Solingen: Zerstören Badetouristen das Wupperwehr?

WDR 02:36 Min. Verfügbar bis 29.05.2028

Anwohner fassungslos Zerstören Badetouristen das Wupperwehr?

Stand:

Anwohner berichten von chaotischen Zuständen: Touristen grillen, lassen ihren Müll liegen und setzen sogar Steine um. Die Nachbarn sorgen sich um das historische Wehr.

Sobald das Wetter schön ist und das Wochenende kommt, wollen viele raus ins Grüne, gerne an die Wupper. Sehr beliebt ist die Stelle rund um den Wipperkotten. Dort gibt es bei schönem Wetter viele vernünftige Menschen, die die Natur und die Erholung genießen wollen.

Aber es gibt auch die Anderen: Sie gehen in der Wupper baden, grillen am Ufer, hinterlassen ihren Müll und Fäkalien. Das ist verboten. Außerdem zerstören sie das historische Wupperwehr, befürchten Anwohner.

Anwohnerin fischt selbst den Müll aus der Wupper

Menschen baden in der Wupperwehr.

Ausflügler am Wipperkotten: Nicht alle achten auf die Natur.

Viola Rodenkirchen wohnt am Wipperkotten. Gleich gegenüber ist das Wupperufer, wo die meisten Ausflügler hinkommen. An Wochenenden mit schönem Wetter ahnt sie, was bevorsteht: Es wird laut. Am nächsten Tag geht sie dann los, um säckeweise den Müll am Ufer zu sammeln.

Besonders leid tun ihr hier im Naturschutzgebiet die Tiere. Einige Badegäste würden sich absolut rücksichtslos verhalten. Sie feiern laut und schreien bis spät in die Nacht, sagt sie. Sie habe sogar schon Vuvuzelas - also besonders laute Tröten - gehört.

Touristen bauen sich Badebuchten aus den Steinen

Nebenan arbeitet Ralf Jahn beim Förderverein Wipperkotten e.V. Er macht sich besonders große Sorgen um des historische Wupperwehr. Der Wipperkotten und das Wehr stehen unter Denkmalschutz. Das Wehr besteht aus festgebauten Steinen im Wasser. Erst vor zwei Jahren wurde es aufwendig und mit tauchenden Arbeitern restauriert. Für 250.000 Euro - öffentliche Gelder. Die Steine des historischen Wehrs haben Badende inzwischen grob umgeräumt. Damit bauten sie sich kleine Badebuchten - mitten in der Wupper.

Tobias Kollig, Pressesprecher der Stadt Solingen.

Stadtsprecher Tobias Kollig sagt: Man müsse mit den Menschen reden.

Sowohl Grillen als auch Baden sind hier am Wipperkotten verboten. Die Stadt Solingen kommt zwar regelmäßig zu Kontrollen vorbei, jedoch nicht rund um die Uhr, sagt Stadtsprecher Tobias Kollig: "Wir müssen auf die Menschen zugehen, mit ihnen reden und erklären, warum der Schutz der Natur und des Wupperwehrs hier so wichtig sind."

Das Problem verschärft sich noch, weil zwei Kommunen zuständig sind: Neben Solingen liegt das andere Wupperufer auf Leichlinger Gebiet. Von der Stadt Leichlingen war am Freitag keine Stellungnahme zum Problem zu bekommen.

Großfamilie kommt mit Grill ans Wupperwehr

Bei den Dreharbeiten beobachtet unsere Reporterin auch eine Großfamilie am Wupperufer. Sie kommt mit mehreren Autos, stellt Stühle, einen Outdoor-Teppich und einen Grill am Ufer ab. Als sie das Kamerateam sehen, packen sie den Grill schnell wieder weg und parken ihre Autos um. Die Kinder gehen am Ufer sofort ins Wasser, trotz Badeverbot.

Eine Familie an der Wupperwehr.

Mit Grill, Stühlen und Teppich: So rückte eine Großfamilie am Wupperwehr an.

Unsere Reporterin trifft zufällig eine weitere Anwohnerin. Diese beschwert sich, dass sie am Pfingstwochenende mit ihrem Auto gar nicht zu ihrem Haus gekommen sei. Alles sei zugeparkt gewesen. Besonders ekelhaft findet sie den Müll, den die Menschen hier hinterlassen.

Wo sind die Verbotsschilder?

Die Anwohnerin vermisst vor allem eindeutige Verbotsschilder. Vor einer gewissen Zeit sei das Schild hier noch gewesen. Sie habe auch Verständnis für Menschen aus der Stadt, die sich erholen wollen, aber eben nicht auf Kosten der Natur und der genervten Anwohner. Besonders groß sei das Problem seit der Corona-Zeit geworden.

Auch für die Großfamilien haben viele hier Verständnis. Bei schönem Wetter wollen sie gemeinsam grillen und feiern. Irgendwo müssten sie ja auch ihre Kinder mal toben und spielen lassen, so der Tenor. Dafür gebe es einfach zu wenig Plätze, an denen sie niemanden stören würden. Die vernünftigen Naherholungsgäste finden es schade, dass manche sich nicht an die Regeln halten. Einige befürchten auch, dass als letzte Konsequenz niemand mehr hier am Wehr verweilen darf.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Stadt Solingen
  • Gespräche mit Anwohnern

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 29.05.2026, 19:30 Uhr

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