Illegale Zigarettenproduktion: Prozess um Steuerhinterziehung | WDR Lokalzeit Bergisches Land
00:43 Min.. Verfügbar bis 05.05.2027.
Illegale Zigarettenproduktion: Alle 19 Angeklagten verurteilt
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Im Prozess um zwei illegale Zigaretten-Fabriken in Velbert und Radevormwald hat das Wuppertaler Landgericht drei Angeklagte zu Haftstrafen von zwei bis drei Jahren verurteilt. 16 Angeklagte waren bereits im Mai zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Sie wurden für schuldig befunden, an der Hinterziehung von Tabaksteuer in Höhe von 2,3 Millionen Euro beteiligt gewesen zu sein.
Insgesamt waren es 19 Angeklagte, denn auch in Velbert schlugen Bundespolizei, SEK und der Zoll damals zeitgleich zu. Sie wurden zwar vor dem Wuppertaler Landgericht angeklagt - der Prozess aber fand im Hochsicherheitstrakt der Düsseldorfer Oberlandesgerichts statt, weil im Wuppertaler Gericht renoviert wird.
Das Urteil, Bewährungsstrafen für 16 der 19 Angeklagten, erging rekordverdächtig schnell schon Anfang Mai: Der Prozess hatte erst im Mai begonnen, mit einem Geständnis von 16 Angeklagten. Drei weitere Angeklagte wurden gestern zu Haftstrafen verurteilt und müssen für zwei bis drei Jahre ins Gefängnis.
Steuern in Millionenhöhe hinterzogen
Die drei jetzt verurteilten Männer hatte nach Ansicht des Gerichts Steuern in Millionenhöhe hinterzogen. In den illegalen Zigarettenfabriken wurden Zigaretten gerollt und verpackt. Die Verurteilten sollen durch den Betrieb der Zigarettenfabriken im Bergischen monatlich mehrere Tausend Euro verdient haben. Die Hintermänner sind aber weiter unbekannt.
Hilfsarbeiter aus Osteuropa
Das Gericht konnte es offenbar deswegen kurzhalten, weil die meisten von ihnen nur untergeordnete Hilfstätigkeiten bei der Herstellung einer zweistelligen Millionenzahl unversteuerter Zigaretten durchführten. Ein Modell, das man von vielen Drogen-Plantagen kennt: Die Hilfsarbeiter werden meist aus Osteuropa nach Deutschland gebracht. Sie wohnen zum Teil auf engstem Raum in den Plantagen, oder wie hier in den Zigaretten-Fabriken.
Hoher Produktionsaufwand
Fotos nach der Razzia zeigten "Räume in Räumen" mit Schall-Isolierung. Damit habe man die Lärm- und Geruchsbelästigung bei der Zigaretten-Produktion gering gehalten. Und das in einem mehr als zwei Fußballfelder großen Hallen-Komplex.
Massiver Steuerschaden
Auch andere Zahlen aus der Anklage sind beeindruckend: Allein in Velbert wurden demnach durch fast 17 Millionen produzierte Zigaretten über drei Millionen Euro Steuern hinterzogen. Darüber hinaus wurden 12,5 Tonnen fein geschnittener Tabak sichergestellt. Die Zigaretten waren für den Verkauf im Ausland gedacht.
Rein äußerlich sollen sie den Anschein erweckt haben, dass es sich um namhafte Produkte handele. Die in Deutschland übliche Steuer-Banderole habe aber gefehlt. Zumindest drei Hauptangeklagte sollen daran auch gut verdient haben: Laut Staatsanwaltschaft mindestens 5.000 Euro monatlich. Gegen diese drei wird der Prozess nächste Woche fortgesetzt.
Die am Freitag verurteilten Angeklagten erhielten Strafen wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe dazu - und zwar zwischen 18 und 22 Monaten auf Bewährung.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Wuppertal
- Landgericht Wuppertal
- Reporter vor Ort