entscheidender Vorteil in kritischen Situationen.

Lernen in der richtigen Farbwelt

Eine Förderschule in Mecklenburg Vorpommern ist eines von Buethers aktuellsten Projekten. Schulträger und Pädagogen wünschten sich ein Farbkonzept, das den Schülern optimale Lernbedingungen bietet. Auch dort setzte der Wuppertaler Farbforscher die Farben strategisch ein: Meist anregend in den Lernräumen, stark abgetönt und beruhigend in den Therapieräumen.

Therapeutin mit Kindern im Therapieraum nach dem neuen Farbkonzept

Warme Erdtöne sorgen für eine ruhige, entspannende Atmosphäre im Therapieraum

"Die Wirkungen waren phänomenal. Wir haben in allen Bereichen Verbesserungen gehabt. Man kann besser lernen, man kann besser unterrichten, man kann besser regenerieren in den Pausen.“ Die Umgebung wird zum stillen Mitspieler im Bildungsprozess.

Mehr als Design: Farben als Schlüssel

Für Buether ist Farbgestaltung mehr als Design. "Sie ist Dienst am Menschen." Ob Büro, Schule, Krankenhaus oder Zuhause: Richtig eingesetzte Farben fördern Gesundheit, Motivation und Wohlbefinden. Die Forschung zeigt in Buethers Augen, Farben sind ein unterschätzter Schlüssel für bessere Lebensqualität.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Farbforscher Axel Buether
  • vorherige WDR-Berichterstattung

Sendung: WDR.de, Wie Farben unser Verhalten und unsere Gesundheit prägen, 09.06.2026, 05:01 Uhr

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