Nach Mord an junger Familie: Die Suche nach dem Motiv
Lokalzeit Bergisches Land. 25.07.2025. 01:44 Min.. Verfügbar bis 25.07.2027. WDR. Von Wolfram Lumpe.
Am 19. Tag im Prozess um den Brandanschlag von Solingen, bei dem eine vierköpfige bulgarische Familie ums Leben kam, hat eine frühere Nachbarin des Angeklagten ausgesagt. Demnach hat der 40-Jährige eine weitere Brandstiftung in Wuppertal im Jahr 2022 seiner Freundin gestanden.
Diskutiert wird der Brand in Wuppertal-Oberbarmen im Prozess schon seit Wochen. Ermittlungen laufen, ob auch dieser Daniel S. zugeschrieben werden kann. Seine Lebensgefährtin hatte in dem Haus gewohnt, er selbst soll dort Streit mit einem Nachbarn marokkanischer Herkunft gehabt haben - die Nebenklage sieht darin ein weiteres rassistisches Tatmotiv. Feuerwehr und Polizei hatten das Feuer zunächst als technischen Defekt eingestuft. Ein Sachverständiger machte jetzt allerdings klar, dass im Haus an zwei Stellen Feuer gelegt worden war.
Gestandene Brandstiftung?
Heute dann die Aussage einer 66-jährigen früheren Solinger Nachbarin des Angeklagten. Die berichtete von ihrem Gespräch mit der Lebensgefährtin des Angeklagten. In diesem habe die Freundin erzählt, dass er ihr die Brandlegung in Wuppertal gestanden habe. Auch, so die Nachbarin, habe er seiner Gefährtin zuvor Druck gemacht: "Hol die Sachen, die du noch in der Wohnung hast, da raus." Nach dem Geständnis habe die Lebensgefährtin zu ihm gesagt: "Mach das nie wieder. Bei dem Feuer hätten Menschen sterben können."
Alles ein Missverständnis?
In der Nacht vor dem Prozesstag, so die Nachbarin im Prozess weiter, habe sie einen Brief der Lebensgefährtin vorgefunden. Der liegt jetzt dem Gericht vor, er wurde verlesen. Tenor: Die Nachbarin habe vieles missverstanden, sie, die Lebensgefährtin, habe diese Dinge alle so nicht gesagt. Außerdem sei die Nachbarin bei dem entsprechenden Gespräch betrunken gewesen. Im Brief wörtlich: "Du hast Gulasch erzählt, anstatt erstmal zu mir zu kommen". Die Nachbarin sagte weiter, sie habe das alles dann der Zeitung "taz" erzählt. Ihr Ziel sei gewesen, dass die Polizei aufmerksam wird "und etwas macht".
Gerichtspsychiater: Taten waren nicht politisch motiviert
Erneut hat sich der psychiatrische Gutachter zum Angeklagten geäußert. Nach dessen Aussage sind die Brand-Taten Ergebnis einer "Selbstwert-Problematik" des 40-Jährigen. Ihm gehe es darum sich selbst aufzuwerten, indem er andere abwerte. Nazi-Symbole gäben ihm ein Gefühl von Stärke. Um eine politische Ausrichtung gehe es ihm überhaupt nicht. "Er macht Handlungen, die ihm Selbstbestätigung geben. Er will sich aufwerten und andere abwerten. Es geht ihm dabei nicht um Personen, es geht ihm um ihn selbst." Deswegen habe er Orte für Brandlegungen gesucht, die mit ihm zu tun hatten. "Warum aber ausgerechnet diese, das kann man schwer sagen".
Für kommenden Montag sind die ersten Plädoyers angesetzt, am Mittwoch plant das Gericht, das Urteil gegen den Angeklagten zu sprechen.
Unsere Quellen:
- Landgericht Wuppertal
- Reporter vor Ort
Über dieses Thema berichten wir am 25. Juli 2025 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit Bergisches Land, 19.30 Uhr.