Brandanschlag Solingen: Angeklagter für weitere Taten verantwortlich?

01:40 Min. Verfügbar bis 24.06.2027

Brandanschlag Solingen: Angeklagter für weitere Taten verantwortlich?

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Eine junge Familie stirbt beim Brand eines Mehrfamilienhauses. Daniel S. steht deswegen vor Gericht. Jetzt gibt es neue Vorwürfe.

Von Wolfram Lumpe

Im März vergangenen Jahres kommt eine junge Familie beim Brand eines Mehrfamilienhauses in Solingen ums Leben. Ein 40 Jahre alter Angeklagter hat die Tat gestanden und muss sich derzeit vor dem Wuppertaler Landgericht wegen vierfachen Mordes und achtfachen versuchten Mordes dafür verantworten. Jetzt stehen weitere Vorwürfe gegen den Mann im Raum. 

Junge vierköpfige Familie kam ums Leben - rassistisches Motiv?

WDR Studios NRW 24.06.2025 01:00 Min. Verfügbar bis 24.06.2027 WDR Online

Kellerbrand war Brandstiftung

In einem Fall geht es um einen Kellerbrand in einem Mehrfamilienhaus im Osten Wuppertals. Der wird Anfang 2022 als technischer Defekt zu den Akten gelegt. Im Prozess um den Solinger Brandanschlag kommt jetzt heraus: Es war Brandstiftung. Ein vor Ort jetzt ermittelnder Brandsachverständiger fand Spuren, die das belegen. Und: Die Lebensgefährtin des Angeklagten wohnte damals in dem Haus. Und er, Daniel S., war damals mehrfach dort. Er hatte vor dem Brand offenbar Streit mit einem Wohnungsnachbarn, einem Mann mit marokkanischen Wurzeln. 

Nebenklage- und Opferanwälte: Daniel S. hatte fremdenfeindliches Motiv

Seda Basay-Yildiz

Anwältin Seda Basay-Yildiz

Wegen dieser Konstellation vermuten die Nebenklage- und Opferanwälte nicht nur die Täterschaft bei diesem Brand in Wuppertal, sondern auch ein fremdenfeindliches Motiv. Genau wie sie es beim verheerenden Brand in der Grünewalder Straße in Solingen sehen. Die verstorbene junge Familie war frisch aus Bulgarien nach Deutschland gekommen, die schwer verletzten Überlebenden haben türkische Wurzeln. Relativ offen unterstellt vor allem Anwältin Seda Basay-Yildiz Polizei und Staatsanwaltschaft, rassistische Motive bewusst auszublenden - bei beiden Bränden. Im Prozess wählte sie Worte wie "peinlich", "dilettantisch" oder "unterstes Niveau" für die Arbeit der Ermittlungsbehörden. 

Staatschutz: Angeklagter zeigte keine rechten Tendenzen

Auf der anderen Seite stehen die Feststellungen des Staatsschutzes zum Angeklagten. Rechte Tendenzen seien bei ihm nicht festzustellen. Seit Wochen läuft zudem die Auswertung quasi des gesamten Lebens des heute 40-Jährigen. Unter anderem durchforsten an die 50 Polizistinnen und Polizisten seinen Browserverlauf aus den letzten zehn Jahren. Auch hier mit der Hauptfrage: Ist Daniel S. geprägt von rechtem Gedankengut und hat er beim Solinger Brand aus rassistischen Motiven heraus gehandelt? Er selbst schweigt dazu. 

Auto der Ex-Freundin des Angeklagten wurde angezündet

Im Gerichtssaal ist der Angeklagte mit seinen Anwälten sowie die Strafkammer zu sehen.

Der Blick in die Verhandlung.

Ebenfalls neu für alle Prozessbeteiligten war heute die Aussage einer ehemaligen Freundin des Angeklagten. Der Vorsitzende Richter sagte, diese habe bei der Polizei davon berichtet, dass 2021 zunächst die Reifen ihres Fahrzeugs zerstochen worden seien, dann habe jemand das Fahrzeug in Brand gesetzt. Beides habe sie erstmal nicht mit Daniel S. in Verbindung gebracht. Nachdem sie vom fatalen Brandanschlag in Solingen gehört habe, sehe sie das anders. 

Die Verteidigung des Mannes hat eine völlig andere Einschätzung: Beim Wuppertaler Brand bestehe lediglich ein Anfangsverdacht. Man müsse das fertige Gutachten des eingeschalteten Brandsachverständigen abwarten. Von der Ex-Freundin habe man zuvor noch nie gehört. Klar ist derzeit nur eins: Ein Ende des Prozesses ist noch in weiter Ferne. 

Unsere Quellen:


  • Gerichtsreporter WDR
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Staatsanwaltschaft Wuppertal

Über dieses Thema berichtet der WDR am 24. Juni 2025 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit Bergisches Land, 19:30 Uhr und im Hörfunk auf WDR 2.

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