Inklusives Schulprojekt auf Reichshofer Bauernhof
WDR. 03:11 Min.. Verfügbar bis 29.05.2028.
Lautes Hämmern dröhnt aus der hellen Blockhütte. Der 15-jährige Max kniet auf dem Boden und legt den Hammer auf einem halbfertigen Laminatboden ab. "Passt“, sagt der Schüler und streicht über die Verbindung zwischen Nut und Feder. Marius Blum klopft ihm auf die Schulter: "Sieht super aus", sagt er.
Max ist Schüler der St. Antonius Förderschule in Reichshof-Eckenhagen. Er hat Schwierigkeiten mit emotionalem und sozialem Verhalten. Normaler Schulunterricht fällt ihm schwer.
Nichts davon ist dem Schüler hier anzumerken. Wenn er die Wahl hat, verlegt er lieber einen Fußboden, statt Mathe im Klassenzimmer zu pauken. Deshalb ist er auch nahezu täglich auf dem Areal. Selbst wenn keine Schule ist.
Inklusionsprojekt über die Jahre gewachsen
Max gehört zu einer Gruppe Jungs, die an diesem Vormittag am Blockhaus auf dem Gelände des Vereins "Fliegende Bauten - Schule in Arbeit" werkeln. Die Blockhütte ist neu und soll vor allem in der nassen Jahreszeit als Unterschlupf für die Jugendlichen dienen, die hier jeden Tag auf dem Gelände arbeiten.
Das Projekt heißt "Schule in Arbeit"
Das Gelände und der Verein ist ein gemeinsames Inklusionsprojekt der Gesamtschule Reichshof und der Förderschule St. Antonius. Verantwortlich sind Mirko Müller und Marius Blum, die sich seit 2010 um das Gelände kümmern.
Beide arbeiten an der Förderschule als Pädagogen und sehen, was seit den ersten Anfängen aus dem Projekt geworden ist. "Früher war hier eine Kompostieranlage. Dann gab’s irgendwann Schafe und dann ist das hier alles nach und nach gewachsen", erklärt Müller.
"Jetzt weiß ich, wie man einen Fußboden verlegt" Lukas, Gesamtschule Reichshof
Immer etwas zu tun
Handwerksarbeiten gehören täglich dazu, genauso wie Hühner füttern, Schafe hüten, Gemüse säen und ernten - auf dem Hof ist immer etwas zu tun. Deshalb sind hier an jeden Tag mehrere Gruppen mit bis zu 40 Jugendlichen im Einsatz. Hemmschwellen gibt es nicht. Egal ob Förder - oder Gesamtschüler.
Auch die Kita-Kinder, die immer mittwochs auf das Gelände kommen, sind Teil der inklusiven Gemeinschaft, die das Projekt "Schule in Arbeit" festigen will.
"Alle, die hier her kommen, lernen voneinander. Viel besser, als das im Schulunterricht klappen könnte" Mirko Müller, Pädagoge Förderschule St. Antonius
Ohne Geld funktioniert es nicht
Ohne Geld funktioniert ein solches Projekt nicht. Deshalb ist der Verein auf Spenden, Patenschaften und Crowdfunding angewiesen, aber auch auf die Unterstützung durch regionale Förderungen, wie beispielsweise die der Leader-Region Oberberg. Außerdem kommt Geld durch den Verkauf von eigenem Honig, Obst und Gemüse rein.
Die Jugendlichen lernen, gemeinsam zu arbeiten
Die Kompetenzen, die die Jugendlichen hier lernen, sind für das weitere Leben manchmal sogar entscheidend. Denn viele der Förderschüler werden keinen Schulabschluss machen können.
Aber trotzdem ihren ganz eigenen Weg gehen, so wie Max: "Ich möchte auf jeden Fall irgendwas mit Schreinern machen", sagt er. Und die Chancen dafür stehen gar nicht mal schelcht.
Unsere Quellen:
- LEADER Region Oberberg
- Gesamtschule Reichshof
- Caritas-Jugendhilfe-Gesellschaft
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Inklusives Schulprojekt auf Reichshofer Bauernhof, 29.05.2026, 15:09 Uhr
